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Zu Besuch beim "Knaben im Moor"

„Oh, schaurig ist’s, übers Moor zu gehen, wenn es wimmelt vom Heiderauche.“ Annette von Droste-Hülshoff (1797 – 1848) wusste genau, worüber sie dichtete. Wir begeben uns auf die Spuren der berühmten westfälischen Dichterin. Und zwar just dort, wo sie auch hergegangen ist, wo solche Gedichte wie „Der Knabe im Moor“ entstanden sind: zwischen dem Rüschhaus (Münster-Nienberge) und Burg Hülshoff (Havixbeck). „Ja, im Geröhre war’s fürchterlich, oh, schaurig war’s in der Heide.“

Auf einer Länge von elf Kilometern werden wir sehen, was die Annette so fasziniert hat. Der Rundwanderweg startet am Rüschhaus. Der kleine Adelssitz ist ab Nienberge ausgeschildert und problemlos zu erreichen. Parkplätze sind vorhanden. Einkehrmöglichkeiten gibt es nahe Rüschhaus in der Gaststätte Hüerländer und auch auf Burg Hülshoff.

Am schnieken Rüschhaus beginnt unsere Wanderung.

Ein Wörtchen zum Rüschhaus: Der allseits bekannte westfälische Barockbaumeister Johann Conrad Schlaun (1695 - 1773) baute von 1745 bis 1749 auf einer alten Gräftenhofanlage dieses schnieke Häuschen als seinen eigenen Landsitz. Für die Gestaltung vereinigte er innen wie außen in seiner geschickten Manier Merkmale bäuerlicher und herrschaftlicher Architektur. 1979 kauften die Stadt Münster und der Landschaftsverband Westfalen-Lippe gemeinsam das Rüschhaus. Es kann übrigens nur mit Führungen besichtigt werden, der Garten ist jederzeit zugänglich.

Unser Weg beginnt auf der Allee vor dem Hofeingang auf dem Hauptwanderweg X 4 des Westfälischen Heimatbundes. Wir folgen dem X, überqueren die Straße, gehen den gegenüberliegenden Fußweg etwa 70 Meter links hoch, biegen dann rechts ab auf die Straße „Twerenfeld“. Nach wenigen Schritten gehen wir über das Anwesen Hüerländer ins Twerenfeld. Mit der Aufteilung des Twerenfelds an private Eigentümer im Jahr 1828 wurde die Wegefrage neu geregelt, es bildete sich ein Hauptdurchgangsweg, den wir beschreiten.

Etwa auf halbem Wege rechts steht eine mehrhundertjährige Eibe, die auch Annette von Droste-Hülshoff gesehen haben dürfte. Ein echter Zeitzeuge. Am Ende der Waldstrecke stoßen wir auf einen querlaufenden alten Markenweg, in den wir nach links einbiegen. Bald wird er vom Twerenfeldweg geschnitten, wir biegen rechts ab, immer noch dem X folgend.

Bald wird der X 4 nach rechts weiter über die Straße „Haus Vögeding“ laufen, wir indes nicht, wir gehen geradeaus. Ab hier orientieren wir uns an der Raute (◊). Nach kurzer Zeit taucht rechts das Denkmal für Annette von Droste auf, ein grob in Form einer Stele zugehauener Ibbenbürener Sandstein. Wir biegen rechts ab und folgen diesem Weg immer weiter, bis wir zu einem Sackgassenschild kommen. Dort biegt der Rautenweg rechts ab.

Wir sollten uns aber die Zeit nehmen und geradeaus gehen, um kurz den Hof Wittover zu besuchen. Allein fünf Belege in der Dichterchronik bezeugen, dass Annette schon früh mit ihren Eltern den Hof besucht hat. Noch ein Grund für diesen Abstecher: ein herrlicher Blick ins Aatal.

Diese mächtige Eiche ist ein Zeitzeuge. Ob „Nettchen“ unter ihr geruht hat?

Wir kehren zurück und folgen weiter der Raute. Am Ende der langen Straße biegen wir nach links und müssen uns nun den weiteren Verlauf mit Radfahrern teilen. Wir überqueren die Aa, am Ende des Radwegs sehen wir rechts auf einem Feld eine mächtige Eiche – ein weiterer Zeitzeuge. Dort biegen wir nach rechts in die Hohenholter Straße ab. Bald taucht links die Hülshoffer Allee auf, befreit von allem Kfz-Verkehr. Hier haben wir den Hauptwanderweg X 4 wieder, den wir bis zum Rüschhaus auch nicht wieder verlassen werden. Auf Burg Hülshoff laden Museum und Burgkeller ein.

Dort wurde die berühmte westfälische Dichterin geboren: Burg Hülshoff.

Schauen wir doch kurz einmal ins heimatkundliche Geschichtsbuch: Die Burg wurde erstmals im 11. Jahrhundert erwähnt und entpuppte sich dann im Laufe der Jahrhunderte als stete Baustelle. Das Herrenhaus wurde zwischen 1540 und 1545 gebaut. Im 16. und 17. Jahrhundert wurde die Anlage in Formen des Barock erneuert, umgebaut und erweitert, wozu Baumberger Sandstein zusammen mit Ziegelmauerwerk verwendet wurden. Am Ende des 18. Jahrhunderts dann wurde das Innere des Herrenhauses umgebaut, hierbei erhielten auch die Fenster ihre heutige Form. Angeschlossen an die Burg ist eine im späten 19. Jahrhundert in neugotischem Stil erbaute Kapelle. Im 19. Jahrhundert wurde als letzte größere Veränderung die Burgkapelle im neugotischen Stil angebaut. Das Haus ist im Wesentlichen bis heute erhalten geblieben.

Im Herrenhaus ist das Museum zu besichtigen. Die Besucher durchlaufen in Filzpantoffeln mehrere Wohnräume, die zum Teil noch bewohnt sind. Natürlich spielt das Leben der Annette von Droste-Hülshoff auch im Museum eine bedeutende Rolle.

Die Parkanlage der Burg.

Anschließend geht es die Allee wieder zurück, am Ende biegen wir nach links in die Hohenholter Straße ein. Ein paar hundert Meter folgen wir der Straße und müssen höllisch auf den Verkehr achten. Es gibt keinen Fußweg. Wir überqueren erneut die Aa und werfen von der Brücke einen Blick darauf. Hier zeigt sich der Aabruch noch heute als ursprüngliches Stück Natur. Hinter der Brücke heißt es rechts abbiegen. Bald wird der Weg zu einem grünen Baum- und Gebüschtunnel, der zu einer kleinen hölzernen Brücke über die „Krumme Becke“ führt. Dort sind die natürlichen Bachschleifen und die alten Weiden des Ufers noch erhalten.

Haus Vögeding grüßt schon von weitem mit seinem Rundturm.

Hinter der Brücke geht unser Weg rechts weiter. Etwas später kommen wir an der Hauptstraße (Hülshoffstraße) an, die wir überqueren, dann biegen wir links ab. Wir folgen dem Schonebeckerweg und biegen bei einer überdachten Marienstatue rechts in den Zufahrtweg nach Haus Vögeding ein. Der alte Edelsitz grüßt uns von weitem mit seinem Rundturm über der Gräfte. Auch Annette ging bei ihren Streifereien häufig dorthin. Es wird gesagt, dass sie gerne mit der befreundeten Pächterstochter im oberen Turmzimmer eine Buttermilch trank.

Am Ende der Straße biegen wir links ab und erreichen – wenn wir wollen erneut durch das Twerenfeld, sonst einfach geradeaus – bald wieder unser Ziel Rüschhaus, indem wir am Ende der Straße links abbiegen, nach 70 Metern wieder rechts auf die Rüschhausallee. Hinter uns liegen elf Kilometer Geschichte, da wir der Dichterin so nah wir konnten gefolgt sind.
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Dieser Wander-Tipp basiert auf der Spurensuche Nr. 9 aus der Wanderreihe „Spurensuche im Münsterland“ des Westfälischen Heimatbundes. Nehmen Sie diese Broschüre samt inliegender Karte mit auf Ihre Wanderung. Sie wird Ihnen helfen. Die Schrift ist kostenlos als Download zu haben, wie auch alle weiteren Spurensuchen: www.westfaelischerheimatbund.de, in der Rubrik „Allgemein“ den Hinweis „Veröffentlichungen“ anklicken, danach in die Rubrik „Auf Schusters Rappen“. Weitere Informationen rund um das Wandern im Münsterland gibt es beim Westfälischen Heimatbund in Münster, Tel.: 0251 / 203 810-15 (Stefan Herringslack). Für E-Mail-Anfragen, die selbstredend umgehend beantwortet werden: stefan.herringslack@lwl.org.
 
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