Ein Hirschkäfer krabbelt durch Herbstlaub.
Donnerstag, 15. Oktober 2020

Schülerinnen und Schüler bauen neue Kinderstube für den Hirschkäfer

Osnabrück. In einer gemeinsamen Aktion während der Projektwoche des Bersenbrücker Gymnasiums hat eine siebte Klasse jetzt mit der TERRA.vita-Gebietsmanagerin der Kooperation Artland/ Hase, Kristina Behlert, und Ingo Zapp vom Forsthof Artland einen sogenannten Hirschkäfermeiler, also einen Ersatzlebensraum für die Larven, angelegt. Gefördert wurde das Projekt von der Niedersächsischen BINGO Umweltstiftung.

Auf dem Grundstück von Ingo Zapp wurde fleißig geschaufelt, bis ein Loch mit drei Metern Durchmessern und einem halben Meter Tiefe entstand. Dieses füllten die Kinder emsig mit Eichenholz – vom Rundholz über Hackschnitzel bis zum feinen Sägemehl. Zusammen ergibt es im Innern für die Larven ein wohlig temperiertes Gemisch aus faulendem Holz und Erde.

„Also wenn er hier nicht einziehen will, dann weiß ich auch nicht!“, beurteilte eine Schülerin das Werk ihrer Klasse. Wirklich wissen werden es Ingo Zapp und Kristina Behlert wohl erst in drei bis vier Jahren, wenn die ersten Hirschkäfer aus dem Meiler ausfliegen. Die besten Bedingungen am lichten Waldrand mit jungen Eichen in direkter Nachbarschaft hat die Fauna-Flora-Habitat-Art in ihrer neuen Kinderstube dank der tatkräftigen Unterstützung der Schülerinnen und Schüler allemal.

Wer an einen Hirschkäfer denkt, hat meist ein ziemlich klares Bild im Kopf: er ist mit seinem knapp neun Zentimeter langen, kastanienfarbenen Körper und dem geweihartig geformten Oberkiefer wohl der imposanteste Käfer in Europa.

Was die wenigsten wissen ist, dass der Hirschkäfer nur einen kleinen Bruchteil seines Lebens in dieser charakteristischen Gestalt verbringt. Die längste Zeit, d.h. rund drei bis sieben Jahre, verbringt er als Larve unter der Erde und schlägt sich den Bauch mit moderndem Holz voll bis er sich schließlich verpuppt und im Folgejahr für wenige Wochen als kräftiger Käfer ausfliegt.

Leider ist das Vorkommen des unverwechselbaren Käfers rückläufig, da es ihm zunehmend an es etwas Entscheidenden mangelt: einer geeigneten Kinderstube. Hierzu nutzen die Käfer abgestorbene, modernde Baumstümpfe, am liebsten von Eichen, in lichter, sonniger Lage. In der heutigen Landschaft ist die Eiche, deren Saft der ausgewachsene Käfer trinkt, längst nicht mehr so stark vertreten wie in Zeiten von Hute- und Niederwäldern. Und auch die alten Hofeichen dürften nicht zuletzt durch die Problematik des Eichen-Prozessionsspinners im Rückgang begriffen sein. Umso wichtiger beim Fällen eines Baumes ist also, den Stumpf nach aller Möglichkeit in der Erde zu belassen. Denn das vermeintlich tote Holz ist Lebensgrundlage für zahlreiche Lebewesen, so eben auch für den Hirschkäfer.

Wenn Sie mehr über das Projekt oder das Thema Fauna-Flora-Habitat erfahren möchten, besuchen Sie doch einmal die Website der TERRA.vita-Gebietskooperationen unter terra-natura2000.de

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