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Bürgerservice im Kreishaus

 

Berufliche Integration: Schlüsselthema für die Wirtschaft

„Migrationshintergrund“, „Integrationshemmnisse“ – Dr. Felix Osterheider, Moderator der Auftaktveranstaltung des Regionalnetzwerkes der Initiative für Beschäftigung (IfB), machte in Bissendorf keinen Hehl aus seinem Unbehagen angesichts dieser politisch korrekten Wortungetüme.

Initiative für Beschäftigung - Massarbeit
Gleichzeitig war er sich jedoch mit seinen Gesprächpartnern aus Wirtschaft und Kommunen einig: Die berufliche Eingliederung von Menschen, deren Wurzeln nicht in Deutschland liegen, entscheidet langfristig über den Erfolg der deutschen Wirtschaft. Rund 100 Unternehmer sowie Vertreter aus Politik und Kommunen waren ins Solarlux-Forum gekommen, um gemeinsam der bundesweiten Initiative für Beschäftigung im Osnabrücker Land neuen Schwung zu geben. Astrid Hamker, Unternehmerin und Initiatorin des Regionalnetzwerkes, wies darauf hin, dass die aktuelle Wirtschaftskrise oft den Blick auf ein Schlüsselthema der Zukunft verstelle: Die Unternehmen konkurrierten bereits intensiv um gut qualifizierte Mitarbeiter. „Und dieser Wettbewerb wird in den kommenden Jahren härter werden: Wir müssen deshalb gezielt dafür sorgen, dass alle jungen Menschen in Deutschland gleiche Chance auf Bildung und Qualifizierung haben.“ Das Profil eines Unternehmens profitiere deutlich von der Personalvielfalt, unterstrich auch Ulrich Weber, Personalvorstand der Deutsche Bahn AG und Sprecher der Bundes-IfB. Arbeitnehmer mit Migrationshintergrund seien nicht mehr die Gastarbeiter der 1960er Jahre, sondern heute auf allen Ebenen der Betriebe aktiv.

Eine Diskussionsrunde mit Einwanderern, die in allen Lebensbereichen in Deutschland angekommen sind, beleuchtete aktuelle Fakten zum Thema Integration. „Die Veränderung muss in den Köpfen beginnen“, unterstrich Yilmaz Kilic, Unternehmer aus Melle. Die deutsche Gesellschaft blicke vor allem auf die Probleme mit Migranten: „Wer weiß hier schon, dass es in Deutschland über 80.000 türkische Unternehmen in 100 Sektoren mit rund 400.000 Mitarbeitern gibt?“ Überraschtes Raunen rief im Publikum auch die Information hervor, dass gut 60 Prozent der Beschäftigten Deutsche seien.

Dr. Nikolas Daroussis, Lehrer und Vorstand der griechisch-mohammedanischen Gemeinde Quakenbrück, berichtete von seinen Erfahrungen in Gemeinde und Schule. Die Arbeitslosigkeit in seiner Gemeinde liege bei 80 Prozent, in der Einwanderergeneration gebe es einen hohen Anteil an Analphabeten und rund 80 Prozent der Kinder besuchten eine Förderschule. „Aus dieser Situation kommen wir nicht ohne die Mitarbeit der Eltern heraus“, unterstrich Daroussis. Aber es seien besondere Anstrengungen nötig, bildungsferne Schichten zu erreichen, einheimische ebenso wie Eltern mit Wurzeln in anderen Kulturen: Angebote müssten passgenau auf die Lebenssituation der Menschen zugeschnitten sein und möglichst niedrigschwellig sein.

Elena Kovaltchuk, Bereichsleiterin der MaßArbeit, appellierte an Migranten, selbstbewusst ihren Weg zu gehen. „Viel hängt von der eigenen Einstellung ab, von dem Willen, selbst aktiv zu werden“, so ihre Erfahrung. Das sei jedoch nur möglich, wenn die Gesellschaft den Menschen mit Migrationshintergrund berufliche Perspektiven aufzeige.

Genau das will der IfB-Wettbewerb „Ankommen im Beruf“, für den Astrid Hamker in Bissendorf den Startschuss gab. Ausgezeichnet werden junge Migrantinnen und Migranten, die ihre berufliche Qualifizierung in Betrieb und Schule besonders engagiert abgeschlossen haben. „Wir wollen mit der Prämierung von herausragenden Beispielen gelungener Integration Mut machen und zum Nachahmen anregen“, so Hamker. Sie forderte Unternehmen, aber auch Schulen und Organisationen auf, junge Menschen für den Wettbewerb vorzuschlagen. Auch Eigenbewerbungen sind erwünscht. Ansprechpartnerin für den Wettbewerb ist Sabine Ostendorf, MaßArbeit, Tel.: 0541 / 501-4190.

Foto: Gaben den Startschuss für mehr Beschäftigung in der Region( v.l.n.r.): Manfred Hugo, Honey Deihimi (Niedersächsische Integrationsbeauftragte), Felix Osterheider, Astrid Hamker (Initiatorin Regionalnetzwerk), Ulrich Weber (Personalvorstand Deutsche Bahn). (Bild- und Textquelle: Landkreis Osnabrück)



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