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Willkommensbehörde

Ideengeber gesucht

„Was kann ich schon daran ändern?“, denkt so mancher, wenn es um den Klimawandel geht. Klimaschutz-Pioniere, die sich nicht abbringen lassen und deren Einsatz sogar geldwerte Vorteile bringen, gibt es erfreulicher Weise dennoch.

Der Landkreis sucht Ideengeber, die zeigen, dass die Energiewende machbar ist und sich für jeden auch persönlich lohnen kann.

Nachfolgend stellen wir Ihnen beispielhafte Projekte vor. Egal ob es um regenerative Energien geht oder um Energie sparen: wer über seine guten Erfahrungen dazu berichten möchte, wendet sich an das Klimateam. Ansprechpartner ist Timo Kluttig,  kluttig@lkos.de | 0541/501-3060

Immer der Sonne nach

Ein ungewöhnliches Solarprojekt in Melle

„Manchmal halten Leute an und machen Fotos“ sagt Reinhard Werner, pensionierter Holz-Betriebstechniker aus Melle-Neuenkirchen. „Das stört uns aber nicht weiter. So etwas sieht man ja auch sonst kaum irgendwo“.

Zugegeben, der Anblick ist gewöhnungsbedürftig: auf der Garage vor dem Haus steht ein großer “Solarmover“. Das ist eine  Photovoltaikanlage, die sich nach der Sonne ausrichtet. Gut fünf Meter Kantenlänge hat die quadratische Modulfläche, die auf einem beweglichen Drehkranz auf Eisenträgern montiert ist und Sonnenlicht in Strom wandelt. Das futuristische Gebilde steht auf einem Dach der Garage, etwa 20 Meter vom Haupthaus entfernt.

„Unser Interesse an der erneuerbaren Energie wurde geweckt, als die 1972 gebaute  Ölheizung im Oktober 2009 ausfiel und wir über eine neue Heizquelle nachdenken mussten. Das Ergebnis war eine neue Solar-  und Pellet-Heizung. Und für die Stromerzeugung die Photovoltaikanlage auf dem Dach des Wohnhauses. Um eine große Kapazität auf engstem Raum zu erzeugen,  kam uns der Gedanke eine Art „Radar“ auf das Dach der Garage zu bauen“.

Heimische Handwerker, Statiker und Hersteller aus Melle-Buer haben das Vorhaben, als Sonderanfertigung ermöglicht. Im Oktober 2009 ist die Photovoltaikanlage auf dem Hausdach ans Netz gegangen und im Dezember der Mover.

Vater Reinhard Werner, der vor seiner Technikerausbildung bereits Bautischler und Zimmermann gelernt hatte und bis 1996 einen eigenen Betrieb leitete, erstellte für seine Tochter Elke die Pläne und begleitete die Baumaßnahme.

„Der Mover hat gleich mehrere Vorteile gegenüber den Zellen auf dem Haupthaus“, erläutert der 71 Jährige: „Nicht nur die Ausrichtung passt immer, auch die Temperatur der Module ist günstiger als auf dem Dach“. Der Grund dafür sei die bessere Luftzirkulation. Weil die Module auch von hinten belüftet werden, kann schon ein leichter Wind sehr viel Wärme abtransportieren. Das steigert den Stromertrag gerade im Sommer deutlich. Dach und Mover haben zusammen eine Leistung von 22 Kilowatt.

So steht in Melle-Neuenkirchen nun eine der modernsten PV- Anlagen des Landkreises und leistet ihren Beitrag zur Energiewende. Gleichzeitig liefert sie den Röpkes und Werners günstigen Strom: „Etwa 3000 kWh verbrauchen wir selbst, der Rest wird eingespeist“.

Nach Zukunftsplänen gefragt, deutet Reinhard Werner auf die flatternden Fahnen im Garten. „Windig ist es hier draußen eigentlich immer. Kleinwindkraftwerke könnte sich unsere Tochter Elke gut vorstellen“.

Nahwärme für Melle Bruchmühlen

Die Höfe Diembeck und Tiemann versorgen demnächst die Nachbarschaft mit Wärme

Die Bauerschaft Bennien liegt idyllisch am Südrand des Meller Ortsteiles Bruchmühlen. Getreidefelder, Gärten, Einfamilienhäuser und Bauernhöfe prägen das Bild. Dass hier die Welt noch in Ordnung ist, zeigt auch ein Projekt, dass die Familien Diembeck und Tiemann ins Leben gerufen haben: Den Aufbau eines Nahwärmenetzes, das in diesem Jahr fertig gestellt wird.

Die Idee dazu kam im Jahr 2011. Auslöser ist die gemeinsam betriebene Trocknungsanlage für Körnermais und Getreide, die mit Heizöl beheizt wird. „Damals stiegen die Ölpreise drastisch, da haben wir uns gesagt, so geht es nicht weiter.“ Gleichzeitig sah man sich in der Pflicht, über eine klimafreundliche Alternative nachzudenken, so beide  Betriebsleiter.

Statt im Kleinen durch Umbau oder Sparmaßnahmen den Verbrauch zu reduzieren, entschied man sich für den großen Wurf: „Erst haben wir über eine Holzvergasungsanlage mit Blockheizkraftwerk nachgedacht. Letztendlich haben wir uns aber entschieden, einen großen Heizkessel für Holzhackschnitzel zu bauen“, sagt Herr Tiemann.

Um die  Anlage über  das Jahr hinweg  rentabel zu betreiben, gingen  beide Betriebe auf die Suche nach  weiteren Partnern. Das Vorurteil, dass Landwirte ungern kooperieren, bewahrheitete sich in Bennien nicht. Ganz im Gegenteil: An die Anlage, deren Bau im Januar begonnen wurde, werden nun insgesamt 10 Höfe und Privathäuser per Nahwärmenetz angeschlossen.

Als Brennstoff wird im Wesentlichen Restholz aus der näheren Umgebung zum Einsatz kommen.

Ende  September zur Körnermaisernte muss die Anlage betriebsbereit sein. Dann wird ein Teil der Ortschaft Bennien unabhängig vom Ölpreis sein. „So eine Anlage hat eine Amortisationszeit von durchschnittlich 15 Jahren. Je teurer das Öl, desto größer die Ersparnis“, so Herr Tiemann.

Mollig warm eingepackt

Rund 17 cm Dämmung halten das Haus der Familie Ruthemeyer jetzt warm

Ende der 60er Jahre entstanden in und um Osnabrück viele Siedlungen. Wer es sich leisten konnte, erfüllte sich den Traum vom Eigenheim. So auch die Familie Ruthemeyer aus Georgsmarienhütte-Holzhausen. 1967 entstand ihr zweigeschossiges Wohnhaus. Das Heizöl war billig und der Klimawandel unbekannt. So wurde auf eine Dämmung weitgehend verzichtet, wie bei fast allen Gebäuden aus dieser Zeit. 

Das änderte sich als Sohn Christoph das Haus im Jahr 2000 übernahm. Ein massiver Umbau stand daher an und eine komplette zusätzliche Etage wurde aufgesetzt. „Damals haben wir zunächst das Dach gedämmt, vorher ging die Wärme ungebremst raus“ erinnert sich Christoph Ruthemeyer. Letztes Jahr entschied sich die Familie nach ausführlicher Beratung, auch das übrige Gebäudes energetisch zu sanieren:  die Fassade erhielt  17 cm Dämmung, die Fenster wurden gegen neue, 3-fach verglaste getauscht. „Weil das im Januar geschah war es zwei Wochen mächtig kalt in der Wohnung. Aber die Termine haben wir ja selbst gemacht“, so Frau Ruthemeyer.

Was zu einem gut sanierten Altbau noch fehlt, ist ein neuer Heizkessel. Der alte hat schon 18 Jahre auf dem Buckel und bald ausgedient.

Mit Solarmodulen und Stromspeicher unabhängiger werden

Die Software informiert Jan-Christof Last über den Status der Anlage, zeichnet Energiebilanzen und errechnet Gewinne.

Jan-Christof Last ist technikbegeistert – das lässt sich nicht leugnen. Wenn der gelernte Tischler über seine Solaranlage spricht, besteht kein Zweifel: Er hat Spaß daran, sich mit der kostenlosen Energie von der Sonne auseinander zu setzen. Eine 7,7 kW-Anlage ziert das Dach des Hauses in Melle Bakum, das er 2009 gemeinsam mit seiner Frau als „KfW 40-Haus“  gebaut hat.  Die Solaranlage kam 2011 dazu. Das rückseitige Dach ist nach Süd-Südost ausgerichtet und bietet daher gute Voraussetzungen für Photovoltaik.

„Ein Stück weit autark zu sein“ sagt Last, „ist natürlich ein gutes Gefühl“. Diese Motivation spiegelt sich auch in der übrigen Haustechnik wider: Beheizt wir das Haus über Erdwärme. Ein 700 m² großer Flächenkollektor sammelt über eine Wärmepumpe ausreichend Wärme aus dem Boden, um über die Fußbodenheizung das Energiesparhaus im Winter zu beheizen.

Im Schuppen neben der Garage steht die neueste Errungenschaft des jungen Ehepaares: „Um noch ein Stück unabhängiger zu werden, haben wir uns im Mai einen Stromspeicher zugelegt. So brauchen wir zumindest im Sommer überhaupt keinen Strom mehr aus dem Netz“, so Last.

Die vier Akkupacks, die entfernt an große Autobatterien erinnern, liefern bei Bedarf 5 kWh und werden bei Sonnenschein von der PV-Anlage wieder aufgeladen. So wird die Sonnenenergie flexibel nutzbar. Die gesamte Schalttechnik ist übersichtlich in zwei Wandschränken untergebracht und bietet dem Technikbegeisterten noch ein besonderes Highlight, denn alle Stromdaten sind online  abrufbar: ob aktuelle Stromproduktion, Verbrauch, Einspeisung oder Ladezustand des Speichers - in übersichtlichen Grafiken stellt eine spezielle Software den jeweiligen Status der Anlage dar, zeichnet Energiebilanzen und errechnet Gewinne.

„Natürlich ändern sich mit der Technik auch die Gewohnheiten“ bemerkt Last. „Waschmaschine und Spülmaschine lassen wir natürlich möglichst dann laufen, wenn die Sonne scheint. Inzwischen sind diese Geräte ja alle programmierbar“. So leisten die Lasts einen großen Beitrag zum Klimaschutz und freuen sich gleich doppelt, wenn die Sonne scheint: über das schöne Wetter und über die kleine Stromrechnung.

Dem Dieselmotor das Flüssiggas schmackhaft gemacht

Sie widmen sich einem spannenden Thema, das im Zusammenhang mit Klimaschutz bisher wenig Beachtung fand: Alternative Treibstoffe für große Motoren. Alfred Luhmann und Ludger Ferner forschen seit Jahren an Dieselmotoren, um ihnen Alternativ- und Nebenprodukte wie Flüssiggas schmackhaft zu machen. Es geht ihnen darum, die Effizienz zu steigern und die Abgasmengen zu verringern.

Alfred Luhmann und Ludger Ferner experimentieren mit alternativen Kraftstoffen

„Mein Leben lang habe ich schon mit großen Motoren zu tun“ sagt Alfred Luhmann. Der 75jährige stammt ursprünglich aus der Landwirtschaft und machte sich 1964 als Transportunternehmer selbständig. Gleichzeitig hatte er viel mit der Revision von Flüssiggastanks zu tun. „Da fielen immer wieder Reste von Flüssiggas an. Schon damals habe ich überlegt, ob man die nicht sinnvoll verwenden könnte“.

Sowohl Luhmann als auch der Maschinenbauer mit der Fachrichtung Systemtechnik Ferner experimentierten über Jahre unabhängig voneinander mit verschiedenen Kraftstoffen und Motorvarianten, arbeiteten an Zylinderköpfen und Einspritzdüsen. So entstanden erste Prototypen von Motoren, die neben Diesel auch mit Biogas und anderen Biokraftstoffen betrieben werden können. „Dieselmotoren sind noch immer die effizientesten Antriebe, die wir kennen“ sagen beide. „Wenn es gelänge, sie mit Flüssiggas zu betreiben, wäre das ein großer Fortschritt“.

Weil Flüssiggas als Nebenprodukt bei der Herstellung anderer Energieerzeugnisse anfällt, wird es oft nicht sinnvoll genutzt. So kam der Gedanke auf, ein Flüssiggas zu entwickeln, dass Dieselmotoren  direkt verbrennen können.

Gemeinsam entwickelten Luhmann und Ferner so in den vergangenen Jahren einen ganz neuen Kraftstoff. Ein namhafter Landmaschinenhersteller stellte ihnen für ihre Experimente sogar einen neuen Traktor für Testzwecke zur Verfügung, der mit der Flüssiggastechnologie ausgerüstet wurde. „Das Geheimnis ist das Herstellungsverfahren selbst und die biogenen Zusätze, die wir in der Treibstoffherstellung verwenden, sagt Ferner. „Sie bewirken, dass der Motor das Gas so, wie es vom Motorenhersteller vorgesehen ist, verbrennen kann.

Der Vorteil für´s Klima: Das Flüssiggas, das sonst oft noch am Ort seiner Entstehung nutzlos abgefackelt wird, könnte in vielen Fahrzeugen Diesel als Kraftstoff ersetzen und so CO2 einsparen, darüber hinaus wird der größte Nachteil des Dieselmotors, der Ausstoß von Rußpartikeln, allgemein als Feinstaub bekannt, um bis zu 90 % gesenkt.“

Der nächste Schritt ist die offizielle Zulassung des neuen Treibstoffes. „Das ist ungeheuer schwierig in Deutschland“ sagt Luhmann, „weil es nicht ins Schema passt“. Aber die beiden geben nicht auf. Derweil  arbeitet Luhmann auch schon an einem neuen Projekt: Ein Kraftstoff aus Diesel und Wasser.

In Quakenbrück steht die erste und einzige Schaufellaufband-Anlage

Wassermühlen kennt jeder. Ein rundes Mühlrad wird dabei von oben oder unten vom Wasser in Drehung versetzt und treibt einen Mühlstein oder einen Generator an. Eine etwas andere Art der Wasserkraft-Nutzung hat ein Quakenbrücker entwickelt.

Kurt Schönfeld war schon als Kind Bastler. 1936 in Breslau geboren kam er durch Flucht und Vertreibung nach Bayern, wo er den Beruf des Tischlers erlernte. 1956 zog er nach Hannover, wo er seinen Meister machte und sich außerdem im Bereich Innenarchitektur weiterbildete. 1963 machte er sich mit einer Tischlerei selbständig und betrieb diese bis Ende 1999.

Dass es nicht allein beim Handwerk bleiben sollte, hat Schönfeld vor allem seinem Großonkel zu verdanken, einem Energieforscher und Astronomen: „Er hat bei mir das Interesse für Technik geweckt und mich dazu gebracht, mich mit Energieerzeugung auseinander zu setzen“ sagt Schönfeld. So baute er in Wenningsen am Deister den Prototypen einer Anlage, die aus der Energie fallenden Wassers Strom erzeugt.

Das Prinzip der Anlage ist verblüffend einfach: Dreizehn kleine Wannen mit je 50 l Fassungsvermögen sind an zwei Ketten befestigt, die über große Zahnräder laufen. Dieses „Schaufellaufband“ wird in Bewegung versetzt, sobald sich im oberen Bereich die Wannen mit Wasser füllen und durch die Schwerkraft senkrecht nach unten gezogen werden. Über eine Welle treiben die oberen Zahnräder einen Generator an. Das komplizierte an der Anlage ist die Kippmechanik, die dafür sorgt, dass die Wannen immer in der richtigen Position stehen. „Probleme tauchen aber eigentlich nur auf, wenn größere Fremdkörper in die Anlage gespült werden“ erklärt Schönfeld. Der große Vorteil gegenüber einem Mühlrad besteht darin, dass auch kleine Wassermengen noch effektiv genutzt werden können.

2006 wurde für die Anlage das Patent erteilt und auch das Forschungszentrum Jülich hat die Anlage als innovativ eingestuft. „Was jetzt noch fehlt, ist ein geeigneter Standort, an dem die Anlage dauerhaft installiert werden könnte“, meint Schönfeld. Die Anlage wurde nämlich im Deister ab- und in Quakenbrück wieder aufgebaut, aber leider nur zu Demonstrationszwecken. Im Osnabrücker Land sind die Höhenunterschiede leider meist zu gering, um einen effizienten Einsatz zu ermöglichen. Der Landkreis drückt trotzdem die Daumen, dass die Anlage eines Tages ihre Chance bekommt, ihren Beitrag zur Energiewende zu leisten.

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