Tierseuchenrechtliche Allgemeinverfügungen unter Bekanntmachungen +++ Geflügelpest in Hagen a.T.W.: Stallpflicht ab 25. Juli aufgehoben (Karte) +++ Amerikanische Faulbrut: Sperrbezirke

Informationen zur Geflügelpest

Der Erreger der klassischen Geflügelpest ist ein Influenzavirus, das ähnliche Eigenschaften wie die Grippeviren des Menschen hat. Der Virus ändert ständig seine Oberflächenstrukturen und damit seine Ansteckungs- und Erkrankungsintensität. Für den Menschen sind die Influenzaviren des hiesigen Geflügels in der Regel ungefährlich. Für Personen, die in Geflügel haltenden Betrieben mit infizierten Tieren in Kontakt kommen könnten, werden besondere Schutzmaßnahmen empfohlen.

Geflügelstall mit überdachter Voliere

Die Krankheit kann durch Tierverkehr, Bruteier, Menschen, Geflügelmist und -gülle und durch Wildvögel verbreitet werden. Durch konsequente Hygienemaßnahmen einschließlich verschärfter Desinfektion soll eine Weiterverbreitung der Seuche verhindert werden.

Krankheitszeichen und -verlauf
Nach einer sehr kurzen Inkubationszeit von wenigen Stunden bis zu 2 - 3 Tagen zeigt sich eine Erkrankung durch Mattigkeit, Apathie, struppiges Gefieder, Fress- und Bewegungsunlust sowie Erscheinungen einer ausgeprägten Atemwegserkrankung und oder starkem Durchfall. Es kommt innerhalb von wenigen Tagen zu einem starken Anstieg der Todesraten, im Extremfall verenden nahezu alle Tiere eines betroffenen Bestandes.

Maßnahmen
Geflügelpest ist eine anzeigepflichtige Tierseuche. Bereits der Verdacht für das Vorliegen der Geflügelpest in einer Geflügelhaltung ist dem Fachdienst Tiere und Lebensmittel des Landkreises Osnabrück als zuständiger Veterinärbehörde mitzuteilen.
Beim Verdacht des Ausbruchs der Geflügelpest sind sofort strenge Sperrmaßnahmen anzuordnen. Das betroffene Geflügel muß getötet und unschädlich beseitigt werden.

Sperrbezirke und Beobachtungsgebiete
Nach Feststellung des Seuchenausbruch wird um den betroffenen Bestand ein Sperrbezirk mit einem Mindestradius von 3 km sowie ein Beobachtungsgebiet mit einem Mindestradius von 10 km eingerichtet. Während der Sperrzeit von mindestens 30 Tagen dürfen in diesen Gebieten weder Geflügel noch Bruteier verbracht werden. Der Personenverkehr in der Geflügelwirtschaft ist stark eingeschränkt. Alle Geflügelbestände in den Schutzzonen müssen wöchentlich auf eine mögliche Infektion mit Geflügelpest tierärztlich untersucht werden.
Eine Impfung ist im Unterschied zur Newcastle-Krankheit, die auch als atypische Geflügelpest bezeichnet wird, verboten.

Nach wie vor kommt es in vielen Regionen Deutschlands zu Ausbrüchen der Geflügelpest in Hausgeflügelbeständen sowie zu Funden in der Wildvogelpopulation. In der jüngsten Risikobewertung des Friedrich-Löffler-Institutes (FLI) vom 22. Februar 2021 wird das Risiko der Ausbreitung in Wasservogelpopulationen und des Eintrags sowie der weiteren Verbreitung in Geflügelhaltungen und Vogelbeständen (zum Beispiel Zoos und Tierparks) als hoch eingestuft.

Seit Anfang des Jahres 2021 wurden 168 Seuchenausbrüche festgestellt, davon 42 in Hausgeflügelbeständen (Puten-, Enten- und Gänse-, Masthühner-, Legehennen- und Zoobetriebe / Stand: 25. Februar 2021). In Niedersachsen (mit insgesamt 22 Ausbrüchen) stellt der benachbarte Landkreis Cloppenburg einen Ausbruchsschwerpunkt dar. Dort kam es zu einer starken regionalen Häufung von Ausbrüchen (insgesamt 17 Ausbrüche) vor allem in Putenhaltungen kam. Aber auch die Ausbrüche in weiteren Bundesländern stellen dar, dass die Geflügelpest nach wie vor weit verbreitet ist und nicht kalkulierbar auftritt (siehe Karte des FLI). Meldungen aus vielen Ländern Europas weisen darauf hin, dass sich das Virus ausbreitet und es jederzeit zu weiteren Fällen kommen kann, auch in bisher nicht betroffenen Bundesländern.

Durch Beginn des Frühjahrsvogelzuges nordischer Wasservögel kommt es zu starken Wanderbewegungen innerhalb Europas aus südwestlichen in nordöstliche Richtungen. Aufgrund der momentanen Witterungsschwankungen ist zusätzlich mit einer erhöhten Dynamik von Vogelbewegungen (v.a. Wasservögel und Möwen) zu rechnen. Kühle Temperaturen begünstigten die Virusübertragung und Ausbreitung. Tote, infizierte Wildvögel werden von Aasfressern aufgenommen, die zu einer Virusverbreitung beitragen. Damit steigt auch das Risiko indirekter Eintragungswege in Geflügelhaltungen.

Um die aktuelle Gefährdung im Landkreis Osnabrück besser einschätzen zu können, nimmt der Veterinärdienst momentan verstärkt auch Kotproben von Wildvögeln, um diese auf das Geflügelpestvirus untersucht lassen. Mit dem Ergebnis landkreisweit durchgeführter Beprobungen besteht die Hoffnung, das Risiko einer möglichen Einschleppung des Virus in Hausgeflügelbestände noch differenzierter in Hinblick auf eine mögliche zeitnahe Aufhebung der Aufstallpflicht beurteilen zu können.

Der Veterinärdienst möchte weiter dazu ermutigen, tot aufgefundene Wildvögel (Wasser- und Greifvögel) zu melden, damit diese auf Geflügelpest untersucht werden können.

Trotz des umfangreichen aktiven Geschehens bei Geflügel und Wildvögeln liegen bisher keine Hinweise auf Infektionen beim Menschen in Deutschland vor. Fachkreise schätzen ein, dass die Infektiosität für den Menschen bei der hier vorkommenden Virusvariante als vernachlässigbar eingeschätzt wird. Trotzdem sollten tote Vögel nicht mit bloßen Händen angefasst werden und die Hände sollten gründlich mit Wasser und Seife gewaschen werden, falls es doch zu einem Kontakt gekommen ist.

Wenn Ihnen Standorte von Wassergeflügel (vor allem Gänse und Enten) bekannt sind, dann teilen Sie diese auch gerne mit, damit dort gegebenenfalls Kotproben gesammelt werden können.

Aufstallpflicht wegen Geflügelpest

Die Stallpflicht bedeutet allerdings nicht, dass alle Tiere in einem festen Stall eingesperrt werden müssen. Auch eine vor Wildvögeln geschützte Unterbringung im Außenbereich ist möglich, so dass die Tiere weiterhin in den Genuss von Tageslicht und Freiluft kommen können. Eine solche Schutzvorrichtung muss seitlich etwa durch einen engmaschigen Draht gegen ein Eindringen von Wildvögeln gesichert sein. Nach oben hin muss beispielsweise durch die Abdeckung mit einer Plane verhindert werden, dass Vogelkot hereinfallen kann. Wichtig sind auch weitere strenge Hygienemaßnahmen wie Schuhwerk und Schutzkleidung, die nur im Geflügelbereich getragen werden und regelmäßiges Händewaschen. Dazu gehören auch geschützte Lagerstellen für Futter und Einstreu, die für Wildvögel nicht erreichbar sind und das Tränken mit Leitungswasser, auf keinen Fall mit Oberflächenwasser.

Sollte also die Stallpflicht in einigen privaten Geflügelhaltungen bis jetzt noch nicht umgesetzt sein, so muss dieses schnellstens nachgeholt werden. Die Stallpflicht gilt für gehaltene Hühner, Truthühner, Perlhühner, Rebhühner, Fasane, Laufvögel, Wachteln, Enten und Gänse. Wer auf freilaufendes Geflügel in seinem Umfeld aufmerksam wird, sollte möglichst erst einmal den Tierhalter ansprechen und auf die Stallpflicht hinweisen, ehe das Veterinäramt eingeschaltet wird.

Schutzabdeckung Hühnerstall

Das Auffinden toter Wasser- oder Greifvögel sollte gemeldet werden (veterinaerdienst@lkos.de, 0541-5012157), damit wir Proben von diesen Tieren entnehmen und auf eine mögliche Infektion mit dem Geflügelpesterreger untersuchen lassen können. Auch vermehrte Todesfälle im eigenen Geflügelbestand sollten uns angezeigt werden. Wenn es sich um Todesfälle einzelner Hühnervögel handelt, so bleibt abzuwarten, ob weitere Tiere in kurzer Zeit versterben, was bei einer Infektion mit der Geflügelpest zu erwarten wäre. Das verstorbene Einzeltier ist so lange gekühlt (aber nicht eingefroren) aufzubewahren.

Nach Auftreten der Geflügelpest (HPAI H5- Virus) in verschiedenen Ländern in und außerhalb der EU seit einigen Monaten sind nun auch in Norddeutschland seit Ende Oktober 2020 HPAI H5- Ausbrüche bei Wildvögeln festgestellt worden. Durch den bereits begonnenen Vogelzug kommt es zeitweilig zu großen Ansammlungen von Wasservögeln in den Zwischen- und Überwinterungsquartieren, so dass die Gefahr einer vermehrten Einschleppung und Weiterverbreitung des Virus in der Wildvogelpopulation besteht. Hierbei muss es nicht zu auffälligen Krankheitssymptomen oder vermehrten Todesfällen kommen.Durch den zu erwartenden Kälteeinbruch wird der Vogelzug beschleunigt und die Virusverbreitung begünstigt werden. Das Risiko einer weiteren Ausbreitung der Geflügelpest in Deutschland  wird durch das FLI (Friedrich-Löffler- Institut) mittlerweile als hoch eingeschätzt.

Geflügelstall mit überdachter Voliere
Gute Lösung: Mit einem Dach und einem Gitter bietet dieser Unterstand einen funktionierenden Schutz des gehaltenen Geflügels vor einem Kontakt mit Wildvögeln.

Wichtiger Hinweis

Die Ausnahme von der Aufstallpflicht kann nur in sehr wenigen Fällen erteilt werden. Bereits 2017 wurde das Geflügel im Landkreis und in der Stadt Osnabrück für einen längeren Zeitraum aufgestallt. Durch diese Erfahrung und die jährlich wiederkehrende Risikoeinschätzung zur Bedrohung durch die Geflügelpest, sollte jeder Geflügelhalter die Haltungsverhältnisse seines Geflügels so angepasst haben, dass die Tiere jederzeit tierschutzgerecht aufgestallt werden können. Daher kann das Argument, dass aufgrund der bestehenden Haltungsverhältnisse die Aufstallung nicht  möglich ist, nur in gut begründeten Einzelfällen akzeptiert werden.


Besonders in Gebieten mit Wasserflächen, die von Wasservögeln als Zwischen- oder Winterquartier genutzt werden (Feuchtgebiete), besteht ein hohes Risiko, dass sich auch Hausgeflügel mit dem Virus infiziert.

Daher raten wir dazu, den Kontakt zwischen Wildvögeln und Hausgeflügel zu unterbinden oder wenigstens auf ein Mindestmaß zu begrenzen.

Es kommt jetzt besonders auf die Einhaltung von Biosicherheitsmaßnahmen an.

Grundsätzlich sind folgende Maßnahmen sicherzustellen, insbesondere, wenn Geflügel weiter im Freien gehalten werden soll:

  • Schutz des Geflügelbestandes vor dem Kontakt mit Wildvögeln. Wildvogelgeschützte Futterstellen
  • Geschützte Futter- und Einstreulagerung
  • Tränken mit Leitungswasser (kein Oberflächenwasser)

Weitere Informationen (Merkblätter, Checklisten, u.a.) dazu finden Sie auf www.tierseucheninfo.niedersachsen.de

Weiterhin empfiehlt der Veterinärdienst folgende Maßnahmen für alle Geflügelhaltungen:

  • Eine freiwillige Aufstallung freilaufenden Geflügels, besonders in der Nähe von Feuchtgebieten, ist bereits jetzt sehr ratsam:

Dies kann beispielsweise unter Nutzung von Schutzvorrichtungen erfolgen, indem Ausläufe allseitig gegen das Eindringen von Wildvögeln geschützt werden (z.B. engmaschiges Drahtgeflecht). Die Schutzvorrichtung muss nach oben auch gegen Koteintrag von Wildvögeln geschützt sein (Plane, Dach, …).

  • Betreten des Stalls / Auslaufs nur in betriebseigener Schutzkleidung mit stallspezifischen Schuhwerk,
  • Händewaschen
  • Reinigen und Desinfizieren von Fahrzeugen, Gerätschaften und Maschinen, wenn diese Kontakt zwischen unterschiedlichen Haltungseinrichtungen haben

Die Lage kann sich kurzfristig ändern, so dass die Aufstallung des Geflügels ggf. in Kürze auf Grundlage einer Risikobewertung nach der Geflügelpestverordnung möglicherweise angeordnet wird.

Bei reiner Stallhaltung sollte darauf geachtet werden, dass diese Ställe mit ausreichend Licht, guter Luftzufuhr und ausreichend Platz ausgestattet sind, so dass eine tierschutzgerechte Haltung gewährleistet werden kann.

Die grundsätzlich laufenden Monitoringuntersuchungen von verendeten empfänglichen Wildvögeln werden nun noch bedeutsamer. Krankes oder verendetes Wassergeflügel (Enten, Gänse, Schwäne, u. a.), aber auch Greifvögel sollen auf das Geflügelpestvirus untersucht werden. Wichtig ist es auch insbesondere, vermehrte Todesfälle und unklare Krankheitsfälle im eigenen Geflügelbestand zu melden. Hierzu können Sie sich an den Veterinärdienst von Stadt und Landkreis Osnabrück melden (E-Mail: veterinaerdienst@lkos.de Telefon: 0541-501-2183).

  • Absperrung des Betriebsbereiches; Betreten verboten! Wertvoller Tierbestand! Kein unbefugter Fahrzeugverkehr innerhalb des Betriebsbereiches.
  • Übersichtliche Aufzeichnung aller Betriebsdaten nach Geflügelfleischhygienerecht in einem Ordner. Aufbewahrung in einem staubdichten Schrank im Vorraum! Aufbewahrung von Medikamenten in einem staubdichten Schrank; Impfstoffe im Kühlschrank! Korrekte Meldung an Nds. Tierseuchenkasse! (Nur dann Entschädigungsanspruch)
  • Stallungen und Nebenräume in gutem baulichen Zustand; an den Eingängen Möglichkeit zur Desinfektion von Schuhwerk.
  • Umkleide- bzw. Vorraum mit Handwaschbecken (Seife, Einmalhandtücher) in aufgeräumtem und sauberem Zustand! Möglichkeit zur Reinigung und Desinfektion von Schuhwerk, Schrank für betriebseigene Schutzkleidung.
  • Betreten der Stallungen nur mit betriebseigener Schutzkleidung oder Einmalschutzkleidung (Stiefel, Overall, Haarnetz).
  • Kein Geflügel unterschiedlicher Altersgruppen (besonders bei Puten). Kein Geflügel mehrerer Arten! Gefahr der Übertragung nicht artspezifischer Krankheiten!
  • Personell getrennte Bewirtschaftung von Aufzucht- und Maststall, mindestens jedoch Wechsel der Arbeitskleidung und Desinfektion von Schuhwerk beim wechselseitigen Betreten der Ställe.
  • Keine Hunde und Katzen! (Pasteurellen)
  • Regelmäßige Schadnagerbekämpfung in den Stallungen sowie im Außenbereich.
  • Flüssigkeits- und geruchsdichte Kadavercontainer (möglichst gekühlt) aus stabilen leicht zu reinigenden und zu desinfizierenden Materialien (Edelstahl) möglichst weit von den Stallungen; zur Abholung durch die TKBA Container an die Hofzufahrt.
  • Mindestens 2 Wochen Leerstandszeit nach Reinigung und Desinfektion zwischen den einzelnen Durchgängen! Reinigung und Desinfektion der Stallanlagen einschließlich der Nebenräume, Streuarbeitsmaschinen, Gerätschaften und Werkzeugen auf dem Betriebsgelände nach jeder Komplettausstallung.
  • Kompostierung (Keimreduzierung) von Geflügeldung oder Ausbringen auf Ackerflächen und sofortiges Unterpflügen.