„Rüstzeug für Krisenzeiten“: Resilienz-Projekt stärkt Grundschüler in Dissen und der Region Osnabrück
Osnabrück. Die Welt der Kinder ist komplexer geworden: Was als Reaktion auf die Isolation der Corona-Pandemie begann, hat angesichts neuer globaler Krisen eine bleibende Relevanz entwickelt. Das Präventionsprojekt „Resilienz für Kinder“ geht daher in die nächste Phase. An der Grundschule Dissen wurde die Fortführung des Programms für den Zeitraum 2026 bis 2027 offiziell vorgestellt.
Starke Kooperation und kontinuierliche Weiterentwicklung
Das Projekt basiert auf einer engen Zusammenarbeit zwischen dem Landesverband Theaterpädagogik Niedersachsen (LaT) und dem theaterpädagogischen Zentrum (tpz) Osnabrück. Ein wichtiger Pfeiler ist dabei die Unterstützung durch den Landkreis Osnabrück. Ina Eversmann, Bildungskoordinatorin des Landkreises, hob die konstruktive Zusammenarbeit mit dem tpz hervor und schätzt insbesondere die stetige Weiterentwicklung des Konzepts. Grundlage hierfür war eine umfassende Evaluation des Landkreises in vorangegangenen Förderphasen, bei der gezieltes Feedback der teilnehmenden Schulen eingeholt wurde. „Auf dieser Basis konnten wir das Projekt passgenau optimieren“, sagte Eversmann. Nora Junghanß, Leiterin des tpz, betonte ebenfalls die Notwendigkeit, Kinder frühzeitig mit Werkzeugen für ihre psychische Gesundheit auszustatten.
Kostenfreie Teilnahme dank starker Förderer
Besonders an Schulen mit heterogener Sozialstruktur ist der Bedarf groß. Die Grundschule Dissen, eine fünfzügige Schule, beheimatet auch viele Kinder aus einkommensschwachen Familien. Schulleiterin Astrid Bojko wandte sich an die Förderer: „Dank der Unterstützung der Sparkasse Osnabrück und dem neuen Engagement der Dieter Fuchs Stiftung können alle Kinder unseres dritten Jahrgangs kostenlos teilnehmen.“
Pädagogische Notwendigkeit: Gefühle und Bedürfnisse verstehen
Klassenlehrerin Mareike Kriete, die ihre Klasse regelmäßig im Projekt begleitet, sieht in der Arbeit des tpz eine wertvolle Ergänzung zum Unterricht. „Die meisten Kinder können zwar sagen, ob es ihnen gerade gut oder schlecht geht, aber sie wissen oft nicht, warum das so ist. Das Projekt hilft ihnen herauszufinden: Was liegt eigentlich darunter? Was brauche ich gerade wirklich?“
Praxisnaher Einblick: Optimismus in der „Dankbarkeitslawine“
Bei einem Unterrichtsbesuch in einer laufenden Resilienzstunde unter der Leitung der Theaterpädagogin Kaira Strecker setzten sich die Kinder spielerisch mit dem Thema „Optimismus“ auseinander. In drei gezielten theaterpädagogischen Übungen lernten die Schülerinnen und Schüler, ihren Fokus auf das Positive im Alltag zu richten und das Glück im Kleinen zu entdecken. Besonders bewegend zeigte sich dies bei der Übung „Dankbarkeitslawine“. Die Rückmeldungen der Drittklässler waren so einfach wie tiefgründig: „Ich bin dankbar für meine Eltern“, „Ich bin dankbar, dass ich lernen darf“ oder auch „Ich bin dankbar, dass ich einen Pullover habe und nicht frieren muss“.
Nachhaltigkeit durch Multiplikatoren und Projekttage
Ein zentraler Baustein für die Zukunft des Projekts ist der Transfer von Wissen. Das tpz bietet zweimal jährlich Multiplikatorenfortbildungen für Lehrkräfte und Schulsozialarbeit an, um diese zur eigenständigen Durchführung des Trainings zu befähigen. Dass dieses Konzept aufgeht, berichtete Astrid Bojko aus ihrer parallelen Erfahrung als Rektorin der Grundschule Bad Rothenfelde: „Nachdem das tpz das Projekt dort eingeführt hatte, besuchten einige unserer Lehrkräfte die Fortbildung. Heute leiten sie das Projekt selbstständig an.“
Um das Gelernte bei den Kindern tief zu verankern, findet etwa vier Monate nach dem Grundprojekt für alle Klassen ein vierstündiger Nachhaltigkeitstag statt. Dieser Projekttag dient der Wiederholung der Resilienzkräfte und der intensiven Verinnerlichung.
Projektumfang und Ausblick
In der aktuellen Laufzeit nehmen 45 Klassen im Landkreis Osnabrück teil. Klassenlehrerin Mareike Kriete aus Dissen bestätigte: „Meine Schüler kommen hervorragend mit Fachbegriffen wie ‚Resilienz‘ zurecht, da sie von Beginn an anschaulich vermittelt werden.“ Ziel bleibt es, die psychische Widerstandskraft dauerhaft als festen Bestandteil in der regionalen Schullandschaft zu verankern.
Weitere Informationen sind erhältlich unter: tpwerkstatt.de/projekte/resilienzprojekt.
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