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Uni untersucht Religion als Faktor für Radikalisierung

 Das IIT der Uni Osnabrück ist an einem neuen Forschungsprojekt zum Thema Radikalisierung des Islam beteiligt. © für Abbildung: PR; Quelle: Uni OS; Aufnahme: Manfred Pollert(pr/eb) Osnabrück, 10. Januar 2018 / Das Forschungsnetzwerk Radikalisierung und Prävention (FNRP) der Universitäten Osnabrück und Bielefeld startet das neue Projekt "Religion als Faktor der Radikalisierung", das vom Bundesfamilienministerium (BMBF) mit 397.000 Euro gefördert wird. Hintergrund ist die anhaltende öffentliche wie auch wissenschaftliche Debatte  zur Bedeutung von Religion und Religiosität im Rahmen von Radikalisierungsprozessen. In dem Projekt sollen verschiedene Fragestellungen untersucht werden.

Dazu gehört beispielsweise, ob insbesondere junge Muslime aufgrund ihrer religiösen Orientierung empfänglich für radikale Botschaften sind oder Radikalisierungsprozesse mit einer "richtigen" religiösen Unterweisung unterbunden werden können. Darüber hinaus wird hinterfragt, ob Moscheegemeinden mit ihrer Bildungsarbeit ein Korrektiv bilden. "Alle vorliegenden Prozessmodelle beschreiben Radikalisierung als einen zumeist linear verlaufenden Prozess, in dem das Individuum sich sukzessiv in seinem Denken und seinen Einstellungen verändert und der final zu Gewalt und Terrorismus führen kann", erläuterte Dr. Michael Kiefer vom Institut für Islamische Theologie der Universität Osnabrück (IIT): "Unstrittig ist hierbei, dass verschiedene Faktoren Einfluss nehmen können".

Prof. Dr. Andreas Zick, Direktor des Instituts für Interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung an der Universität Bielefeld (IKG), vertritt die Auffassung, dass Radikalisierung nicht nach einem einfachen Schema abläuft oder durch einen Generalfaktor Religion erzeugt wird: "Religion kann eine Bedeutung haben, aber die muss erst einmal wissenschaftlich sorgfältig bestimmt werden".

Wissenschaftler sind sich derzeit uneinig, welche Bedeutung die Religion hinsichtlich der Radikalisierung hat. Dies kommt unter anderem in der kontroversen Diskussion zwischen den französischen Forschern Gilles Kepel und Olivier Roy zum Ausdruck. Der an der Eliteuniversität Sciences-Po lehrende Gilles Kepel vertritt die These, der Islam habe sich seit geraumer Zeit radikalisiert. Die Anschläge, die in Frankreich und Belgien zu massiven gesellschaftlichen Reaktionen wie auch Nachahmungstaten geführt haben, hätten ihren Ursprung in radikalen muslimischen Milieus.

Der gleichfalls international renommierte Politikwissenschaftler Olivier Roy vertritt in seiner 2016 erschienen Studie "Le djihad et la mort" die These einer Islamisierung der Radikalität. Als Beleg verweist Roy auf die Lebensführung der Attentäter: Diese sei insbesondere gekennzeichnet von Drogenkonsum und Delinquenz. Den Islam habe man erst sehr spät entdeckt und sich in einer kruden und einfältigen Form angeeignet, die nichts mit dem traditionellen Islam gemein habe.

Ausgehend von den skizzierten Thesen untersucht das Forschungsprojekt des Instituts für Islamische Theologie (Uni Osnabrück) und des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung (Uni Bielefeld) den Faktor Religion in Radikalisierungsprozessen junger Menschen aus einer islamwissenschaftlichen, theologischen, erziehungswissenschaftlichen und sozialpsychologischen Perspektive. Dabei wird der Faktor "Religion" differenziert, d.h. nach den Dimensionen von Religion und Religiosität untersucht. Das Forschungsprojekt ist mit einer Laufzeit von zwei Jahren verhältnismäßig kurz angelegt. Das Ergebnis soll in die Präventionsprogramme  von Bund, Ländern und Kommunen einfließen.

Das Forschungsnetzwerk Radikalisierung und Prävention (FNRP) vereinigt Wissenschaftler des IIT sowie des IKG, die zu den Feldern Radikalisierung und Prävention gemeinsame empirische Analysen durchführen und publizieren sowie neue Wege des Wissenschafts-Praxis-Transfers entwickeln.

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