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Zu Hause zwischen Hof und Stahl – historische Darstellung der Landkreisgeschichte

Der Landkreis Osnabrück hat sich und seinen Bürgerinnen und Bürgern zu seinem 40. Geburtstag ein Geschenk gemacht und eine Darstellung der Kreisgeschichte von unabhängiger Seite in Auftrag gegeben. Der im Artland beheimatete Historiker Arnold Beuke hat dazu ein Team von zehn Fachautorinnen und -autoren zusammengestellt und mit ihnen viele Quellen gesichtet. Heraus gekommen ist ein äußerst vielseitiges und attraktiv gestaltetes Lesebuch, das zum Erinnern und Wiederentdecken einlädt und zugleich einen fundierten und gut recherchierten Überblick über die jüngst vergangenen Jahrzehnte bietet.

Wer es genau wissen will, der bekommt in der Einführung einen kompakten Überblick über die Geschichte des Osnabrücker Landes von den Anfängen des Bistums im Mittelalter bis zum Zweiten Weltkrieg geboten. Die eigentliche Darstellung setzt danach mit der Nachkriegszeit ein und schildert den Neuanfang in den vier Altkreisen Bersenbrück, Melle, Osnabrück und Wittlage unter britischer Besatzung, die Bewältigung der Versorgungskrise und die Integration der Flüchtlinge und Vertriebenen in den Jahren des Wirtschaftsaufschwungs.

In den Sechziger Jahren begann in Niedersachsen die Diskussion um eine Verwaltungs- und Gebietsreform, die auch im Osnabrücker Land hohe Wellen schlug. Die Zusammenlegung der vier Kreise stand von Anfang an als Vorschlag im Raum, doch hofften manche Kommunen noch lange, ihre Selbstständigkeit erhalten zu können. Der Landkreis Bersenbrück sah sich der Gefahr einer Aufteilung gegenüber, zeitweise schien die Abtretung des Westens um Fürstenau an den Kreis Lingen beschlossene Sache. Gleichzeitig schlugen starke Kräfte in Melle zwei Schalenkreise um Osnabrück vor, wodurch dann die Stadt Melle zum Kreissitz geworden wäre. Der spannende Entscheidungsprozess, der letztlich zum Osnabrück-Gesetz von 1972 führte, ist im Detail nachzulesen. Die weiteren Kapitel bieten dann einen chronologischen Überblick über die wichtigsten Ereignisse, großen Konflikte und prägenden Entwicklungen in den vier Jahrzehnten, die der Landkreis Osnabrück inzwischen existiert. Die Anfänge 1972/73 waren bestimmt vom Zusammenwachsen der Kreisverwaltungen, von personellen und organisatorischen Richtungsentscheidungen und einer Neuordnung der Beziehungen zwischen Stadt und Landkreis Osnabrück. Gemeinsam wurde kommunale Aufgaben wie die Einführung der kreisweiten Müllabfuhr 1975 und der Einrichtung der Mülldeponie am Piesberg in Angriff genommen. Ebenso war die Schullandschaft neu zu ordnen, der Landkreis unterstützte die Gemeinden beim Ausbau von Mittelpunktschulen und baute seine eigenen Gymnasien, Sonder- und Berufsschulen mit erheblichen Mitteln aus.

Der Bau und die Einrichtung des Kreishauses am Schölerberg beschloss das erste Landkreisjahrzehnt. Die Achtziger Jahre wurden von den großen gesellschaftlichen Debatten der Bundesrepublik geprägt. Die Umweltpolitik gewann auch im Landkreis Osnabrück erhebliches Gewicht und führte zur Einrichtung von Naturschutzamt und Umweltausschuss, der sich mit Landschaftsschutz ebenso wie mit Giftmüllfällen befasste. Mit Gründung und Ausbau von Kreisvolkshochschule und Kreismusikschule gewann auch der Kulturamt erheblich an Gewicht für die Regionalkultur. Getrübt wurde die Stimmung dagegen durch die zunehmende Wirtschaftskrise und steigende Arbeitslosigkeit, die sich im Landkreis vor allem in der Sorge um den Erhalt der Georgsmarienhütte widerspiegelte. Die weltpolitischen Umwälzungen, die 1989/1990 zu Mauerfall und deutscher Wiedervereinigung führten, sollten die kommenden Neunziger Jahre auch im Osnabrücker Land auf unvorhersehbare Weise prägen. Tausende von Neubürgern zogen aus Ostdeutschland und den ehemaligen Ostblockstaaten in den Landkreis und bereicherten die Gesellschaft, stellten aber auch erhebliche Integrationsaufgaben an die Kommunen. Die sozialen Aufgaben belasteten die Finanzlage des Landkreises, der mit umfangreichen Umstrukturierungen der inneren Organisation reagierte. Ebenso unvorhersehbar war auch ein Ereignis, das die Kulturpolitik des Landkreises grundlegend veränderte.

Die Entdeckung eines antiken Schlachtfeldes bei Kalkriese war eine der großen archäologischen Sensationen, die über die Grenzen Deutschlands hinaus die Aufmerksamkeit auf den Landkreis Osnabrück lenkte. Das politisch heißeste Eisen des Jahrzehnts war die jahrelange Diskussion um die Anlage einer Müllverbrennungsanlage und die Suche nach einem neuenStandort für eine Mülldeponie. Dazu sollte es nicht kommen, auch angesichts der massiven Bürgerproteste entschied sich der Landkreis, im 21. Jahrhundert einen neuen, zukunftsweisenden Weg der Abfallbeseitigung zu beschreiten. Und so begann auch das vorerst letzte Jahrzehnt in der Landkreisgeschichte mit richtungsweisenden Entscheidungen. Erhebliche Anstrengungen im Bereich der Bildungsförderung machen die Region fit für die Zukunft. Die kommunale Arbeitsförderung wurde durch den Ausbau der landkreiseigenen Beschäftigungsgesellschaft MaßArbeit entscheidend gestärkt, so dass diese nach den Hartz IV-Reformen 2005 einen Großteil der regionalen Arbeitsmarktverantwortung in ihre Regie übernehmen konnte. Stadt und Landkreis rückten durch die Zusammenlegung von Aufgabenbereichen, zum Beispiel im Gesundheits- und Veterinärdienst enger zusammen. Das Osnabrücker Land bildet eine lebenswerte Umwelt für seine Bewohner und Gäste, denen man im Freizeit- und Erholungsbereich Abwechslungsreiches bietet. Dieses reicht von einem vielfältigen Kulturprogramm, das schwerpunktmäßig auf thematische Events von 350 Jahren Westfälischem Frieden bis zum Varusjahr 2009 setzt, bis zum Ausbau des Naturparks zum thematischen Geopark „TERRA.vita“. Dieses sind nur einige Aspekte aus dem 450 Seiten starken Band, das mit über 600 Abbildungen auch optisch Lust aufs Schmökern macht.

Als gut lesbares und doch gründlich recherchiertes Standardwerk über die jüngste Geschichte des Osnabrücker Landes sollte das Buch bei allen, die mehr über unseren Heimatkreis wissen möchten, im Bücherschrank nicht fehlen. Das Buch „Zu Hause zwischen Hof und Stahl – 40 Jahre Landkreis Osnabrück“ ist im Handel erhältlich. 450 Seiten für 24,90 €.

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