Handwerkertag 2009
Über 600 Gäste in der OsnabrückHalle erlebten einen inhaltsreichen und unterhaltsamen Abend unter dem Motto: Gesellschaft mit Zukunft – Zukunft des Handwerks. Auch die WIGOS war mit einer Standpräsenz vor Ort.
„Es zeigt sich, wie sehr wir uns anstrengen müssen, mehr junge Menschen für das Handwerk zu begeistern“, stellte ZDH Präsident Otto Kentzler in seinem Grußwort fest. „Die Jugendlichen kennen gerade mal die Bau- und Ausbauberufe – und dann ist auch schon Schluss. Modernste Technik? Doch nicht im Handwerk! Sympathisch, aber angestaubt und bieder – eben uncool – das ist vielfach das Image des Handwerks“, so Kentzler weiter. Dabei sei das Handwerk ein moderner Wirtschaftszweig: technikorientiert, innovativ, karrierefördernd. Diese Botschaft müsse in jedes Wohnzimmer, an jede Plakatwand, an jedes Handwerkerauto. „Sie muss in die Köpfe der Kunden, der Jugendlichen und der Politiker. Und sie muss noch mehr als heute in unsere eigenen Köpfe. Bodenständigkeit ist schön und gut, aber wir dürfen unser Licht nicht unter den Scheffel stellen“, forderte der ZDH Präsident, der leidenschaftlich für die Imagekampagne warb: "Wir sind Handwerker, wir wissen, was wir können und wir sind stolz darauf!" Jede Kammer, jeder Verband und jede Innung, jede Kreishandwerkerschaft und jeder Betrieb müsse sich im nächsten Jahr aktiv beteiligen. „Dann haben wir eine Durchschlagskraft, von der Media-Markt, Saturn und OBI zusammen nur träumen können“.
Davon zeigte sich auch der Festredner des Abends überzeugt, Zukunftsforscher Prof. Peter Zellmann aus Wien. In einer spannenden Präsentation gelang es dem Wissenschaftler die Notwendigkeit dieses Handelns anhand anschaulicher Analysen dem Publikum zu verdeutlichen. Seine Kernaussage: Aufgrund des demografischen Wandels, der von immer weniger Schulabgängern ausgeht, wird es für das Handwerk zunehmend schwieriger, die guten Absolventen für sich zu gewinnen. „Der Kampf um die Besten hat bereits heute begonnen und wird sich in den nächsten Jahren noch weitaus verschärfen“, so die Überzeugung Zellmanns. Diese Entwicklung werde in absehbarer Zeit bedrohlich für die Betriebe, da sie ihren handwerklichen Nachwuchs in Konkurrenz zur Industrie nicht mehr in gewohnter Anzahl rekrutieren können.
„Das geht bis zur Aufgabe von Betrieben aufgrund fehlender Fachkräfte, die nicht frühzeitig an den Betrieb gebunden werden“. Die Imagekampagne des deutschen Handwerks sei ein erster Schritt zur Lösung dieses Nachwuchsproblems. „Eine ähnliche Kampagne hat in Frankreich zu einem enormen Erfolg geführt und das Ansehen des Handwerks in der Öffentlichkeit und bei Bewerbern enorm verbessert“, so Zellmann.
Ein zentrales Thema für die Suche nach Fachkräften und deren langfristige Bindung an den Betrieb ist auch die Familienfreundlichkeit. Gerade hierbei schneide das Handwerk aufgrund der übersichtlichen Betriebsstrukturen weit besser ab, als die Industrie. So unterstützt der Landkreis Emsland in vielfältiger Hinsicht solche betrieblichen Bestrebungen, wie Landrat Hermann Bröring in seinem Grußwort betonte: „Wir haben mit der „Emsländischen Stiftung Beruf und Familie“ bereits diesbezüglich Maßnahmen umgesetzt – beispielsweise durch die Einstellung eines Unternehmenscoach, der den Kinderbetreuungsbedarf von Mitarbeitern in Unternehmen ermittelt und individuelle Betreuungskonzepte erarbeitet. Das kann auch für unsere Nachbarregionen beispielhaft sein.
IHK Präsident Titgemeyer betonte in seinem Grußwort die gemeinsamen Anstrenungen von IHK und Handwerkskammer vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise: „“Handwerkskammer und IHK unterstützen ihre Mitgliedsunternehmen – ganz im Sinne guter Handwerkstradition – mit sehr praktischen Maßnahmen. Denn nach dem norwegischen Dramatiker Hendrik Ibsen „gibt es Weltverbesserer genug, aber einen Nagel richtig einschlagen können nur die wenigsten.“
Abschließend mahnte Kammerpräsident Voss in seiner Ansprache angesichts der bevorstehenden Bundestagswahlen die Politik: „Vergesset nicht eure wichtigste Aufgabe, nämlich die besten Rahmenbedingungen zu schaffen, damit unsere Kinder, unsere Jugendlichen, unsere Auszubildenden und unsere Gesellen und Meister die beste aller Perspektiven haben: Eine erstrebenswerte Zukunft“. (Quelle PR Handwerkskammer Osnabrück-Emsland).
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