Kommunaler Klimaschutz

Einige Handlungsfelder nutzen den eigenen Spielraum in der Verwaltung, während andere Vorhaben spezielle Entwicklungen in wichtigen Bereichen adressieren. Ein wichtiger Meilenstein für den Ausbau der erneuerbaren Energien ist die Neuaufstellung des Regionalen Raumordnungsprogramms, welches die formale Planungsgrundlage für die Windenergienutzung und die Nutzung weiterer PV-Freiflächen darstellt.

Solarpanel auf einer Wiese

Moore sind gewaltige Kohlenstoffspeicher. Wenn sie intakt sind, können sie der Atmosphäre durch ihr Wachstum sogar langfristig Kohlendioxid entziehen. Moorschutz hat einen relevanten Einfluss auf die Treibhausgasemissionen im Landkreis Osnabrück; die Gebiete mit kohlenstoffreichen Böden umfassen ca. 10.000 Hektar. Die meisten Moore in Deutschland erfüllen die Funktion als natürliche CO2-Senke nicht mehr, da sie in der Vergangenheit für die land- und forstwirtschaftliche Nutzung oder den Torfabbau trockengelegt wurden. Auch die Moore im Landkreis Osnabrück werden bis heute größtenteils entwässert und setzen dabei erhebliche Mengen an Treibhausgasen frei, statt sie zu speichern. 

Das „Große Moor/Campemoor“, welches sich je zur Hälfte in den Landkreisen Osnabrück und Vechta befindet, ist der mit Abstand größte Komplex in der Region. Um die Transformation hin zu einer klimaschützenden Landschaft einzuleiten, wurde 2023 der Arbeitskreis Großes Moor/Campemoor gegründet. Hier wird mit allen relevanten Akteuren an der Entwicklung des Gebietes gearbeitet. Ziel ist es, neben dem Klimaschutz auch den Erhalt der landwirtschaftlichen Betriebe und die Biodiversität in den Blick zu nehmen.

Der Landkreis Osnabrück entwickelt darüber hinaus Maßnahmen zur Wiederherstellung naturschutzbedeutsamer Moore.

Moor

Vor allem im Naturschutzgebiet (NSG) Venner Moor wurden in den letzten Jahren gemeinsam mit Partnern zahlreiche Maßnahmen zur Wiedervernässung, wie dem Schließen alter Entwässerungsgräben umgesetzt. Weitere sind in der Planung. Auch in anderen Naturschutzgebieten (z. B. NSG Hahlener Moor, NSG Grasmoor) wird der offene, nasse Charakter der Hochmoore gezielt gefördert. Davon profitieren spezialisierte Tier- und Pflanzenarten wie die Bekassine, die Schlingnatter oder der Sonnentau. Durch diese Maßnahmen (z.B. durch das Entfernen von Bäumen) bleibt der im Torf gespeicherte Kohlenstoff langfristig im Boden.

Zur Überwachung der Maßnahmen und der Wasserstände wurde gemeinsam mit der onnecto GmbH ein Monitoringsystem installiert. Dieses nimmt mithilfe der LoRaWAN-Technik Daten in Echtzeit auf und gibt sie weiter. So können selbst in entlegenen Gebieten Daten gesammelt werden, um kurzfristig auf z.B. sinkende Wasserstände reagieren zu können.

Die Moore im Landkreis Osnabrück waren früher größer und weiterverbreitet. Durch Urbarmachung, Trockenlegung und Bewirtschaftung schrumpften die Flächen immer weiter. Wo heute die Grenzen verlaufen, wie mächtig die Moore noch sind und welches Regenerationspotenzial sie aufweisen, ist aktuell nicht genau geklärt. Die letzten Daten stammen größtenteils aus den 1970er und 1980er Jahren.

Daher wird aktuell ein Moorschutzkataster erarbeitet. Mittels landkreisweit verteilter Bohrproben werden genaue Daten zu Regenerationspotenzial, Mächtigkeit und Nutzungsalternativen erhoben. Daraus ergeben sich dann belastbare Zahlen zur exakten Klimaschutzwirkung dieser Moore.

Photovoltaik-Anlagen (PV) leisten einen entscheidenden Beitrag zur zukünftigen Stromversorgung. Auch die Dächer aller kreiseigenen Gebäude sollen zukünftig für die Stromversorgung genutzt werden. Dafür gibt es einen abgestuften Plan, der die eigene Nutzung und die Verpachtung von Flächen an andere Investoren vorsieht. Derzeit sind bereits 21 Prozent mit PV belegt, 35 Prozent sollen für den eigenen Bedarf verwendet werden. Weitere Flächen sollen langfristig verpachtet werden.

Deutschland hat sich das Ziel gesetzt, bis 2045 treibhausgasneutral zu werden. Die Stromerzeugung soll aber bereits bis 2035 weitgehend klimaneutral sein. Der Zubau von Wind- und Solarstrom muss stark beschleunigt werden. Niedersachsen hat sich auf Landesebene zum Ziel gesetzt, bis 2035 insgesamt 65 Gigawatt (GW) Photovoltaik zu installieren. Zu Jahresbeginn 2022 waren es 5 GW. Es bleibt also noch viel zu tun. Von den 65 GW sollen 50 GW auf Dachflächen installiert werden und 15 GW auf Freiflächen.

Der Landkreis Osnabrück will PV-Potenziale prioritär auf versiegelten Flächen aktivieren. Die notwendige Steigerung regenerativer Energieerzeugung durch Photovoltaik ist mit PV-Großprojekten schneller zu erreichen, als wenn der Fokus ausschließlich auf der Installation kleiner privater Dachanlagen liegt. Flächen-PV z.B. über Parkplätzen oder in Gewerbegebieten sowie PV auf Gewerbegebäuden soll daher schneller vorangetrieben werden.

Große Gewerbedächer werden gezielt in den Blick genommen, Unternehmen werden angesprochen und beraten. Die Netzwerkarbeit und der Austausch mit den Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern, den Klimaschutzmanagern und -managerinnen und den Bauämtern in den Städten, Samtgemeinden und Gemeinden wird forciert, denn häufig liegt die Planungshoheit bei den kreisangehörigen Kommunen.

Das Solardachkataster wurde ergänzt um eine Funktion zur Beplanung von Freiflächen. Und letztlich werden Antragsverfahren für Flächen-PV und Agri-PV-Anlagen in der Kreisverwaltung koordiniert und möglichst zügig bearbeitet.

Seit dem 01.01.2025 hat der Landkreis Osnabrück nach § 18 Absatz 2 Niedersächsisches Klimagesetz (NKlimaG) die Aufgabe, die kreisangehörigen Kommunen bezüglich der Inanspruchnahme von Klimaschutzfördermitteln zu beraten und zu unterstützen

Die Beratung der durch den Landkreis Osnabrück verfolgt hierbei das Ziel, die Zusammenarbeit zwischen dem Landkreis und seinen Kommunen im Bereich Klimaschutz zu stärken und die Kommunen in ihrer Arbeit zur Erreichung der Klimaziele zu unterstützen. 

Die Beratung der kreisangehörigen Kommunen im Landkreis Osnabrück erfolgt im Rahmen bestehender Netzwerke, beispielsweise durch regelmäßige TOP in den Netzwerktreffen, der Weitergabe relevanter Informationen (z.B. Newsletter von MCon, KEAN etc.) an die konkreten Ansprechpartner in den Kommunen sowie die Durchführung von Informationsveranstaltungen zu relevanten Themenbereichen.

Der Schwerpunkt liegt auf der Sicherung und Weitergabe von Know-how, der Vernetzung und der gezielten Unterstützung bei spezifischen Anliegen. Ideen für ein konkretes Vorhaben werden ausschließlich von der jeweiligen Kommune entwickelt; eine Unterstützung bei der Beantragung von Fördermitteln durch den Landkreis Osnabrück beschränkt sich auf eine Unterstützung bei konkreten Antragstellungen (nicht deren Übernahme) entweder durch eigene Unterstützung oder durch Vermittlung von externen Partnern.

 

Die Wärmeversorgung macht in Deutschland mehr als 50 Prozent des gesamten Endenergieverbrauchs aus und verursacht einen Großteil des CO2-Ausstoßes. Von den rund 41 Millionen Haushalten in Deutschland heizt nahezu jeder zweite mit Gas und knapp jeder vierte mit Heizöl. 

Seit dem 1. Januar 2024 ist das „Gesetz für die Wärmeplanung und zur Dekarbonisierung der Wärmenetze“ (WPG) in Kraft getreten. Darin wird festgelegt, dass alle Kommunen in Deutschland bis Ende 2026 kommunale Wärmepläne erstellen müssen. Auch im Landkreis Osnabrück sind viele Kommunen bereits in den Prozess der Wärmeplanung eingetreten. Die ersten Kommunen werden bereits im Jahr 2025 ihre Ergebnisse präsentieren können.

Jede Kommune hat eigene Potenziale und Voraussetzungen, die lokal gehoben werden können. Wärmeversorgung funktioniert nur lokal, da Wärme nicht über lange Strecken transportiert werden kann. Die Kartierung und lückenlose Darstellung von Potenzialen und Versorgungslösungen bietet die Grundlage für ein klimafreundliches Energiesystem. Bis 2045 müssen nach dem WPG alle Wärmenetze klimaneutral sein; es muss dann 100 Prozent Erneuerbare Energie eingeleitet werden. Für neue Wärmenetze müssen bereits heute mindestens 65 Prozent erneuerbare Wärme eingeleitet werden. Eine Chance der Wärmeversorgung im Außenbereich ist der Einsatz von Wärmepumpen, die für viele Gebäude die zukünftige Energieversorgung darstellen können.

Die Aufgabe der kommunalen Wärmeplanung wird direkt in den Kommunen des Landkreises umgesetzt. Bei der Methodik und den sich anschließenden Fragen der Umsetzung stoßen die Akteure auf ähnliche Fragestellungen. Um gegenseitiges Lernen der Fachleute zu ermöglichen, veranstaltet der Landkreis Osnabrück regelmäßig Austauschtreffen zwischen den Praktikern in den Kommunen. 

Für Informationen zu den Ergebnissen der einzelnen Wärmepläne wenden Sie sich bitte direkt an die jeweilige Gemeinde. Gute Beispiele für realisierte Wärmenetze finden sich bereits heute zum Beispiel in Alfhausen, Ostercappeln oder Hagen a.T.W. Die Ergebnisse der Wärmeplanung werden vermutlich eine Reihe weiterer Projekte initiieren.

Zwischen dem Landkreis Osnabrück und den kreisangehörigen Kommunen hat sich seit vielen Jahren das „Kommunale Netzwerk Klimaschutz“ etabliert. Hier treffen sich die Personen, die in den Kommunen für das Querschnittsthema Klimaschutz zuständig sind. Der inhaltliche Austausch hilft dabei, die zahlreichen Einzelthemen zu bewältigen und die eigene Funktion als „Kümmerer“ auszufüllen. Kommunaler Klimaschutz hat viele Facetten. Da es in vielen Kommunen jedoch um ähnliche Aufgaben geht, bildet der Wissenstransfer eine wichtige Basis zur Erreichung der Ziele.

Das Kernstück des Netzwerks bilden die sogenannten kommunalen Klimaschutzmanager. Diese wurden in vielen Kommunen über eine Förderung der „Nationalen Klimaschutzinitiative“ des Bundes eingestellt. Aber auch in Kommunen ohne geförderte Stelle sind Kolleginnen und Kollegen aktiv, die sich mit Einzelthemen beschäftigen oder das Thema betreuen. Die Vernetzung findet je nach Anlass und Themenbezug in Online- oder Präsenztreffen statt.

Klimaschutz ist heute im Landkreis Osnabrück somit fast flächendeckend in den Kommunen etabliert. Die Bedeutung der Kommunen für die Umsetzung lokaler Maßnahmen wird seit vielen Jahren durch die bewährte Förderkulisse der sogenannten „Kommunalrichtlinie“ des Bundes unterstützt. In Niedersachsen kümmert sich zudem die Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen (KEAN) um die Vernetzung auf Landesebene.

Die Klimaschutzmanager vor Ort kümmern sich um die gesamte Bandbreite klimaschutzrelevanter Themen – vom Radverkehr über Bürgeraktionen und Beratungen z.B. zum Thema der energetischen Sanierung bis hin zum Fördermittelmanagement. Durch diese Kümmererfunktion wird das Querschnittsthema Klimaschutz fest in der jeweiligen Kommune verankert. Die Klimaschutzmanager und Klimaschutzmanagerinnen bilden damit für viele wichtige Themen die ersten Ansprechpersonen.

Seit der Einführung der gesetzlichen Pflicht zur Kommunalen Wärmeplanung hat sich ein zweites, themenspezifisches Netzwerk gebildet. Hier wird im Zusammenhang mit der Wärmewende speziell auf die gesetzliche Aufgabe der Wärmeplanung eingegangen. Im Rahmen des sogenannten „Wärmefrühstücks“ tauschen sich die Kommunen seit 2024 zum aktuellen Stand der Wärmeplanung und deren Umsetzung aus.

Die Inhalte der Wärmepläne betreffen alle Bürgerinnen und Bürger, da hier technisch geprüft wird, welche Art der Wärmeversorgung für die einzelnen Gebäude und Wohngebiete in Zukunft sinnvoll ist. Für Ortskerne oder Gebiete mit guten Wärmequellen werden Nahwärmenetze geprüft. Auf der anderen Seite zeigt die Wärmeplanung, dass das Thema der dezentralen Lösung in den Fokus rückt. Hier stehen Wärmepumpen und andere technische Lösungen mit einem möglichst geringen fossilen Anteil im Mittelpunkt der Beratungen.

Die Wärmewende im Bereich des Gebäudebestandes ist eine der größten ungelösten Herausforderungen im Klimaschutz. Die Wärmebereitstellung macht mehr als ein Drittel der energiebedingten Treibhausgase (THG) - Emissionen im Landkreis Osnabrück aus. Je nach örtlichen Gegebenheiten gibt es vielfältige nachhaltige Lösungen. Individuelle Lösungen für Gebäudebesitzer werden aktuell durch verschiedene Förderkulissen und Programme unterstützt. Die Sanierung der Gebäudehülle ist häufig die Voraussetzung für weitere Schritte. Dazu kommen aktuell Förderangebote z.B. für den Einsatz von Wärmepumpen.

Wärmenetze sind Lösungen jenseits der Einzelentscheidung: Verschiedene Akteure müssen an einem Strang ziehen. Wärmequellen und -senken sowie Netzbetreiber haben unterschiedliche Vorstellungen und Interessen. Technische Versorgungskonzepte sind besonders anspruchsvoll, bieten aber auch große Chancen, da klassische Gasnetze oder Ölheizungen nicht mehr zukunftsgerecht sind. Im Projekt „Prozessbegleitung bei aktuellen Nahwärme-Entscheidungen“ werden im gesamten Landkreis Osnabrück individuelle Nahwärme-Entscheidungen begleitet und ggf. durch Machbarkeitsstudien unterstützt.

  • Beispiel 1: Nutzbarmachung der im Produktionsprozess eines Industrieunternehmens anfallenden Abwärme für ein Nahwärmenetz zur Versorgung weiterer Betriebe, öffentlicher Einrichtungen und Wohnbebauung.
  • Beispiel 2: Nutzbarmachung der bestehenden Abwärmepotenziale einer Biogasanlage für ein Nahwärmenetz zur Wärmeversorgung von Wohnbebauung.
  • Beispiel 3: Prüfung der Installation eines „kalten Nahwärmenetzes“ bei der Planung eines Neubaugebietes.

Das Vorgehen baut auf Vorläuferprojekten wie dem „Portal für industrielle Abwärme“ und dem Projekt „Kowa“ auf und fügt sich in die neue Kulisse der Wärmeplanungen in den Kommunen ein.

Kontakt

Fachdienst Umwelt - Klima und Energie

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