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Willkommensbehörde

„Wir nehmen erst mal den Dampf raus“

29.12.2017 MaßArbeit integriert erfolgreich Menschen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen in Arbeit

Dissen/Georgsmarienhütte. Für Elke Kosche ist heute ein guter Tag. Die Arbeitsvermittlerin der MaßArbeit hat erfahren, dass Harald A. nach seinem vierwöchigen Praktikum einen Teilzeitarbeitsplatz in der Pflegeeinrichtung im Südkreis erhält. Fast fünf  Jahre lang hat sie den inzwischen 53-jährigen Mann auf seinem oft steinigen Weg zurück in den Arbeitsmarkt begleitet: Eine psychische Erkrankung hatte ihn aus seiner Berufstätigkeit gerissen.

Elke Kosche ist eine von vier ZAP im Südkreis: ZAP steht für „Zentrale Ansprechpartner für Personen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen“. Elke Kosche und Gerd Gröne arbeiten in der MaßArbeit-Außenstelle Dissen, Christoph Temmeyer und  Margarita Neumann in Georgsmarienhütte. „Schon ab 2012 wurde deutlich, dass immer mehr Bewerber mit Gesundheitsproblematiken bei der MaßArbeit beraten wurden. Und deren Begleitung erfordert einfach eine viel intensivere Arbeit mit den betroffenen Menschen“, schildert ZAP-Teamleiter Thomas Scheufens. 2013 startete deshalb das Projekt „ZAP“, das es ermöglicht, Personen mit körperlichen oder psychischen Beeinträchtigungen sowie Reha-Fälle individueller zu betreuen.

Doch was läuft anders bei der Begleitung durch die ZAP? „Wir nehmen erst mal den Dampf raus“, erklärt Christoph Temmeyer. „Wir haben es mit Menschen zu tun, die in der Regel schon mehrere Jahre arbeitslos sind und alle eine ganz individuelle Leidensgeschichte mitbringen“, so der Vermittler. Die Menschen seien oft hochgradig frustriert und fühlten sich von Vermittlungsversuchen stark unter Druck gesetzt. Das ist auch die Erfahrung von Scheufens: „Wenn man jahrelang Misserfolge im Integrationsprozess erlebt hat, dann ist das Vertrauen in die eigene Person oder auch  zum Vermittler oftmals gestört.“ Hier setzt das Konzept der ZAP an: Mit vielen Gesprächen und vor allem mit Zeit. „Wir müssen langsam das Vertrauen der Betroffenen gewinnen: Denn das Ziel ist es, sie zu stabilisieren, zu motivieren  und zu unterstützen.  Wenn dieser Schritt erreicht ist, denken wir gemeinsam über mögliche Arbeitsmarkperspektiven  nach.“

Den Bewerber genau kennen zu lernen mit seiner Geschichte, seinen Beeinträchtigungen, aber auch seinen Stärken, ist wichtig. „Nur dann können wir beurteilen, welche Hilfen vorrangig sind“, skizziert Temmeyer. Es mache im Einzelfall nicht immer  Sinn, direkt mit dem Thema Arbeit einzusteigen, wenn zunächst etwa eine Reha-Maßnahme oder eine andere soziale oder medizinische Unterstützung weitere Fortschritte bringen könnten.

Vorbehalte mussten die ZAP in den ersten Jahren oft auch im Umfeld der Bewerber abbauen. So mancher Unterstützer habe die MaßArbeit vor allem als Forderungsinstanz wahrgenommen und sich erst langsam auf eine Zusammenarbeit eingelassen, erinnert sich Scheufens. „Inzwischen haben wir flächendeckend ein breites Netzwerk von Kooperationspartnern aufgebaut, dem unter anderem Ärzte, Betreuer, psychologische Beratungsstellen, Versicherungsträger und der sozialpsychiatrische Dienst angehören. Alle Beteiligten wissen inzwischen: Die persönliche Entwicklung des Bewerbers steht im Zentrum: Die kleinen Schritte, nicht die sofortige Vermittlung in Arbeit.“

Viel erreicht werde oft über ein Einzelcoaching, das verschiedene Träger im gesamten Landkreis für die ZAP-Bewerber anbieten. Läuft die Maßnahme, gibt es regelmäßige Gespräche zwischen Bewerber, Coach und ZAP, um über Erreichtes und mögliche weitere Schritte zu beraten.  Wenn der Weg in den Arbeitsmarkt möglich erscheint, sind oft die Mitarbeiter des ArbeitgeberService der MaßArbeit eingebunden. „Wir kennen ein breites Spektrum an Unternehmen, ihre Anforderungen, aber auch das Arbeitsklima dort, und sprechen mit den ZAP sehr genau potenzielle Arbeitgeber für ihre Bewerber durch“, schildert Hildegard Hesselbarth, im ArbeitgeberService für Bramsche und Wallenhorst zuständig. Wie für die ZAP ist auch für sie die völlige Offenheit gegenüber den Unternehmen wichtig: Die Arbeitgeber müssen wissen, welche Stärken, aber auch welche Defizite der neue Mitarbeiter mitbringt. „Nachhaltige Vermittlungen können nur gelingen, wenn die Unternehmen uns und unserer Einschätzung des Bewerbers vertrauen können.“

Der Weg der MaßArbeit, Bewerber mit gesundheitlichen Einschränkungen anders zu begleiten, kostet viel Zeit und Geld. „Das lohnt sich doch überhaupt nicht“, muss sich MaßArbeit-Vorstand Sabine Ostendorf immer wieder anhören. Ein Vorwurf, über den sie nur lächeln kann. „Die Zahlen sprechen für sich: Allein in den beiden letzten Jahren haben wir über 470 gesundheitlich eingeschränkte Bewerber in Arbeit vermitteln können - Menschen, die bis dahin oft viele Jahre arbeitslos und für sich und ihre Familien auf Sozialleistungen angewiesen waren“, unterstreicht Ostendorf. Doch für sie ist etwas anderes ebenso wichtig: „Das sind Menschen, die oft jahre- oder sogar jahrzehntelang gearbeitet haben, bevor ihre Gesundheit nicht mehr mitgespielt hat. Sie haben sich eine neue Perspektive mehr als verdient.“

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