Sieben Personen stehen vor einer Weltkarte.
(v.l.): Ankums Bürgermeister Klaus Menke, Samtgemeindebürgermeister Bersenbrück, Michael Wernke, Landrätin Anna Kebschull, Indulor-Gründer Erwin Fengler, Indulor-Geschäftsführer Thomas Fengler, standortübergreifender Werkleiter Matthias Suding, und WIGOS-Geschäftsführer Peter Vahrenkamp tauschten sich bei einem Besuch des Unternehmens Indulor Chemie GmbH aus.
Dienstag, 24. Februar 2026

Landrätin und WIGOS besuchten Unternehmen für Spezialchemie in Bramsche

Bramsche. Das Unternehmen Indulor Chemie GmbH investiert kräftig in seinen Standort in Bramsche-Hesepe: Mehr als 30 Millionen Euro sollen in die Erweiterungen sowie den Bau eines neuen Technikums fließen. Wie sich der Hidden Champion im Bereich Spezialchemie strategisch in Zukunft aufstellen will, haben Landrätin Anna Kebschull und der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung des Landkreises (WIGOS), Peter Vahrenkamp, bei einem Werksbesuch in Hesepe erfahren. Nach dem Blick hinter die Werkstüren waren die Gäste beeindruckt: „Ein weltweit agierendes Unternehmen mit diesem speziellen Know-how ist für uns im Landkreis Osnabrück auf jeden Fall etwas ganz Besonderes.“

Indulor hat sich seit der Gründung 1978 vom kleinen Betrieb zu einem weltweit führenden Anbieter im Bereich makromolekulare Chemie entwickelt. Das Portfolio umfasst rund 300 Produkte – mit Schwerpunkt auf Emulsionslösungen, Massepolymerisaten und Herstellung von optischen Aufhellern. Diese kommen unter anderem in der Druckfarben- und Lackindustrie, in der Bauchemie, der Textil- und Papierveredelung sowie in der Klebstoffindustrie zum Einsatz. Mit den Standorten im Landkreis Osnabrück, der Firmenzentrale in Ankum und der Produktion in Bramsche-Hesepe, sowie Produktionen in Bitterfeld-Wolfen, Leverkusen, und einem Standort in den USA, North Carolina, zählt das Unternehmen zu den bedeutenden Familienunternehmen Deutschlands. Im Produktionsbereich gibt es zudem ein Joint Venture in Jakarta (Indonesien) sowie Handelsstandorte in Tokio und im schweizerischen Zug. 

„Ihr Unternehmergeist ist für den Standort Gold wert. Sie haben sich hier eine echte Nische mit besonderer Idee und großem Know-how erarbeitet“, sagte Landrätin Anna Kebschull im Gespräch mit dem Gründer Erwin Fengler und seinem Sohn, Geschäftsführer Thomas Fengler. Dass Indulor die Nachfolge erfolgreich vollzogen hat und auch weiterhin familiengeführt wird, ist nach den Worten der Landrätin ebenso beeindruckend. 

„Alles, was wir heute weltweit vertreiben, haben wir selbst entwickelt oder entscheidend weiterentwickelt“, betonte Gründer Erwin Fengler. Indulor sei der zweitgrößte europäische Hersteller für Bindemittel und Additive im Bereich Verpackungsdruck. „Wenn Sie heute im Supermarkt eine bedruckte Faltschachtel in der Hand halten, steckt mit großer Wahrscheinlichkeit Indulor darin“, ergänzte Geschäftsführer Thomas Fengler. In Europa gilt Indulor zudem als Marktführer bei optischen Aufhellern für die Papierindustrie: „Durch optische Aufheller wirkt Papier deutlich weißer – wir verkaufen im Grunde reine Ästhetik“, erläuterte Matthias Suding, standortübergreifender Werkleiter Indulor Chemie GmbH. 

Ein entscheidender Vorteil sei die hohe Fertigungstiefe: „Von der Idee bis zum fertigen Produkt können wir alles selbst steuern – und das ist bis heute so geblieben. Was uns auszeichnet, ist unsere globale Aufstellung bei gleichzeitig hoher Flexibilität. Wir sind so schnell und individualisiert, wie unsere Kunden es verlangen“, erläuterte Thomas Fengler. Neben dem Kerngeschäft rückt zunehmend der internationale Handel in den Fokus. Wachstumsmärkte sieht Indulor unter anderem in Indonesien, Indien und Brasilien. Ein weiteres strategisches Feld sei der Rohstoffhandel. „Wir haben schon immer Wert auf große Lagerbestände gelegt – für den Fall der Fälle. Das hat uns in Krisenzeiten oft gerettet“, so die Geschäftsführung. Angesichts wachsender Abhängigkeiten von asiatischen Märkten wolle man sich breiter aufstellen und auch kleinere Lackfabriken mit Rohstoffen beliefern. 

Marktanforderungen wie diese sind die Gründe für die Investitionen in den Standort in Hesepe – dem Herzstück der Produktion. Aktuell im Bau befindet sich die Erweiterung der Rohstoff- und Verladehalle mit einem Volumen von rund sieben Millionen Euro. Bereits abgeschlossen ist der Bau einer Halle für Leergebinde. Als Schlüsselprojekt gilt der geplante Neubau eines Technikumgebäudes für rund 3,5 Millionen Euro. „Wir wollen hier in Hesepe unser technisches Know-how bündeln und weiter ausbauen“, erläuterte Suding. Für 2026 ist zudem die Errichtung einer automatischen Lkw-Annahme mit Wartebereich vorgesehen. Der größte Schritt ist jedoch die geplante Produktionserweiterung im Umfang von rund 20 Millionen Euro. Damit verdoppelt Indulor die Kapazitäten am Standort. Nach Angaben von Suding steht die geplante Erweiterung jedoch in interner Konkurrenz zu anderen Standorten. „Durch hohe Bürokratie- und Auflagenlast wird sie derzeit stark ausgebremst.“ Dennoch halte Indulor langfristig an der Umsetzung fest. 

Wie bedeutend diese Investition für den gesamten Wirtschaftsstandort ist, unterstrichen die Landrätin und der WIGOS-Geschäftsführer: „Die geplanten Vorhaben sind ein positives Signal für die Zukunftsstärke des gesamten Wirtschaftsraums Landkreis Osnabrück. Wo immer wir von Seiten der Wirtschaftsförderung unterstützen können und Prozesse beschleunigen können, sind wir behilflich. Wir wollen, dass Unternehmen bei uns im Landkreis wachsen können und die Wirtschaft weiter an Fahrt gewinnt.“ In diesem Zuge verwies WIGOS-Geschäftsführer Peter Vahrenkamp gemeinsam mit der Landrätin auf die Unterstützung der WIGOS: „Sprechen Sie uns auf kurzem Wege an, wenn Sie Unterstützung und unser Know-how benötigen.“ 

„Es macht Spaß, in Zeiten der Transformation so aktiv zu werden. Wir schaffen hier Arbeitsplätze und investieren bewusst in unsere Zukunft hier vor Ort“, betonte Gründer Erwin Fengler. „Das erste Produkt, das wir 1978 hergestellt haben – eine Bauchemiegrundierung – produzieren wir übrigens noch heute hier.“

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