Der Bagno-Park in Steinfurt
Östlich des Steinfurter Schlosses entstand ab dem Jahr 1765 eine liebevoll und kunstvoll gestaltete Parkanlage - das Steinfurter Bagno. Karl Graf zu Steinfurt Bentheim ließ hier eine exotische Gartenlandschaft mit chinesischem Palais und griechischem Tempel, kleinen Brunnen und Terrassenkaskaden anlegen.
Die Konzertgalerie ist das pulsierende kulturelle Herz des Bagno-Parks.
Besucher aus ganz Europa lustwandelten durch den Garten. „Die Stadt ist das Paradies Westfalens und das Bagno ihr Stolz und ihre Zierde.", schrieb Dr. Karl Döhmann im ersten Burgsteinfurter Stadtführer vor 100 Jahren. Seinen Namen verdankt das Bagno (italienisch: il bagno) einem Badehaus, das in der Nähe der heutigen Bagnogaststätte zu finden war.
Auch Jogger nutzen die Parklandschaft zum entspannten Sport nach Feierabend.
Zunächst war das Bagno ein nach französischem Geschmack gestalteter Garten. Nach und nach entstand aus diesem Garten ein Landschaftspark nach englischem Vorbild. Mehr als 30 Gebäude zierten das Bagno in seiner Blütezeit. In seiner abwechslungsreichen Geschichte gab es im Bagnopark unter anderem einen gräflichen Tiergarten mit Rehen und Hirschen, großzügige Alleen, eine Grenadierwache, Wasserspiele, eine türkische Moschee, ein chinesisches Palais, Skulpturen, die Bagnokirche, einen Eiskeller, einen See mit verschiedenen Inseln und Brücken, einen römischen Tempel, einen ägyptischen Turm und natürlich die berühmte Konzertgalerie. Diese ließ der Graf für seine Hofkapelle im Jahr 1774 inmitten des Bagnos nach dem Vorbild der Schlossgalerie „Grand Trianon" in Versailles errichten: die „Grande Galerie pour les Concerts" mit aufwendigen Stuckdekorationen, einer grottierten Wandnische, Spiegelwänden und Deckenspiegeln.
Das Jahr 1806 markiert einen Wendepunkt in der Entwicklungsgeschichte des Parkes. Napoleons Vasallen annektierten die Grafschaft Steinfurt und degradierten Graf Ludwig zum Untertanen. Er reiste nach Paris, um bei Napoleon persönlich vorzusprechen. Die Verhandlungen verliefen ergebnislos und führten dazu, dass Graf Ludwig erst 1817 aus Paris nach Burgsteinfurt zurückkehrte. Dort starb er schon im gleichen Jahr. Sein Sohn Alexis, der die Grafschaft schon seit dem Jahr 1806 übernommen hatte, erhielt die Anlagen des Bagnos notdürftig, musste aber wegen der hohen Renovierungs- und Unterhaltskosten die Mehrzahl der Gebäude abreißen lassen. 1828 waren von den ursprünglich über 30 Bauwerken nur noch 16 erhalten, von denen heute nur noch drei, teilweise im Originalzustand erhalten, vorhanden sind.
Idyllische Ecken laden im Bagno-Park zum Verweilen und Durchatmen ein.
Im Rahmen der Regionale 2004 wurde der Bagnopark für 4,1 Millionen Euro mit Landesmitteln neu gestaltet. Die schon zwischen 1994 und 1997 restaurierte Konzertgalerie, die Neue Wache und die Insel mit der Ruine machten den Anfang. Im Frühjahr 1997 öffneten sich - nach umfangreichsten Restaurierungen und Rekonstruktionen - wieder die Türen der Konzertgalerie für eine Reihe glanzvoller musikalischer Veranstaltungen. Der prunkvolle Saal lässt sich selbstverständlich auch ohne Konzert besichtigen.
Natürlich ist auch ein schlichter Besuch in dem immer noch wunderschönen Park unbedingt einen Besuch wert. Heute ist das Bagno ein circa 421 Hektar großes Wald- und Wiesengebiet zwischen den Stadtteilen Borghorst und Burgsteinfurt. Damit ist es eines der größten Naherholungsgebiete in der Region. Erholungssuchende aus nah und fern gehen dort spazieren, joggen, fahren Rad oder unternehmen auf dem See eine Rundfahrt mit einem gemieteten Ruderboot. Die Bagnogaststätte sorgt für das leibliche Wohl. Der Golfclub „Münsterland" liegt im Bagno, sein Sitz ist die „Neue Wache“. Das Bagno ist heute ein eingetragenes Gartendenkmal.








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