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Von Winnetou zum modernen Indianer

Münster (lwl) - Geschichte und Gegenwart der Indianer Nordamerikas stellt das Westfälische Museum für Naturkunde in Münster in einer Dauerausstellung auf 700 Quadratmetern vor. Dabei sollen die über 300 Exponate vom perlenbesetzten Festtagskleid bis zur lebensgroßen Bison-Stahlskulptur aus Schrottteilen indianische Sichtweisen und Wertesysteme, insbesondere den Umgang mit der Natur anschaulich machen

Bison-Skulptur
Bison-Skulptur
Bison-Skulptur

Die Dauerausstellung über die „Prärie- und Plainsindianer“ im Museum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) will an eine Schau vor zehn Jahren anknüpfen, die damals über 250.000 Besucher nach Münster lockte.

„Wenn Winnetou stirbt, bleibt kein Auge trocken. Heldenhaft wirft er sich vor Old Shatterhand und fängt mit seiner Brust die Kugel ab, die den weißen Bruder hätte treffen sollen“, erläutert Museumsleiter Dr. Alfred Hendricks ein Bild von Indianern. „Mit den Büchern von Karl May und deren Verfilmungen sind Generationen von Kindern groß geworden. Das Klischee des Indianers als besserer Mensch der besonders sozial, umweltfreundlich und natürlich ein Held ist, sitzt in unseren Köpfen so fest, dass wir glauben, es gäbe heute keine richtigen Indianer mehr.“

Die „Rothäute“ mit der Federhaube auf dem Kopf, die auf gescheckten Ponys Bisonherden hinterher jagen, suche man heute vergeblich, so Hendricks weiter. Indianer fahren Autos, tragen Anzüge und Kleider, leben in Häusern und gehen einer Arbeit nach. Trotz dieser westlichen Lebensweise sind sie Mitglieder einer eigenen Kultur, genauer: vieler Kulturen, denn allein in Nordamerika sind über 300 verschiedene indianische Kulturen beheimatet, die sich unter anderem in der Sprache unterscheiden.

Kontrast der Klischees: Alle Indianer reiten durch die Prärie, so wie alle Deutschen in bayrischer Tracht am Biertisch sitzen.
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Kontrast der Klischees: Alle Indianer reiten durch die Prärie, so wie alle Deutschen in bayrischer Tracht am Biertisch sitzen.

Die Prärie- und Plainsindianer sind die Bewohner der ehemals großen Grasebenen zwischen Mississippi und Rocky Mountains. Allein in dieser Region gab es über 30 unterschiedliche Kulturen, viele davon existieren auch heute noch.

Was ist heute erhalten geblieben von den Kulturen der Sioux, Arapaho, Cheyenne und anderen? Die Ausstellung zeigt mit historischen und modernen Objekten das Leben der Plainsindianer in zwölf Themenbereichen:

· Das Klischee vom Indianer
· Die Ureinwohner Nordamerikas
· Prärie- und Plains
· Nahrung - Gabe der Natur
· Mobilität - Beweglichkeit bedeutet Überleben
· Tipi - benutzt zum Wohnen
· Kleidung und Schmuck - Ausdruck von Individualität und Identität
· Bison - Lebenskraft und Stärke
· Gewaltsame Veränderungen - Vertreibung, Krankheit, Hunger, Tod
· Verträge - Betrug und die Konsequenzen
· Der Verlust der traditionellen Normen und Werte
· Das Leben heute - Balance zwischen Bewahren und Verändern

Erst nachdem die spanischen Eroberer im 17. Jahrhundert Pferde nach Nordamerika gebracht hatten, entwickelten die Indianer der Plains in den weitläufigen Graslandschaften neue Jagdmethoden und sehr mobile Lebensformen. Es entstanden die nomadischen Bisonjäger-Kulturen. Noch im 19. Jahrhundert bildete der Bison die wichtigste Lebensgrundlage der Plainsindianer. Vermutlich lebten einst 60 Millionen Bisons in Nordamerika. Bis 1860 bevölkerten noch riesige, ständig wandernde Herden die Plains.

Fast alles an einem erlegten Bison wurde verwendet.
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Fast alles an einem erlegten Bison wurde verwendet.

Der Bison spielte im Leben der Indianer eine zentrale Rolle. Wenn die Bisonherden nicht zu gewohnten Zeiten an bestimmten Orten auftauchten, konnten die Indianer in große Not geraten. Es gab Zeremonien oder rituelle Handlungen, die die Bisonjagd vorbereiteten, begleiteten und beendeten. Diese Zeremonien hatten sich über Generationen herausgebildet und waren von Kultur zu Kultur unterschiedlich.

Als der Biber aufgrund des Fellhandels nahezu ausgerottet war, begannen die weißen Einwanderer mit Bisonfellen zu handeln. Sie verarbeiteten die Bisonfelle zu Mänteln und Überschuhen. Jährlich erschossen sie hunderttausende Tiere. Zusätzlich setzte ein Schlachten an den Planwagenstraßen nach Westen ein: Die Trecks versorgten sich mit Fleisch. Mit dem Bau der Eisenbahnstrecken und der Landnahme durch die Einwanderer wurden die großen Bisonherden zum Problem. Im Süden Nordamerikas waren 1872 mehr als 5.000 Berufsjäger und etwa gleichviele Amateurschützen auf Bisonjagd - mit traurigem Erfolg. 1895 waren weniger als 1.000 Bisons übrig geblieben.

Es gab viele offizielle Stellen in Nordamerika, die das Ausrotten der Bisons unterstützten. Da damit eine Lebensgrundlage der Indianer zerstört wurde, glaubte man, auf diese Weise die Probleme mit den Indianern „lösen“ zu können. Die europäischen Einwanderer brachten auch bis dahin in Nordamerika unbekannte Krankheiten und den Alkohol mit.

Die Sonderausstellung von 1995 hatte einen so großen Erfolg, dass danach ein kleinerer Ausstellungsbereich bis 2003 das Thema fortsetzte. Nach Überarbeitung des Konzeptes ist die neue Dauerausstellung mit bisher noch nicht gezeigten Exponaten wie einem Ledertipi, Pfeifen oder Tomahawks nun wieder geöffnet.

Ein Tipi aus Leder in der neuen Ausstellung. Fotos: LWL/Egbert
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Ein Tipi aus Leder in der neuen Ausstellung. Fotos: LWL/Egbert

Altersspezifische museumspädagogische Programme und Führungen durch die Ausstellung bietet das LWL-Museum an. Zur Ausstellung erscheint ein neues Begleitbuch zum Preis von 15,90 Euro.






INFO
LWL-Museum für Naturkunde
Westfälisches Landesmuseum mit Planetarium
Sentruper Str. 285
48161 Münster
Telefon 0251.591-05
Fax 0251.591-6098
  • www.naturkundemuseum-muenster.de
  • Mehr Informationen zu Naturkundemuseum und Planetarium
  • Mehr Informationen zu Museen in Münster

  • Öffnungszeiten
    Dienstag bis Sonntag von 9.00 bis 18.00 Uhr
    LWL-Museum für Naturkunde

     
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