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Justus Möser stand im Fokus einer hörenswerten Tagung

27.03.2019 Vorsichtig oder mutig – Reformer oder Bewahrer?

War er nun ein Liberaler, ein beherzter Reformer und pragmatischer Politiker oder eher ein Zögernder? War er ein Wanderer zwischen den Zeiten? Diese und viele weitere „Neue Blicke auf Justus Möser (1720-1794)“, so der Untertitel, warf vom 14. bis 16. März 2019 die Tagung „Es hat also jede Sache ihren Gesichtspunct …“. Veranstaltet wurde sie vom Landschaftsverband Osnabrücker Land e. V. in enger Kooperation mit dem Institut für Kulturgeschichte der frühen Neuzeit der Universität Osnabrück in der Schloss-Aula.

Sie begrüßten die Teilnehmer/innen der Tagung mitten in der Justus-Möser-Ausstellung: Dr. Michael Lübbersmann (Landrat und LVO-Präsident), Professorin Dr. Martina Blasberg-Kuhnke (Universität Osnabrück), Landesminister Björn Thümler, Dr. Susanne Tauss (LVO-Geschäftsführerin), Professorin Dr. Siegrid Westphal und Professor Dr. Wolfgang Lücke (beide Universität Osnabrück). (vlnr)

Insgesamt knapp hundert Teilnehmer*innen referierten, diskutierten und informierten sich während dieser drei Tage im Osnabrücker Schloss über den ‚großen Sohn‘ Osnabrücks, dessen 300. Geburtstag im Jahr 2020 seine Schatten vorauswirft. Großen Zuspruchs erfreute sich auch der öffentliche Abendvortrag des renommierten Aufklärungs-Forschers Steffen Martus (Humboldt-Universität Berlin). Beispielhaft und brillant erörterte Martus, inwieweit in der Politik des 18. Jahrhunderts Stimmungen und Moden Argumente ersetzen konnten. Emotionalisierung von politischer Sprache erscheint dabei erstaunlich aktuell. Schon Justus Möser jedenfalls stellte fest: Der Ton macht die Politik.
Doch der inhaltliche Bogen der Tagung war weitaus breiter gespannt, und eine Vielzahl neuer Einsichten in Leben und Wirken Justus Mösers können am Ende benannt werden. Auffällig dabei ist: Justus Möser passt in keine Schublade. In seinen Publikationen schlüpft er in zahlreiche Rollen, um das Für und Wider damals aktueller Fragen zu erörtern und zur Diskussion einzuladen: von der Mode über Verbesserungsvorschläge für Ackerbau und Viehzucht bis hin zu Wirtschaft, Handwerk, Literatur oder Theater. Dabei blieb er stets pragmatisch. Denn für den Juristen, Politiker und Publizisten stand immer die Frage im Mittelpunkt, wie er zum allgemeinen Nutzen beitragen könnte. Er orientierte sich dabei am Regionalen und schloss sich Forderungen wie nach der Bauernbefreiung nicht an. Gleichwohl gab er z. B. mit Blick auf Agrarreformen wichtige Impulse, die jedoch erst Jahrzehnte später umgesetzt wurden. Mösers Qualitäten zeigen sich am deutlichsten dort, wo er scharfsinnig und humorvoll Moden und Gebräuche seiner Zeit aufgreift oder auch präzise die Gegebenheiten der Osnabrücker Kulturlandschaft beschreibt. Er war zudem Teil eines großen intellektuellen Netzwerks und stand im Austausch mit führenden Aufklärern und Literaten wie Herder und Goethe.

Was der niedersächsische Minister für Wissenschaft und Kultur Björn Thümler zu Beginn der Tagung hervorhob, kann durchaus als eingelöst gelten: Die Wissenschaft öffne sich mit dieser Tagung der Öffentlichkeit, dies sei dem Landschaftsverband Osnabrücker Land e. V. als erfahrenem Veranstalter zu danken. Dies belegte der anschließende gute Austausch unter den Teilnehmer*innen und die entspannte Tagungsatmosphäre, in welcher Fachleute und interessierte Laien ins Gespräch kamen und viele positive Rückmeldungen an die Veranstalter gaben.

Doch Forschung ist nie abgeschlossen. So wurden am Ende der Tagung noch lohnende weitere Felder für die Befassung mit Justus Möser benannt, sei es die Möser-Rezeption in der NS-Zeit, sei es Mösers kluge Tochter Jenny, seien es die Osnabrücker Intelligenzblätter oder umweltgeschichtliche Aspekte. Eine grundlegende Zusammenfassung für das schon jetzt Erreichte wird der in einem Jahr vorliegende Tagungsband liefern, der die Vorträge der Osnabrücker Konferenz enthalten wird. Zudem plant der Landschaftsverband für 2020 einen großen gesamtregionalen Veranstaltungsreigen, der die Stichworte Justus Mösers aufgreifen und die Kulturlandschaft auf spannende Weise neu erschließen wird.

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