Personengruppe steht in einer Werkhalle
Beim Netzwerktreffen bekamen die Teilnehmenden einen Einblick in das Unternehmen Windmöller & Hölscher.
Dienstag, 21. April 2026

Netzwerktreffen beschäftigte sich mit mentaler Gesundheit Jugendlicher

Lengerich. Die psychische Gesundheit von Jugendlichen ist angesichts globaler Krisen wie Pandemie, Klimawandel, Kriege und wirtschaftlicher Unsicherheiten ein zentrales gesellschaftliches Thema. Aber wie können Schulen und Unternehmen gemeinsam auf die wachsenden psychischen Belastungen junger Menschen reagieren und praxisnahe Lösungen entwickeln? Mit diesen zunehmend wichtigen Fragen beschäftigte sich das 19. Netzwerktreffen Schule-Wirtschaft beim Unternehmen Windmöller & Hölscher in Lengerich.

Organisiert wurde der Austausch für die Teilnehmenden aus der Region Georgsmarienhütte, Hagen a.T.W. und Hasbergen von der Servicestelle Schule-Wirtschaft der MaßArbeit. Dabei wurde deutlich, wie wichtig es ist, dass Schulen und Unternehmen gemeinsam präventive und unterstützende Maßnahmen entwickeln, um junge Menschen im Übergang von Schule zu Beruf zu stärken, ihre Resilienz zu fördern und sie in ihrer persönlichen Entwicklung zu begleiten.

Das Netzwerktreffen unter dem Titel „Jugend im Spiegel der Gesellschaft: Mentale Gesundheit in der Polykrise und ein Praxiskonzept für den Übergang Schule–Beruf“ zeigte auf, wie stark sich die aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen auf junge Menschen auswirken. Pandemie, Klimawandel, Kriege und wirtschaftliche Unsicherheiten prägen ihren Alltag und stellen sie vor besondere Herausforderungen. Nach den Worten von Annika Witte, Koordinatorin der Servicestelle Schule-Wirtschaft, ist diese sogenannte Polykrise längst Teil der Lebensrealität Jugendlicher.

„Jugendliche stehen vor der Herausforderung, in dieser Phase sozialisiert zu werden. Es ist entscheidend, dass wir sie durch eine gute Begleitung stärken und unterstützen.“ Sie verwies dabei auf die COPSY-Studie, die von 2020 bis 2025 die psychische Gesundheit von jungen Menschen im Alter von 7 bis 23 Jahren untersuchte und das einzige langfristige Gesundheitsmonitoring in Deutschland zu diesem Thema ist. Annika Witte verdeutlichte, dass sich die gleichzeitigen Krisen deutlich auf die psychische Gesundheit auswirken und bei vielen jungen Menschen Gefühle von Kontrollverlust und Hilflosigkeit auslösen.

So zeichnen die Ergebnisse der Studie ein klares Bild: Die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen hat sich im Vergleich zu der Zeit vor der Pandemie verschlechtert. Ein erheblicher Teil berichtet von eingeschränkter Lebensqualität und psychischen Belastungen. Besonders betroffen sind Mädchen und junge Frauen ab 14 Jahren. Gleichzeitig verfügen viele Jugendliche über Strategien, um mit Belastungen umzugehen. Entscheidend bleibt jedoch das soziale Umfeld: Familie, Schule und Ausbildung spielen demnach eine zentrale Rolle dabei, wie gut junge Menschen Krisen bewältigen können.

Doch wie sieht diese Unterstützung in der Praxis aus? Darauf ging Olaf Heymann-Riedel, Geschäftsführer der Windmöller & Hölscher Academy, ein. Er stellte in einem Fachimpuls Leitlinien vor, die gemeinsam mit Doris Ostermann (Gesundheitscoach/Sozialtherapeutin) entwickelt wurden und den Umgang mit psychischen Belastungen in der Ausbildung konkret regeln. Im Zentrum steht dabei die kontinuierliche Beziehungsarbeit. „Wir sehen in der Ausbildung täglich, wie wichtig eine enge Begleitung ist. Nur durch regelmäßigen Austausch, Vertrauen und echtes Interesse an den jungen Menschen können wir sie nachhaltig stärken und auf ihrem Weg unterstützen“, unterstrich der Geschäftsführer. „Es geht darum, frühzeitig Schwierigkeiten bei Auszubildenden zu erkennen, um individuelle Lösungen zu finden. So wurde beispielsweise einer Auszubildenden die Möglichkeit geboten, den Ausbildungsberuf innerhalb des Unternehmens zu wechseln“ erklärte Olaf Heymann-Riedel.

Das 1869 in Lengerich gegründete Unternehmen Windmöller & Hölscher ist heute ein weltweit führender Hersteller von Maschinen und Anlagen zur Herstellung von flexiblen Verpackungen. Das Unternehmen mit weltweit 3400 Mitarbeitenden bildet im Durchschnitt 120 bis 130 Auszubildende und Dual Studierende in den verschiedenen Berufen aus. Beim Netzwerktreffen hatten die Teilnehmenden auch die Gelegenheit, bei einem Betriebsrundgang hinter die Kulissen des Werkes zu schauen und auch einen Blick in die Ausbildungswerkstatt zu werfen. 

Fachreferentin Doris Ostermann unterstrich beim Treffen die Bedeutung präventiver Strukturen. Es gehe darum, Unternehmen so aufzustellen, dass junge Menschen sich gesehen und unterstützt fühlen: „Offene Kommunikation, Beteiligung, Flexibilität und das Eingehen auf individuelle Bedürfnisse sind entscheidende Faktoren.“ Ebenso wichtig sei es, soziale und emotionale Unterstützung ernst zu nehmen. Studien zeigen, Jugendliche einerseits in sozialen Medien Ausgrenzung und Abwertung erfahren und andererseits die Einsamkeit bei Jugendlichen zunimmt - ein Aspekt, der im Übergang von Schule zu Beruf oft unterschätzt wird.

Im anschließenden Austausch zeigte sich, dass sowohl Schulen als auch Unternehmen vor ähnlichen Herausforderungen stehen. Während in Schulen insbesondere die Schulsozialarbeit eine wichtige Rolle spielt, sehen Unternehmen die Notwendigkeit, Ausbilderinnen und Ausbilder gezielt zu schulen und klare Leitlinien zu entwickeln. Einig waren sich die Netzwerkpartner vor allem bei einem Aspekt: „Nur durch Zusammenarbeit können nachhaltige Lösungen entstehen. Die Förderung der mentalen Gesundheit junger Menschen ist keine Aufgabe einzelner Institutionen. Sie gelingt nur im Zusammenspiel von Schule, Wirtschaft und sozialem Umfeld – und beginnt mit dem gemeinsamen Gespräch.“

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