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Sagenhaftes Wandern zwischen Billerbeck und Schapdetten

Waldgeister, schaurige Mordgeschichten, Wundertaten: Das alles soll es im Münsterland gegeben haben (oder gibt es sie gar noch?). Quasi an jeder Ecke wimmelt es vor Sagen und Mythen. Wir bitten mit diesem Wander-Tipp quasi zum Ortstermin. Gewandert wird auf dem X 21 auf rund 14 Kilometern Länge vom Ludgerus-Brunnen in Billerbeck zum schaurigen Mordkreuz von Tilbeck in Nottuln-Schapdetten. Die Sagen dazu gibt es bei diesem Wander-Tipp gratis und auch an anderer Stelle bei muensterland.de. Unter der Rubrik Freizeit & Familie, Unterrubrik „Sagenhaftes Münsterland“ gibt es Dutzende von Sagen nachzulesen. Bitte Zeit investieren, es lohnt sich. Zurück nach Billerbeck geht es dann ziemlich umständlich mit Bus, Taxibus und Bahn. Wie, das steht am Ende dieses Wander-Tipps. Bitte, bitte: Vor Beginn der Wanderung über die Rückfahrt ausführlich informieren.


Der Billerbecker Dom wurde in den Jahren 1892 – 1898 in Form einer neugotischen Basilika erbaut.
Nach Parkplatzsuche in Billerbeck blicken wir nach oben und sehen – den Ludgerusdom, klar. Der überragt schließlich alles. Das mächtige Gotteshaus wurde in den Jahren 1892 - 1898 von dem Münsteraner Wilhelm Rincklake (1851-1927) in Form einer neugotischen Basilika erbaut. Die Kirche steht an der Stelle, an der nach der Überlieferung der heilige Liudger am 26. März 809 gestorben ist.

Und da sind wir auch schon beim Thema. Wir folgen der nahgelegenen Darfelder Straße nördlich ein wenig bis zur Gantweger Straße und sehen den Ludgerus-Brunnen. Er wird übrigens erstmals 1541 urkundlich erwähnt. Die barocke Brunnenkapelle wurde im Jahr 1702 als Stiftung des Billerbecker Stadtrichters und seiner Frau errichtet, deren Wappen sich rechts und links über dem Eingang befindet. Und was sich da zugetragen hat, ist schier unglaublich (aber wahr?):

Auf einer seiner Reisen kam Ludgerus auf den Billerbecker Berg. Dort fand er im Wald eine ärmliche Hütte, in dessen Tür eine alte Frau stand. Die Frau trug alte zerlumpte Kleider und ihr Gesicht war ganz schwarz vor Dreck.

Was sich einer Sage nach am Ludgerus-Brunnen zugetragen hat, ist schier unglaublich.

Die Frau bat Ludgerus in ihr Haus und als er sie fragte, warum sie so schmutzig sei, antwortete die Frau: „Herr, unser Brunnen ist schon seit langer Zeit ausgetrocknet und es gibt nur sehr wenig Wasser in dieser Gegend. Das Wasser, das wir haben, reicht nur, um unseren Durst zu stillen.“

Ludgerus wollte helfen, klar. Er ging hinaus in den Garten, sah zwei Gänse und warf sie in den ausgetrockneten Brunnen. „Seht genau hin“, sagte Ludgerus der Frau, „diese Tiere werden sich einen Ausweg suchen, und an der Stelle, an der sie wieder ans Tageslicht kommen, wird es Wasser geben. Dort könnt Ihr einen neuen Brunnen graben.“

Ludgerus sollte Recht behalten. Schon am anderen Tag kamen die beiden Gänse aus der Erde, und an dieser Stelle entsprang eine Quelle, die bis heute nicht versiegt ist. Im Gedenken an den wohltätigen Rat des Ludgerus wird dieser Brunnen „Ludgerusbrunnen“ genannt. An dieser Stelle entspringt auch der „Luersbach“ – Ludgerusbach, an den mit einem Steinbildnis gedacht wird.

Nachdem wir verblüfft innegehalten haben, gehen wir zurück zum Bahnhof. Dieses Gebäude konnte am 17. Februar 2004 für die Gäste wieder geöffnet werden. Seitdem ist „billerbecks BAHNHOF“ eine Adresse, die weit über Billerbeck hinaus Beachtung findet. Wechselnde Kunstausstellungen und Kulturveranstaltungen und die Cafeteria laden zum Päuschen ein.

Und nicht nur das. Am Bahnhof finden wir nun den Einstieg zum Hauptwanderweg X 21 des Westfälischen Heimatbundes, der uns bis zum Mordkreuz führen wird. Der X 21 zeigt uns, wie schön die Baumberge sind. Wir sollten uns also Zeit nehmen und die Natur auf uns wirken lassen. Nach etwa 8,5 Kilometer kommen wir zum Gasthaus Waldfrieden in Havixbeck-Lasbeck, das mit Erfrischungen wartet (donnerstags ist Ruhetag).

Der X 21 führt uns durch die Lasbecker Mark. Die Bauerschaft Lasbeck, mit fruchtbarem Boden, Gewässer und Holz als Voraussetzung für eine Siedlung, ist älter als das Kirchdorf Havixbeck selbst. Wir kommen schließlich zu Vaders Platz. Hier hat sich aber „Vater“ früher nicht ausgeruht, der Vaders-Platz erinnert an den verdienten Vorsitzenden des Baumberge-Verein (gegründet 1886) und die touristische Erschließung der Baumberge.

Das Mordkreuz erinnert an eine grausige Tat, den Mord für eine Handvoll Nägel.

Nach etwa 2,5 Kilometer sehen wir das Mord-Kreuz von Tilbeck. Das 1764 aufgestellte Kreuz erinnert an einen Mord für eine Handvoll Nägel. Die Mersche Tilbeck, so will es die Legende, war eine ebenso beleibte wie derbe Frau und soll auch nicht gerade arm gewesen sein. Als sie eines Abends in eine Kneipe in der Nähe kam und einen klingenden Beutel auf den Tisch vor sich warf, schauten sich zahlreiche Augenpaare vielsagend an. Unter den zahlreichen Halunken und kleinen Gaunern, die in der Kneipe verkehrten, waren auch zwei besonders skrupellose Gesellen, die vor keiner Tat zurückschreckten, um zu ein wenig Reichtum zu kommen. Und eben diesen wähnten sie in dem Beutel der Mersche.

Als die Frau ausgetrunken hatte und sich auf den Heimweg machte, hielt es auch die beiden finsteren Gestalten nicht mehr auf ihren Plätzen. Sie folgten ihr durch das Dunkel – und erschlugen sie schließlich. Das Entsetzen der Gauner muss enorm gewesen sein, als sie feststellten, dass der Beutel nichts weiter als rostige Nägel enthielt.

Der Gerechtigkeit, so die Legende weiter, wurde jedoch genüge getan, die beiden Mordgesellen gefasst und vor Gericht gestellt. Wenig später erwartete die beiden der Galgen. Dieser steht zwar nicht mehr, aber das Kreuz erinnert seither an die grausige Tat, den Mord für eine Handvoll Nägel.


Unser Ziel heißt Schapdetten. Vorsicht: Am Wochenende sind die Verbindungen des öffentlichen Nachverkehrs nach Billerbeck äußerst dürftig. Bitte vorher informieren.
Am Mordkreuz verlassen wir den X 21 und gehen über die L 843 zum nahgelegenen Nottulner Ortsteil Schapdetten. Und hier könnte sich für den Wanderer ein weiteres kleines Abenteuer auftun: die Rückkehr nach Billerbeck. An Werktagen und samstags vormittags gibt es die Möglichkeit, ab der Bushaltestelle Schapdetten-Schule mit dem Regiobus nach Darup zu fahren, um ab dort mit dem Taxibus T65 nach Billerbeck zu kommen. Samstagsnachmittags und sonntags fährt ein Bus von Schapdetten nach Nottuln. Von dort gibt es eine Taxibus-Verbindung nach Coesfeld. Und von Coesfeld gibt es eine Anbindung per Bahn nach Billerbeck. Auf alle Fälle vor der Wanderung die Service-Nummer 01803/504030 anrufen und nach Fahrzeiten fragen. Und auch nach der Taxi-Bus-Verbindung fragen, denn das muss eine halbe Stunde vor Abfahrt telefonisch (am besten mit dem Handy) geordert werden. Der Taxibus ist zu bestellen unter der Rufnummer 01803 /504031.

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Empfohlene Karte: Freizeitkarte NRW Nr. 4 (Münster, Tecklenburger Land) im Maßstab 1 : 50.000, herausgegeben vom damaligen Landesvermessungsamt NRW. Noch zu beziehen über den örtlichen Buchhandel. Das Landesvermessungsamt wurde aufgelöst. Also Restbestände sichern.

Sie können die Wanderung vorab am PC planen. Dazu gehen Sie zu www.stadtplan-muensterland.de, dort finden Sie alle Wanderwege des Westfälischen Heimatbundes, auch zum Ausdrucken. Experimentieren Sie ein wenig mit diesem Stadtplan, der die Wanderwege im Stadtplan zeigt, in Google Maps oder in Google Earth. Ein besonderer Service: Sie können alle Wanderwege des Westfälischen Heimatbundes für Ihr GPS-Gerät herunterziehen.

Weitere Informationen rund um das Wandern im Münsterland gibt es beim Westfälischen Heimatbund in Münster, Tel.: 0251 / 203 810-15 (Stefan Herringslack).
 
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