Gruppe von Personen in einem Laden
Freuen sich über die gelungene Integration in Arbeit (von links): cdVet-Gründer Clemens Dingmann, Personalchefin Tanja Reinhold, Patrick und Julian Dingmann, Marina Shevchuk, Mehmet Gökdeniz und Vicky Teipen, ArbeitgeberService der MaßArbeit.
Dienstag, 20. Januar 2026

Bereicherung für das internationale Team

Fürstenau. Wie erfolgreiche Integrationsarbeit aussehen kann, zeigt das Unternehmen cdVet gemeinsam mit dem ArbeitgeberService (AGS) der MaßArbeit: Gleich zwei Geflüchtete fanden in den vergangenen Monaten eine feste berufliche Perspektive in dem Familienunternehmen, das seit über 25 Jahren für natürliche Tiergesundheit steht.

cdVet produziert in Fürstenau mehr als 500 naturbasierte Produkte für Tiere, Haushalt und Garten. Nachhaltigkeit, regionale Wertschöpfung und individuelle Lösungen für verschiedenste Tierbedürfnisse prägen die Firmenphilosophie. Die Produktvielfalt entsteht komplett im eigenen Haus – vom frisch gepressten Öl bis zum gestalteten Etikett. „Wir arbeiten international und haben ein bunt gemischtes Team“, betont Firmengründer Clemens Dingmann, der inzwischen gemeinsam mit seinen Söhnen Patrick und Julian das Unternehmen leitet. Diese Vielfalt sei eine Stärke: „Manchmal wird es sprachlich herausfordernd, aber alle profitieren voneinander. Und wir verstehen unsere weltweite Kundschaft besser, wenn Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen im Team sind.“

Festes Teammitglied ist inzwischen auch Marina Shevchuk, die 2022 vor dem Krieg aus der Ukraine floh. Als alleinerziehende Mutter eines neunjährigen Sohnes suchte sie trotz der Belastung aktiv nach einer Vollzeitanstellung. Schnell fiel bei der MaßArbeit auf, wie motiviert sie war: Sie engagierte sich ehrenamtlich, suchte den Kontakt zu Menschen im Ort und verbesserte konsequent ihre Deutschkenntnisse, inzwischen auf B1-Niveau.

Beruflich brachte sie wertvolle Erfahrungen mit: In der Ukraine hatte sie im IT-Bereich gearbeitet und Onlineshops betreut. Außerdem besitzt sie ein Diplom als Hundetrainerin – Tiere liegen ihr besonders am Herzen. Für ihren persönlichen Arbeitsvermittler Daniel Haarannen war klar, dass cdVet ein ideales Umfeld für sie sein könnte. Im März 2024 stellte er den ersten Kontakt her.

Die interne Nachfrage bei cdVet, Bewerbungen und Softwareumstellungen verzögerten den Prozess jedoch. Erst nach einem Betriebsbesuch von Vicky Teipen vom ArbeitgeberService der MaßArbeit im Mai kam Bewegung in die Sache. Am selben Tag wurde Marina Shevchuk zum Vorstellungsgespräch eingeladen – ihrem ersten in Deutschland. Wegen ihrer Nervosität bereitete sie Vicky Teipen sorgfältig vor und begleitete sie auch zum Termin. Mit Erfolg: Trotz sprachlicher Unsicherheiten überzeugte die junge Frau mit Fachkenntnissen und Engagement. Es folgte ein vierwöchiges Praktikum, und am 15. Juli 2024 wurde sie als Mitarbeiterin im E-Commerce eingestellt. Das war allerdings nur durch ein flexibles Arbeitszeitmodell bei cdVet möglich: So kann sie etwa während der Schulferien und anderen notwendigen Zeiten im Homeoffice arbeiten.

Ein kurzfristiger Lohnkostenzuschuss der MaßArbeit erleichterte dem Unternehmen die Einarbeitung von Marina Shevchuk. Heute ist sie fest im Team angekommen. „Ich war unglaublich aufgeregt – es war der schlimmste Termin meines Lebens“, blickt sie zurück. „Die Vorbereitung hat mir sehr geholfen. Jetzt fühle ich mich richtig wohl.“ Zum 31. August 2024 konnte ihr Leistungsbezug beendet werden.

Auch die Geschichte von Mehmet Gökdeniz zeigt, wie wichtig individuelle Unterstützung ist. Er war ebenso wie seine Frau an einer Schule in der Türkei tätig. Doch aufgrund von politischer Verfolgung musste das Ehepaar mit seinen drei Kindern aus dem Heimatland fliehen. Zwei Jahre verbrachte die Familie in Deutschland, ehe Mehmet Gökdeniz 2023 in den Leistungsbezug kam. Er war bereits sehr aktiv geworden, lernte Deutsch bis zum Niveau B2, absolvierte auf eigene Initiative eine Weiterbildung zum Cyber Security Analyst – und schrieb dennoch erfolglos rund 200 Bewerbungen. Die MaßArbeit schickte ihn deshalb zunächst in die Werkakademie der kommunalen Arbeitsvermittlung, um dort mit professioneller Hilfe an seinen Bewerbungsunterlagen zu arbeiten und nach Stellen zu suchen.

Im August 2024 lernte AGS-Mitarbeiterin Vicky Teipen ihn kennen. Als sie im September erfuhr, dass cdVet noch eine IT-Stelle zu besetzen hatte, nahm sie Kontakt auf. In einem anonymisierten Erstgespräch signalisierte die Personalleitung Tanja Reinhold Interesse. Mehmet Gökdeniz bewarb sich sofort. Auch dieses Vorstellungsgespräch wurde intensiv vorbereitet – durchgeführt hat er es selbstbewusst allein. Es folgte ein Praktikum. Menschlich passte es hervorragend, die fehlenden Fachqualifikationen und sprachlichen Feinheiten wollte cdVet mit Unterstützung des Jobcenters über einen kurzzeitigen Zuschuss auffangen. Am 7. Januar 2025 wurde Mehmet Gökdeniz fest eingestellt. „Für mich ist das eine große Chance“, sagt er. „Ich arbeite sehr gern hier und sehe echte Entwicklungsmöglichkeiten.“

Personalerin Tanja Reinhold lobt die Zusammenarbeit mit der MaßArbeit ausdrücklich: „Wir arbeiten schon lange gut zusammen. Die Vermittlung läuft unkompliziert und ohne unnötige Bürokratie. Im Unternehmensalltag haben wir keine Zeit, 30 Vorstellungsgespräche zu führen – von der MaßArbeit bekommen wir stattdessen sehr sorgfältig ausgewählte Vorschläge.“ Auch Vicky Teipen vom ArbeitgeberService ist von diesem Ansatz überzeugt: „Beide Bewerber brachten tolle Qualifikationen aus ihren Herkunftsländern mit. Doch berufliche Anerkennungsprozesse sind in Deutschland schwierig. Wir lernen die Menschen deshalb sehr genau kennen und schauen auf ihre Stärken. So finden wir das richtige Unternehmen für sie – und das Unternehmen die passenden Mitarbeitenden.“

Die Beispiele von Marina Shevchuk und Mehmet Gökdeniz zeigen, wie Integration gelingen kann, wenn Motivation, Arbeitgeberoffenheit und professionelle Unterstützung zusammenkommen. Für cdVet zahlt sich das Engagement aus: motivierte Fachkräfte, internationale Perspektiven und ein Team, das voneinander lernt. Für die MaßArbeit sind solche Vermittlungen immer wieder ein Ansporn: „Vielleicht macht das ja anderen Unternehmen Mut, diesem Beispiel zu folgen,“ so Vicky Teipen.

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