Moorlandschaft
Intensive Landwirtschaft auf Moorböden
Montag, 6. Juli 2026

Landkreise Osnabrück und Vechta reichen Förderantrag für Moorprojekt VECHTOS ein

Osnabrück / Vechta. Die Landkreise Osnabrück und Vechta haben gemeinsam einen Förderantrag für das Projekt „VECHTOS“ eingereicht. Der Antrag erfolgt im Rahmen der PALU-Richtlinie des Bundes, die Teil des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz (ANK) ist.

Mit dem Projekt treiben die Landkreise die Transformation der Moorregion Großes Moor/Campemor voran. Ziel ist es, langfristig bedeutende Flächen wiederzuvernässen, Torfzehrung zu verringern und Treibhausgasemissionen aus entwässerten Moorböden zu reduzieren. Zugleich wird die landwirtschaftliche Nutzung aktiv mitgedacht: Flächen sollen auch unter veränderten Wasserständen weiter bewirtschaftet werden können — etwa als Nasswiese, durch angepasste Grünlandnutzung, extensive Beweidung oder alternative Anbaupflanzen.

Das Projektgebiet umfasst rund 5.100 Hektar. Eine wichtige fachliche Grundlage bildet das Moorkataster, das derzeit im Landkreis Osnabrück erarbeitet wird. Die Ergebnisse fließen in „VECHTOS“ ein und helfen, geeignete Bereiche für Wasserstandsanhebungen und Wiedervernässungsmaßnahmen zu bestimmen. Dabei geht es um fachlich sinnvolle, klimawirksame und technisch umsetzbare Maßnahmen, die mit bestehenden Nutzungen und den Menschen vor Ort abgestimmt werden.

Viele Moorflächen in der Region werden seit Generationen landwirtschaftlich genutzt. Deshalb setzt das Projekt auf Freiwilligkeit, Beratung und verbindlichen Dialog. Maßnahmen werden gemeinsam mit den betroffenen Eigentümerinnen und Eigentümern sowie Bewirtschafterinnen und Bewirtschaftern entwickelt.

„Der Landkreis Osnabrück leistet seit mehreren Jahren bedeutende Vorarbeit im Moorschutz. Mit dem Moorkataster schaffen wir eine wichtige Grundlage, um Moorflächen, Handlungsbedarfe und Entwicklungsmöglichkeiten besser zu erfassen“, erklärt Anna Kebschull, Landrätin des Landkreises Osnabrück. „Aber Karten und Konzepte allein reichen nicht. Entscheidend sind die Menschen vor Ort — insbesondere die landwirtschaftlichen Betriebe, Eigentümerinnen und Eigentümer sowie Gemeinden. Sie kennen die Flächen, die Nutzung und die praktischen Herausforderungen. Deshalb kann dieses Projekt nur gemeinsam und nur im Dialog gelingen.“

Drei Personen sitzen auf einer Bühne vor sich Publikum
Archivbild: Bürgerveranstaltung am 23. September 2023 im Gasthaus Beinker in Ostercappeln

Der regionale Prozess wurde bereits 2023 mit einer Bürgerveranstaltung beim Gasthaus Beinker öffentlich aufgegriffen. Seitdem wurde das Thema gemeinsam mit regionalen Akteuren weiterbearbeitet. Eine zentrale Rolle übernimmt der Arbeitskreis Moor, der fachliche Einschätzungen, regionale Erfahrungen und die Perspektiven vor Ort bündelt. Auch das Land Niedersachsen begleitet den Prozess konstruktiv und unterstützt das Projekt im Falle einer Bewilligung.

Das Vorhaben ist auf eine Laufzeit von 13 Jahren angelegt und hat ein Projektvolumen im hohen zweistelligen Millionenbereich. Vorgesehen sind fachliche Untersuchungen, Maßnahmen zur Wasserstandsanhebung und Wiedervernässung, Beratungs- und Beteiligungsangebote, Ausgleichsregelungen sowie Demonstrations- und Wissenstransferformate für nasse und angepasste Nutzung.

Neben dem Beitrag zum Klimaschutz eröffnet das Projekt Perspektiven für regionale Wertschöpfung. Unter höheren Wasserständen werden alternative Bewirtschaftungsmöglichkeiten praktisch erprobt. Darüber hinaus werden mit alternativen Materialien neue Wertschöpfungsketten in der Region aufgebaut, etwa durch Verarbeitung, Verwertung, Kooperationen und neue Produktketten.

Mit dem Förderantrag überführen die Landkreise Osnabrück und Vechta den begonnenen regionalen Prozess in eine langfristige Projektstruktur. Nach einer Bewilligung starten die nächsten Schritte mit der Einbindung der Ergebnisse aus dem Moorkataster, weiteren fachlichen Untersuchungen, Gesprächen mit Eigentümerinnen und Eigentümern sowie Bewirtschafterinnen und Bewirtschaftern und der Konkretisierung geeigneter Maßnahmenräume.

Hintergrund

Moorschutz ist ein zentraler Baustein des natürlichen Klimaschutzes. Intakte Moore speichern große Mengen Kohlenstoff dauerhaft im Torfkörper. Werden Moorböden entwässert, gelangt Sauerstoff in den Boden. Dadurch beginnt sich der Torf zu zersetzen; der gespeicherte Kohlenstoff wird als Treibhausgas freigesetzt. Entwässerte Moorböden tragen so trotz vergleichsweise kleiner Flächenanteile erheblich zum Ausstoß klimaschädlicher Gase bei. Die Anhebung und Stabilisierung von Wasserständen ist der entscheidende Ansatz, um Torfzehrung zu verringern und Emissionen zu reduzieren. Wiedervernässte Moore leisten so zugleich einen Beitrag zum Wasserhaushalt, zur Artenvielfalt und zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels.

Warum der Schutz der Moore wichtig ist

Moorschutzbeauftragter Johannes Stoltenberg

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