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Auf dem Westfälischen-Friede-Weg

Dieser Wander-Tipp ruft uns in den Norden des Münsterlandes. Dort wartet schon eine nette Etappe des Westfälischen-Friedens-Wegs, des sogenannten X 1648 des Westfälischen Heimatbundes. Etwa zwölf Kilometer zwischen Lengerich und Ladbergen müssten doch zu schaffen sein. Zurück geht es mit dem Linienbus.

Da sich der öffentliche Nahverkehr in dieser Gegend aber nicht gerade ins Zeug legt, müssen wir an Sonntagen auf diesen Wander-Tipp verzichten. Der Linienbus fährt tatsächlich nur werktags und samstags, der letzte an einem Samstag auch schon um 15.44 Uhr von Ladbergen zurück nach Lengerich. Bitte bei der Planung berücksichtigen.

Der Westfälische Frieden: Im Jahr 1648 wurde nach 30 Jahren endlich die Reihe der Kriege beendet, die 1618 mit dem Prager Fenstersturz begonnen hatte, und zwar hauptsächlich an zwei verschiedenen Verhandlungsorten: Münster und Osnabrück. Um während der Verhandlungen Depeschen auszutauschen, wurden zunächst Boten hin- und hergeschickt, ab 1646 die später berühmt gewordenen Friedensreiter. Wanderer, die sich auf die Spuren dieser Boten begeben möchten, haben mit dem Hauptwanderweg X 1648 des Westfälischen Heimatbundes die Möglichkeit dazu. Dieser so genannte „Westfälische-Friede-Weg“ verbindet die beiden historischen Rathäuser in Münster und Osnabrück miteinander auf einer Länge von 73 Kilometern.

Der Römer in Lengerich mit Bauelementen aus dem Jahr 1250 ist das Wahrzeichen der Stadt. Rechts daneben ist die mächtige evangelische Stadtkirche zu sehen.

Wir aber konzentrieren uns, wie gesagt, auf die Strecke zwischen Lengerich, ebenfalls Verhandlungsort, und Ladbergen. Das Fahrzeug steht sicher und kostenlos hinter dem Lengericher Feuerwehrhaus an der Schulstraße. Von dort geht es zuerst vorbei an der evangelischen Stadtkirche, nach der Dionysiuskirche in Rheine die größte im Kreis Steinfurt. Warum? Die seit 1527 reformierte Kirche, um 800 als Urkirche des nordwestfälischen Raumes gegründet, war im Mittelalter eine berühmte Wallfahrtsstätte mit einem wundertätigen Margaretenbildnis. Angeblich diente die Kirche auch als Verhandlungsort während des Friedenskongresses.

Linker Hand sieht man dann den Römer, das Torhaus und Wahrzeichen der Stadt. Die ältesten Bauelemente stammen wahrscheinlich aus der Zeit um 1250. Die erste Namensnennung war um 1723. Der Römer war wohl ein Tor zum damaligen Friedhof. Das Gebäude befindet sich seit 1852 im Besitz der Stadt Lengerich. Es diente als Rathaus, als Klassenraum für die Rektoratsschule und auch als Gefängnis und beherbergt heute eine Gaststätte. Ach ja: Das Fachwerkhaus neben dem Römer soll ebenfalls Verhandlungsort gewesen sein.

Wir folgen immer dem X – durch den Römer, wenn wir von der Kirche kommen, und biegen hinter dem Alten Rathaus rechts ab in die Münsterstraße. Vorbei geht es zuerst an älteren Fachwerkhäusern, später aber auch an den großen Industriehallen der Firmen W & H und Garant. Am Stadion biegen wir links ab, gehen über den Kreisverkehr. Jetzt wird es ländlicher.


Der Westfälische-Friede-Weg führt im Süden von Lengerich auch über den Vortlager Damm, eine teilweise vierreihige Allee.
Wir kommen auf den Vortlager Damm. Am Anfang dieser schützenswerten teilweise vierreihigen Allee liegt das ehemals adlige Rittergut Vortlage, auch als Haus Lochte bekannt. Haus Vortlage war von 1734 - 1752 Wohn- und Arbeitssitz des preußischen Landrates Alexander von Grote. Die letzten adeligen Besitzer war die Familie von Blomberg, die das Gut 1830 an die Kaufleute und Fabrikanten Gebrüder Kröner in Lengerich und Amsterdam verkaufte. Nach ihnen folgten die Familien Rickmers und Lochte. Hans Rickmers war der Sohn eines Reeders aus Bremen. Seine Ehefrau war eine Tochter vom nahegelegenen Gut Erpenbeck. Sie heiratete in zweiter Ehe Dr. Max Lochte. Die jüngere Tochter aus dieser Ehe, verheiratete Große-Nordhaus, verkaufte als letzte Erbin das Anwesen. Die Gräftenanlage ist in Privatbesitz und kann nur von außen besichtigt werden.

Haus Vortlage war von 1734-52 Wohn- und Arbeitssitz des preußischen Landrates Alexander von Grote.

Nun liegen dem Wanderer bis Ladbergen noch etwa neun Kilometer herrliche Münsterländer Parklandschaft zu Füßen.

Wir nähern uns Ladbergen, dem Geburtsort des Urgroßvaters von Neil Armstrong, der als erster Mensch am 21. Juli 1969 um 3.56 Uhr Mitteleuropäischer Zeit den Mond betrat.


Am Eingang von Ladbergen führt der X 1648 durch den Friedenspark. Im Frühling blühen dort hübsch aufgereiht die Narzissen.
Zuerst betreten wir den Friedenspark. Die Idee zur Anlage des Friedensparks geht auf die Festlichkeiten zum 350-jährigen Jubiläum des Westfälischen Friedens zurück. Der Ort Ladbergen war im 30-jährigen Krieg übrigens so sehr zerstört worden, dass er für Verhandlungen ausschied. Sehenswert ist die alte Mühle und auch das Gasthaus Alte Post. 1688 richtete dort die münstersche Post eine Poststation ein. Im 18. Jahrhundert unterhielt die Reichspost eine Posthalterei. Seit 1871 befand sich eine Postagentur im heutigen Gasthaus.

Ladbergens Ortskern wird bestimmt von etlichen kleinerem und größerem Fachwerk.

Nach einer Stärkung gehen wir zur Bushaltestelle Christiäner im Ortskern. Von dort fährt der Linienbus R 51 nach Lengerich direkt zum Feuerwehrhaus; aber wie gesagt, nicht sonntags und samstags nur bis 15.44 Uhr. Fahrpläne sind im Internet unter www.westfalenbus.de einzusehen oder unter der Service-Nummer 01803 – 50 40 30 telefonisch abzufragen.

Wer nach dieser Wanderung Appetit auf den kompletten Westfälischen-Friedens-Weg bekommen hat, sollte sich an den Westfälischen Heimatbund wenden. Im Internet unter www.westfaelischerheimatbund.de ist die vollständige Beschreibung und auch die Karte zum Download zu bekommen (Link Allgemein, darin Veröffentlichungen anklicken und auf „Schusters Rappen“ gehen).

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Empfohlene Karte: Freizeitkarte NRW Nr. 4 (Münster, Tecklenburger Land) im Maßstab 1 : 50.000, herausgegeben vom damaligen Landesvermessungsamt NRW. Noch zu beziehen über den örtlichen Buchhandel. Das Landesvermessungsamt wurde aufgelöst. Also Restbestände sichern.

Sie können die Wanderung vorab am PC planen. Dazu gehen Sie zu www.stadtplan-muensterland.de, dort finden Sie alle Wanderwege des Westfälischen Heimatbundes, auch zum Ausdrucken. Experimentieren Sie ein wenig mit diesem Stadtplan, der die Wanderwege im Stadtplan zeigt, in Google Maps oder in Google Earth. Ein besonderer Service: Sie können alle Wanderwege des Westfälischen Heimatbundes für Ihr GPS-Gerät herunterziehen.

Weitere Informationen rund um das Wandern im Münsterland gibt es beim Westfälischen Heimatbund in Münster, Tel.: 0251 / 203 810-15 (Stefan Herringslack).
 
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