Breitbandausbau verzögert sich

Montag, 22. Juni 2020
Osnabrück. Der Breitbandausbau im Landkreis Osnabrück läuft fast überall auf vollen Touren. Die landkreiseigene Infrastrukturgesellschaft TELKOS baut dort das schnelle Internet aus, wo dies private Telekommunikationsunternehmen aus wirtschaftlichen Gründen nicht tun. Dabei handelt es sich um das größte Investitionsprojekt in der Geschichte des Landkreises – und das auf freiwilliger Basis. Dies unterstreicht bereits den gewaltigen Umfang der Aufgabe, erläutert Landrätin Anna Kebschull: „Wir können nicht in kurzer Zeit das aufholen, was über viele Jahre versäumt worden ist.“ So verfügen im Landkreis mehr als 20.000 Adressen bislang Internetverbindungen von weniger als 30 Mbit/s. In fünf Ausbaustufen werden diese Adressen über mehrere Jahre weg verteilt mit moderner Technik ausgestattet. Dafür muss jedoch eine komplette Infrastruktur neu geschaffen werden. Als Ergebnis einer separaten Betreiberausschreibung hat sich TELKOS im Rahmen des Förderverfahrens für innogy TelNet entschieden. innogy TelNet mietet nach Fertigstellung die errichtete Infrastruktur und bietet den Kunden Breitbandprodukte auf dem von TELKOS errichteten Netz für eine schnelle Internetversorgung an.
Es hat sich herausgestellt, dass die erforderlichen Baumaßnahmen durch die beauftragten Baufirmen nicht nur verspätet fertiggestellt, sondern in der technischen Ausführung auch unterschiedlich umgesetzt wurden. Um einen Netzbetrieb langfristig sicherstellen zu können, ist aber ein harmonisiertes Netz unabdingbar. Aus diesem Grund sind an verschiedenen Stellen im Breitbandnetz Nacharbeiten erforderlich. Der erforderliche Zeitbedarf für diese Arbeiten ist im Moment noch nicht absehbar. Hinzu kommt, dass der Markt für die benötigten Leistungen im Bereich Tiefbau und Kabelmontage stark strapaziert ist. Eine weitere Herausforderung liegt in den aufwändigen Genehmigungsverfahren, wie etwa bei der Querung von Bahnstrecken oder Bundeswasserstraßen. Durch den bundesweit forcierten Breitbandausbau müssen die Behörden bei gleicher Personalstärke eine Vielzahl von zusätzlichen Anträgen abarbeiten.
Die Umsetzung wird dabei noch durch weitere Hürden erschwert – nicht zuletzt durch die Corona-Pandemie. Die Planungen mussten mehrfach angepasst werden. So wurden aufgrund des Virus Arbeiten wie der Bau von Hausanschlüssen oder die Montage von Endgeräten ausgesetzt. Mittlerweile wurden die Arbeiten unter Beachtung der geltenden Hygiene- und Abstandsregeln wiederaufgenommen.
Viele der Arbeiten sind für die Einwohnerinnen und Einwohner nicht sichtbar, dafür aber nicht weniger wichtig. So muss jede Glasfaser, die ungefähr so dick ist wie ein Haar, dem jeweiligen Haushalt zugeordnet werden. Zudem muss sie durchgängig verbunden und dokumentiert sein, um den Anschluss reibungslos zu ermöglichen. Diese Dokumentation erweist sich für einige beauftragte Unternehmen anspruchsvoller als erwartet.
Carsten Lagemann als Geschäftsführer der innogy Telnet betont: „Auch wir empfinden die Situation unbefriedigend und haben volles Verständnis für die Kunden, die schnelles Internet bei uns bestellt haben. Ein von der TELKOS solide und durchgängig gebautes Netz ist Grundlage unserer Dienstleistung. Der sichere Betrieb erfordert abgeschlossene Bau- und Montagetätigkeiten sowie die eindeutige Dokumentation der Leitungsverbindungen.“
Gerade in Zeiten wie diesen ist es besonders wertvoll, zu Hause einen Breitbandanschluss nutzen zu können. „Die innogy TelNet als zukünftiger Betreiber wird gemeinsam mit dem Landkreis als Errichter des Netzes prüfen, wo durch provisorische Inbetriebnahmen Kunden früher ans Netz genommen werden können. Dies birgt allerdings das Risiko weiterer Komplikationen, die auch von den Kunden in Kauf zu nehmen sind, um hoffentlich an einigen Stellen den Zugang zu schnellem Internet kurzfristig zu ermöglichen“, so Lagemann.
Dort, wo in den kommenden Wochen Altverträge auslaufen, wird es trotz der Ausbauverzögerungen Lösungen für die Betroffenen geben. Der Landkreis Osnabrück ist mit Anbietern wie Telekom und osnatel im Gespräch, um bei Bedarf Lösungen zu finden. Ferner wird der Landkreis die Betroffenen auch bei anderen Zwischenlösungen, z.B. Funk, unterstützen.
Im Sommer beginnen die Arbeiten für die Ausbaustufe 2a, für die ebenfalls rund 150 Kilometer Tiefbau notwendig sind. Nach den derzeitigen Planungen könnten die Arbeiten im Sommer 2021 abgeschlossen sein. Zudem liegen Förderbeschiede des Bundes für vier Ausbaustufen vor. Ziel des Ausbaus ist es, die Unterversorgung zu beseitigen und gleiche Lebensverhältnisse auch für die ländlichen Gebiete zu schaffen.
Informationen zu aktuelle Entwicklungen der Ausbaustufen werden jeweils zeitnah auf der Internetseite des Landkreises veröffentlicht.

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