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Größte Bionik-Schau Deutschlands im Naturkundemuseum in Münster

Münster (lwl) - Noch bis zum 17. Juni 2012 zeigt der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) in seinem Museum für Naturkunde in Münster die deutschlandweit größte Ausstellung über Bionik.

Die Haut des Hais war Vorbild für einen speziellen Schwimmanzug, der die Schwimmer deutlich schneller macht. Foto: LWL/Oblonczyk

Auf 1.200 Quadratmetern illustrieren über 800 Exponate, darunter 17 Meter lange Flugzeugteile und alte Fluggeräte, ein weltweit einzigartiges Bionik-Auto, Roboter und Prothesen die "Patente der Natur".

Der Gecko ist dank seiner Fähigkeit an glatten Flächen zu haften, Vorbild für Klebebänder und das Leitmotiv der neuen Sonderausstellung "Bionik - Patente der Natur". Foto: LWL/Oblonczyk
Was haben ein Oberschenkelknochen und der Eiffelturm gemeinsam? Wie beeinflusst der Kofferfisch den Automobilbau? Wie tragen Ameisen zum effizienten Transport von Gütern bei? LWL-Direktor Dr. Wolfgang Kirsch: "Die Natur ist der größte Erfinder. Wir müssen nur die Brücke zur Technik bauen, damit zum Beispiel aus dem Prinzip der Klettpflanze Verschlüsse für Kinderschuhe werden. Diese Brückenschläge zeigen wir möglichst anschaulich in der Ausstellung."

Insgesamt über 1.100 Objekte, Fotos, Grafiken, Originalvorbilder aus der Natur wie Tier- und Pflanzenpräparate, darunter 15 Mitmach-Stationen, interaktive Tische und PC-Stationen, haben die Ausstellungsmacher Friederike Ehn, Dr. Anika Seyfferth und Dr. Jan Ole Kriegs unter Leitung von Dr. Alfred Hendricks seit 2009 zusammengestellt.

Exponate: Auto, Flugzeug, Eiffelturm, Ameisen, Roboter
Höhepunkte der Ausstellung sind die Exponate wie das "Mercedes-Benz bionic car" der Daimler AG. Für dieses Auto war der Kofferfisch das Vorbild. Auf dem Museumsvorplatz ist der 17 Meter lange Flügel eines Airbus A320 zu sehen, bei dessen Konstruktion sich Airbus an der Form des Vogel-flügels orientiert hat. Der sieben Meter hohe Mini-Eiffelturm aus Stahl wurde wie das Original dem Oberschenkelknochen des Menschen nachempfunden. In einem Operationssaal liegt eine lebensecht aussehende Frauenfigur mit zahlreichen Prothesen. Sie wurde in rund viermonatiger Arbeit von der bekannten Berliner Figurenbauerin Lisa Büscher für die Ausstellung angefertigt. Eine Kolonie lebender Blattscheideameisen und ein Beet mit Pflanzen zeigen die natürlichen Vorbilder.

"Ein besonderes Objekt ist der tanzende Laufroboter Nao", erklärt die Biologin Friederike Ehn. "In der Ausstellung bewegt sich der Roboter selbstständig, und zu besonderen Vorführzeiten zeigt er den Besuchern, was er kann." Nao ist in der Lage, eine Standwaage zu machen, sich auf den Rücken zu legen und von sich aus wieder aufzustehen. Künftig soll der rund einen halben Meter große, menschenähnliche Roboter bei der Therapiearbeit mit autistischen Kindern eingesetzt werden, da seine reduzierte Mimik für diese Kinder ansprechend ist.

Eines von weltweit nur zwei Modellen des humanoiden Roboters ASIMO ist ebenfalls in der Ausstellung zu sehen. Im Gegensatz zum Roboter Nao ist Asimo allerdings nur als statisches Objekt zu bestaunen.

Warum friert der Eisbär nicht, obwohl er in der kältesten Region der Erde lebt? Die Frage wird im Bereich "Oberflächen" anschaulich erklärt. Foto: LWL/Oblonczyk
Gegenüber stehen die sechsbeinigen Laufroboter Lauron und Tarry, die das Laufverhalten von Stabheuschrecken imitieren und sich so selbst auf unwegsamem Gelände, zum Beispiel nach Erdbeben oder in der Marserkundung, fortbewegen können. Etwas weiter findet sich der Löschroboter OLE, der gleich drei natürliche Vorbilder hat und zur Bekämpfung vom Bränden eingesetzt werden soll. Die Wissenschaftler der Fachhochschule Magdeburg-Stendal entwickelten den Löschroboter nach dem Vorbild des Saftkuglers, der mit den Tausendfüßern verwandt ist. Ähnlich wie der Tausendfüßer rollt sich Ole bei Gefahr zusammen und zieht seine sechs Beine ein. Der Löschroboter soll sich orientieren können wie eine Grille und nach dem Vorbild des Schwarzen Kiefernprachtkäfers mit einem Infrarotsensor.

Naturpatente
Dr. Anika Seyfferth gibt ein weiteres Beispiel für Naturpatente: " Der Gecko diente beispielsweise als Vorbild für die Entwicklung eines besser haftenden Klebebands. Geckos können, dank ihrer mit feinen Härchen besetzten Füße, kopfüber an der Wand hängen ohne herunterzufallen." Aber auch Libellen dienten als Vorbild für klettende Elemente.

Präriehunde dagegen bauen Erdbauten mit Belüftungssystem. Sie sind ein wichtiges Vorbild in der Klimatechnik. Abgeschaut bei der Natur ist auch der für Fassadenfarben, Dachziegel und Autolacke verwendete Lotuseffekt: Aufgrund von mit Wachskristallen überzogenen Noppen reinigen sich die Blätter einiger Pflanzen von selbst und lassen Wasser und Schmutz abperlen.

Ratten können sich fast überall durchbeißen, ohne dass ihre scharfen Nagezähne stumpf werden. In der Industrie müssen bei Schneidemaschinen für harte Materialien die Messer häufig ausgetauscht und geschärft werden. Ingenieure haben sich die Zähne von Nagetieren zum Vorbild genommen, um selbstschärfende Messer für die Industrie zu entwickeln.

Das Patentamt
Dr. Jan Ole Kriegs erläutert das Prinzip der Ausstellung: "Das ´Patentamt der Natur‘ zieht sich als roter Faden durch. Im Eingangsbereich ist die Inszenierung eines historischen Patentamtes zu finden. Hier melden die Tiere ihr Patent für die innovativen Oberflächen, Techniken und Strukturen beim Sekretär-Vogel an." Anschließend wird der Besucher thematisch durch die verschiedenen Bereiche der Bionik geführt: Architektur, Oberflächen, Robotik, Medizin oder Bewegung unter Wasser, an Land und in der Luft, Sensorik, Kommunikation und Evolutionsstrategien.

Den Eingang ins Patentamt ziert ein zehn Meter großes Graffiti des Münsterischen Künstlers Andreas Plautz. Er hat auch zehn kleinere Comics für die Ausstellung angefertigt, die besonders für die jungen Besucher interessant sind.

Zahlreiche Inszenierungen, Filmbeiträge oder Mitmach-Stationen wurden von Studenten oder ehemaligen Studenten der Fachhochschule Münster, Fachbereich Design, unter Anleitung von Professor Cordula Hesselbarth speziell für die Ausstellung angefertigt. Heraus kamen unter anderem Installationen zu Eisbär, Nanobots und Lotuseffekt, Grafiken zum Thema Fliegen und Filme zum Eiffelturm, Cochlea-Implantat oder zur Stabheuschrecke.

Hintergrund: Bionik
Die Natur hat in Millionen Jahren zahllose Erfindungen hervorgebracht: Termiten bauen Hügel mit Lüftungsschächten, Käfer riechen Feuer und Pinguine gleiten ohne Anstrengungen durchs Wasser. Im "Patentamt der Natur" finden sich viele Lösungen für unterschiedliche Alltagsprobleme, die für Menschen von unschätzbarem Wert sind. Wie der Mensch das riesige Potenzial der Natur nutzen kann, um die Technik effizienter und umweltschonender zu gestalten, ist Gegenstand der Bionik. Das Wort "Bionik" ist eine Kombination aus den Begriffen "Biologie" und "Technik".

Angebote und Rahmenprogramm
Führung für Erwachsenengruppen und museumspädagogische Angebote für alle Altersgruppen, Vorträge und Thementage zur Sonderausstellung, Literarische Rundgänge mit der Schauspielerin Beate Reker (Premiere 25.11.2011), Kindergeburtstag mit Gecko und Co..

Das gleichnamige Begleitbuch zur Sonderausstellung ist im Museumsshop erhältlich (ISBN 978-3-940726-15-5, 154 Seiten, 14,80 €)

Zur Sonderausstellung "Bionik - Patente der Natur" steht erstmals im LWL-Museum für Naturkunde ein Audioguide mit einem Familienprogramm in Deutsch und Englisch zur Verfügung. Für Menschen mit Hörbehinderung gibt es den Audioguide in Gebärdensprache!

Zu Ferienbeginn vom 26. bis zum 30. Juli 2011 ist der Eintritt für alle Besucher im Museum frei.

LWL-Museum für Naturkunde
Sentruper Str. 285
48161 Münster
Tel. 0251-591-05
Geöffnet Di-So, 9-18 Uhr
www.bionik-muenster.lwl.org
www.lwl-naturkundemuseum-muenster.de

Eintrittspreise: Kinder/Jugendliche 3,00 € / Erwachsene 5,50 € / Familie 12,00 €
 
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