Sechs Personen stehen in einem Vortragsraum zwischen Stuhlreihen
Nahmen an der Tagung der Jugendberufsagenturen teil (v.l.): Derk van Berkum, Lernstandort NollerSchlucht, Daniel Hunold, Technische Hochschule Ostwestfalen-Lippe, Susanne Steininger, MaßArbeit, Kristina Steinhake, MaßArbeit, Magdalena Singh, Agentur für Arbeit, Malte Kampmeyer, Agentur für Arbeit.
Mittwoch, 13. Mai 2026

Tagung der Jugendberufsagenturen: "Zuhören statt Zureden"

Dissen a.T.W. „Wer junge Menschen erreichen will, muss zuerst lernen, ihnen wirklich zuzuhören“ Das war die zentrale Botschaft bei der Tagung der Teams „Jugendberufsagentur in Schule“ im Landkreis Osnabrück. Rund 80 Fachkräfte aus Schulen, der Agentur für Arbeit und dem Übergangsmanagement der MaßArbeit kamen zur Tagung zum Lernstandort Noller Schlucht in Dissen, um neue Impulse für die Arbeit zu erhalten. 

Im Mittelpunkt der Tagung stand der Vortrag von Daniel Hunold, Professor an der technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe, unter dem Titel „Motivation und Arbeitsstrategien“. Der Referent zeichnete ein Bild von Kindheit und Jugend, das die Teilnehmenden nachdenklich machte. Es sei womöglich noch nie so schwierig gewesen, in der westlichen Welt jung zu sein wie heute. Zwischen schulischem Druck, sozialen Erwartungen und digitaler Dauerpräsenz müssten Jugendliche ihren eigenen Weg finden. Bis zu 60.000 Gedanken am Tag, so eine seiner Zahlen, prasselten auf sie ein. Orientierung falle da nicht leicht.

Ein Schlüsselbegriff seines Vortrags war die Selbstwirksamkeit, das Gefühl, das eigene Leben beeinflussen zu können. Für Hunold entsteht dieses Gefühl nicht durch große Sprünge, sondern durch Struktur und Wiederholung. „Übung macht den Meister. Wer erlebt, dass er sich auf sich selbst verlassen kann, gewinnt Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.“ Gleichzeitig machte er deutlich, dass viele junge Menschen genau hier Schwierigkeiten haben. Etwa 80 Prozent kämpfen vor allem mit emotionalen Herausforderungen.

Deutlich wurde der Referent auch beim Thema digitale Medien. Er schilderte eindrücklich, wie kurze, schnelle Inhalte die Wahrnehmung überfordern und Stress erzeugen können. Sein Plädoyer war klar: weniger Ablenkung, mehr Konzentration, zurück zu sich selbst. Wer soziale Medien bewusst reduziere, schaffe Raum für Gespräche, für Lernen und für echte Erfahrungen. Eine smartphonefreie Zone, echte Begegnungen, ein Spaziergang statt Bildschirmzeit – all das könne helfen, wieder bei sich anzukommen. Lernen müsse zudem interessant sein und sich an realen Situationen orientieren. Besonders produktiv werde es dann, wenn Kopf, Bauch und Hand zusammenwirken. 

Für die Arbeit in den Jugendberufsagenturen leitete der Referent daraus konkrete Impulse ab. „Menschen wollten gehört werden, und sie müssten auch bereit sein, Hilfe anzunehmen.“ Das bedeute für Beratende, Geduld auszuhalten, Pausen zuzulassen und Beziehungen aufzubauen, bevor Lösungen präsentiert werden. „Beratung beginnt nicht mit Ratschlägen, sondern mit Zuhören.“

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