Pflegeberufe: „Es kommt so viel zurück“

Arbeiten gemeinsam daran, junge Menschen für die Pflege zu begeistern (von links): Susanne Steininger, Bereichsleiterin der MaßArbeit im Geschäftsbereich Wirtschaft und Arbeit, Ralf Chojetzki, Geschäftsführer der Caritas-St. Antonius Pflege GmbH, Landrätin Anna Kebschull, Hon. Prof. Dr. Michael Böckelmann, erster Vorsitzender von GewiNet, und Christin Schleiner, Projektleiterin „Finden und Binden“ bei GewiNet.
Montag, 9. Dezember 2019
Arbeiten gemeinsam daran, junge Menschen für die Pflege zu begeistern (von links): Susanne Steininger, Bereichsleiterin der MaßArbeit im Geschäftsbereich Wirtschaft und Arbeit, Ralf Chojetzki, Geschäftsführer der Caritas-St. Antonius Pflege GmbH, Landrätin Anna Kebschull, Hon. Prof. Dr. Michael Böckelmann, erster Vorsitzender von GewiNet, und Christin Schleiner, Projektleiterin „Finden und Binden“ bei GewiNet.
Osnabrück. Auf großes Interesse stieß jetzt eine vom GewiNet Kompetenzzentrum Gesundheitswirtschaft in Kooperation mit dem Geschäftsbereich Wirtschaft und Arbeit des Landkreises Osnabrück sowie der Caritas-St. Antonius Pflege GmbH organisierte Tagung. „Im Pflegebereich fehlen schon heute die Fachkräfte: Wir brauchen Antworten auf die Frage, wie wir junge Menschen für die Pflegeberufe gewinnen können. Außerdem geht es darum, die angehenden Fachkräfte dauerhaft zu halten“, brachte Landrätin Anna Kebschull das Anliegen der Veranstaltung „Finden und Binden – Nachwuchsförderung in der Pflege“ auf den Punkt.
„Der Landkreis Osnabrück arbeitet auf verschiedenen Ebenen daran, auch zukünftig die Pflege und Unterstützung von kranken und pflegebedürftigen Menschen sicher zu stellen“, betonte Kebschull: Das gemeinsame Projekt mit GewiNet, „Finden und Binden“, unter anderem gefördert durch das Fachkräftebündnis Nordwest aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds, sei ein Baustein dieser Arbeit. Auch Hon. Prof. Dr. Michael Böckelmann, erster Vorsitzender von GewiNet und Geschäftsführer der Schüchtermann-Schiller´schen Kliniken, schätzt die Kooperation: „Mit dem Projektbeginn von „Finden und Binden“ haben wir bei GewiNet seit Mai den Arbeitsbereich Pflege neu gegründet, um gemeinsam mit unserem Netzwerk den Herausforderungen in der Pflege zu begegnen“, skizzierte er. Die Zielgruppe seien zukünftige Pflegefachkräfte: „So lässt sich sagen, dass wir von der Energie und Leidenschaft, die wir heute in das Projekt „Finden und Binden“ investieren, zukünftig alle einmal profitieren werden“, prognostizierte Böckelmann.
Auch ein echter Insider kam zu Wort, der sehr anschaulich eine Lanze für die Pflegeberufe brach: Benjamin Ricker, Auszubildender in der Altenpflege beim Pflegedienst Beate Janda, setzt sich nachhaltig in der Presse und Social Media für seine Traumausbildung ein und erreicht so viele junge Menschen. „Viele vergessen das Menschliche, wenn sie den Beruf vermitteln. Es kommt so viel zurück“, berichtete er dem beeindruckten Publikum. Einig war er sich mit seinem Anleiter Niklas Hensel, dass die Ausbildung im Pflegebereich mit den richtigen Rahmenbedingungen steht und fällt: „Wir müssen uns viel Zeit für Praktikanten und Azubis nehmen, dann können sie erfahren, wie zufrieden dieser Beruf machen kann.“
Wie es zurzeit um die Pflege im Landkreis bestellt ist, zeigte Anja Fels, Fachdienstleiterin Soziales, auf. Rund 4,4 Prozent der Bevölkerung im Landkreis seien pflegebedürftig. „Wir brauchen in der Pflege in den nächsten Jahren 1.211 neue Fachkräfte“, erklärte die Fachfrau: Aktuell benötigen die Einrichtungen rund 174 Pflegekräfte, dem gegenüber stehen im laufenden Jahr 115 Azubis, die ihre Ausbildung abgeschlossen haben. Wie wichtig die Angehörigen im Pflegebereich sind, zeigten die weiteren Zahlen: Über 76 Prozent der pflegebedürftigen Menschen würden zurzeit zu Hause gepflegt, davon wiederum fast 8.000 allein von ihren Angehörigen ohne ambulante Hilfe, machte Fels deutlich. „Das ist in der Regel eine enorme Belastung für die Familien, da müssen wir unterstützen.“ Eine Chance sei die Digitalisierung, etwa durch die Pflege-App+, die Angehörige konkret bei Fragen zur Seite stehe, oder die Telemedizin, die ebenfalls projekthaft im Kreisgebiet erprobt werde.
Im zweiten Teil der Fachtagung befassten sich die Teilnehmer an Thementischen mit der Kooperation zwischen allgemeinbildenden Schulen und Pflegeeinrichtungen, aber auch mit dem Rekruiting-Werkzeug Social Media. Die Pflegeausbildung von morgen war ebenso Thema, wie das Finden guter Argumente für die Pflegeausbildung. „Wir haben viel diskutiert, aber auch zahlreiche konkrete Ergebnisse erreicht, die in das Projekt „Finden und Binden“ einfließen werden“, so die Bilanz von Susanne Steininger, Bereichsleiterin der MaßArbeit im Geschäftsbereich Wirtschaft und Arbeit. Besonders beeindruckt habe sie die Botschaft vieler teilnehmender Pflegekräfte, die ganz offensichtlich für ihren Beruf brennen: „Die Quintessenz war immer wieder: Pflegende Berufe können glücklich machen“, so Steininger.

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