Gesundheitskonferenz: Psychische Gesundheit im Fokus
Osnabrück. Psychische Belastungen nehmen in Krisenzeiten spürbar zu. Gleichzeitig gibt es wirksame Schutzfaktoren, die Menschen stärken und helfen können, Herausforderungen besser zu bewältigen. Diese Botschaft stand im Mittelpunkt der diesjährigen Gesundheitskonferenz von Landkreis und Stadt Osnabrück in der Volkshochschule Osnabrück. Rund 100 Fachkräfte, ehrenamtlich Engagierte sowie interessierte Bürgerinnen und Bürger nutzten die Veranstaltung, um sich über aktuelle Entwicklungen, Herausforderungen und Unterstützungsangebote rund um die psychische Gesundheit auszutauschen.
Landrätin Anna Kebschull eröffnete die Konferenz und hob die wachsende gesellschaftliche Bedeutung des Themas hervor. „Psychische Erkrankungen sind längst keine Randerscheinung mehr. Sie betreffen Menschen aller Altersgruppen und Lebenssituationen. Umso wichtiger ist es, offen über psychische Belastungen zu sprechen und Unterstützung frühzeitig zugänglich zu machen“, sagte Kebschull.
Den Einführungsvortrag hielt Claudia Schulz, leitende Psychotherapeutin des AMEOS Klinikums Osnabrück. Sie beleuchtete die Auswirkungen von Krisenzeiten auf die psychische Gesundheit und ging auf aktuelle Entwicklungen ein. Besonders Angststörungen und Depressionen führten zunehmend zu gesundheitlichen Einschränkungen und Arbeitsausfällen. Krisen entstünden häufig dann, wenn Anforderungen die individuellen Bewältigungsmöglichkeiten übersteigen.
Neben globalen Krisen wie Pandemie, Kriegen oder wirtschaftlicher Unsicherheit seien auch Einsamkeit, fehlende soziale Unterstützung und dauerhafte Überlastung erhebliche Risikofaktoren. Gleichzeitig gebe es wichtige Schutzfaktoren wie stabile Beziehungen, Selbstwirksamkeit und einen guten Zugang zu Hilfsangeboten. Als konkrete Ansatzpunkte nannte Schulz unter anderem feste Alltagsstrukturen, soziale Kontakte, bewussten Medienkonsum, Selbstfürsorge und professionelle Unterstützung. Zudem sprach sie sich für eine stärkere Vernetzung regionaler Angebote sowie für mehr Prävention und Resilienzförderung aus.
Im Anschluss konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zwischen drei Workshops zu den Themen Einsamkeit, Depression und Sucht wählen. Dabei wurden regionale Unterstützungsangebote vorgestellt und praktische Erfahrungen ausgetauscht. Deutlich wurde, wie wichtig niedrigschwellige Hilfen, verlässliche Netzwerke und frühzeitige Unterstützung für Betroffene und Angehörige sind.
Für einen besonders eindrucksvollen Moment sorgte der Auftritt des abseits-Chors. Die Sängerinnen und Sänger – Besucherinnen und Besucher der Tageswohnung für wohnungslose Menschen sowie ehrenamtlich Engagierte – griffen mit ihren Liedern die Themen Einsamkeit und Krisen auf und setzten zugleich ein Zeichen für Hoffnung, Zusammenhalt und Veränderung.
Zum Abschluss gab Conny Holtmann mit ihrem Vortrag „Prävention stärken: Resilienz und Mental Training in krisenhaften Zeiten“ einen positiven Ausblick. Sie beschrieb Resilienz als die Fähigkeit, Herausforderungen und Krisen ohne langfristige Beeinträchtigungen zu bewältigen und gestärkt daraus hervorzugehen. Zu den zentralen Schutzfaktoren zählten Optimismus, Lösungsorientierung, Akzeptanz, Verantwortung, Selbstregulation und tragfähige Beziehungen. Resilienz sei erlernbar und könne aktiv trainiert werden.
Die Gesundheitskonferenz machte deutlich, wie wichtig Austausch, Aufklärung und gemeinsames Handeln im Bereich der psychischen Gesundheit sind. Gleichzeitig setzte die Veranstaltung ein Zeichen dafür, Herausforderungen gemeinsam zu begegnen und psychische Widerstandskraft nachhaltig zu stärken.
Bereits seit 2003 finden in der gemeinsamen Gesundheitsregion regelmäßig Konferenzen zu aktuellen und relevanten Themen der Gesundheitsversorgung statt. Ziel ist es, gesundheitliche Herausforderungen frühzeitig aufzugreifen, Lösungsstrategien zu entwickeln und gemeinsam an deren Umsetzung zu arbeiten.
Dabei entstehen immer wieder neue Kooperationen, Arbeitsgruppen und Netzwerke, in denen die Ergebnisse der Konferenzen weiter vertieft und konkrete Maßnahmen entwickelt werden. Auch die diesjährige Gesundheitskonferenz soll weitere Impulse setzen. So ist für September ein World-Café zum Thema „Mentale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Landkreis und Stadt Osnabrück“ geplant. Damit soll der Austausch zwischen Fachkräften, Einrichtungen und weiteren Beteiligten fortgeführt und die Zusammenarbeit in diesem wichtigen Themenfeld weiter gestärkt werden.
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