Stürenberg Fahrzeugbau in Ankum fertigt seit 125 Jahren Spezialaufbauten
Ankum. In den Produktionshallen von Stürenberg Fahrzeugbau stehen Fahrzeuge, die man auf keiner Standardliste findet. Manche transportieren Tiere, andere Technik, wieder andere erfüllen Anforderungen, die es so nur einmal gibt. Genau das ist seit mehr als einem Jahrhundert die Devise des Familienunternehmens in Ankum. Vom „Gockelwagen“ bis zum Eisbärenkäfig auf Rädern hat Stürenberg Fahrzeugbau in 125 Jahren schon die unterschiedlichsten Aufbauten gefertigt, die weit über das Osnabrücker Land hinaus gefragt sind.
„Beeindruckend, was aus einer kleinen Dorfschmiede geworden ist“, sagte Axel Kolhosser vom UnternehmensService der Wirtschaftsförderung des Landkreises Osnabrück, WIGOS, beim Besuch des traditionsreichen Betriebs, der in diesem Jahr sein 125-jähriges Bestehen feiert. Grund genug, sich gemeinsam mit Thomas Oeverhaus, Wirtschaftsförderer der Samtgemeinde Bersenbrück, vor Ort über die Historie und Leistungsvielfalt des Unternehmens zu informieren.
„Wir bauen alles hinten drauf – je nachdem, was der Kunde haben will“, betonte Geschäftsführer Dieter Feldmann. Zum Angebotsportfolio gehören Anhängeraufbauten mit verstellbarer Deichsel, Sonderkonstruktionen, Kipp-, Kran- und Kofferaufbauten sowie die Montage von Ladebordwänden. Jeder Auftrag bringe eigene Anforderungen mit, jedes Fahrzeug sei anders. „In jedem Projekt stecken 125 Jahre Erfahrung“.
In den vergangenen Jahren hat die WIGOS das Unternehmen unter anderem bei einer wichtigen Investition unterstützt: Im Rahmen des landkreiseigenen Förderprogramms INNO-OS wurde eine moderne Lackieranlage gefördert, die seit der Inbetriebnahme für eine hochwertige Optik und einen langlebigen Schutz der Fahrzeugkomponenten sorgt. „Wir unterstützen Unternehmen wie Stürenberg gerne dabei, sich weiterzuentwickeln und wichtige Investitionen umzusetzen“, unterstrich Axel Kolhosser. Dabei gehe es nicht nur um Fördermittel, sondern auch um Beratung, etwa bei Investitionen, Digitalisierung oder Fragen der Fachkräftesicherung.
Gegründet wurde Stürenberg Fahrzeugbau 1901 von Gerd Stürenberg. Die lange Geschichte und das Wirken des Gründers ist im Unternehmen bis heute sichtbar. Das Waffeleisen, das damalige Meisterstück von Gerd Stürenberg, ist direkt am Eingang des Firmensitzes ausgestellt. Ebenso ist noch eine Kutsche aus dem Gründungsjahr erhalten, auf der das Emblem von Stürenberg eingeschlagen ist. Sie wurde Jahrzehnte nach ihrer Entstehung als Scheunenfund in Holland entdeckt und fand so den Weg zurück zu ihrem Hersteller. Heute wird das Unternehmen Stürenberg in fünfter Generation geführt, auch die Nachfolge ist geklärt: Stefanie Feldmann, Tochter von Dieter Feldmann, ist seit 2019 im Betrieb. Die Maschinenbauingenieurin brachte neue Impulse in die Produktion des ISO-zertifizierten Betriebs: „Der Umzug an den neuen Standort 2020 war für mich ein kompletter Neuanfang“, sagte sie rückblickend. Der Neustart bot die Chance, Abläufe neu zu denken und stärker zu digitalisieren. „Der Vorteil war, dass durch den Umzug vieles neu möglich wurde.“
Heute beschäftigt Stürenberg Fahrzeugbau 33 Mitarbeitende, darunter zwei Auszubildende im Beruf Metallbauer, Fachrichtung Konstruktionstechnik. Bei der Personalgewinnung gab es ebenfalls Unterstützung vom Geschäftsbereich Wirtschaft & Arbeit des Landkreises Osnabrück. Ein Auszubildender wurde über die MaßArbeit, dem Jobcenter des Landkreises, vermittelt, ebenso zwei weitere Mitarbeitende aus der Ukraine: ein Metallbauer und ein Elektriker. „Die Zusammenarbeit mit der MaßArbeit hat super geklappt“, betonte Dieter Feldmann. Und Axel Kolhosser ergänzte: „Es freut uns, dass wir als Geschäftsbereich auch bei der Gewinnung von Fachkräften unterstützen konnten.“
Beim Rundgang durch die Fertigungshallen wurde deutlich, wie breit das Spektrum des Spezialunternehmens ist. Früher baute der Betrieb landwirtschaftliche Anhänger, Treppengeländer, Balkone und - wie Dieter Feldmann erläuterte - „alles, was Metallbauer damals so machten“. Pkw-Anhänger spielen schon lange keine Rolle mehr. Stattdessen wurde es mit den Jahren immer spezieller. So fertigte Stürenberg unter anderem Kassenwagen und besondere Tiertransportanhänger für den Zirkus Althoff und Sonderaufbauten für ganz unterschiedliche Branchen.
Ein Schwerpunkt der jüngeren Firmengeschichte sind Hühnerwagen, die für Lohmann Deutschland produziert werden. Der Auftrag zählt zu einer der größten der vergangenen Jahre. Gemeinsam wurde ein neues Konzept für den kompletten Zug mit speziellen hygienischen Anforderungen zum Transport der Hühner entwickelt. Diese Wagen haben unter anderem einen speziellen Edelstahl-Unterbau. „Der Vorteil für uns ist: Die Fahrzeuge fahren deutschlandweit. Das ist auch Werbung für uns und sorgt für neue Anfragen“, freut sich Dieter Feldmann über den Nebeneffekt.
Auch für die Deutsche Bahn fertigt Stürenberg Aufbauten, unter anderem Anhänger zum Transport der Beschilderungen im Gleisbau. Das Unternehmen baut Komponenten für Fahrzeuge vom 3,5-Tonner bis zum 18-Tonner. Eigene technische Zeichner sorgen nach den Worten von Dieter Feldmann dafür, dass aus Kundenwünschen konkrete Konstruktionen werden. Dass diese Mischung funktioniert, zeigt ein Blick auf die jüngste Entwicklung. „2024 haben wir an jedem Kalendertag ein Fahrzeug gebaut: 367 Fahrzeuge insgesamt“, so der Geschäftsführer stolz.
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