Stadttour erinnert an Cilli-Maria Kroneck-Salis und thematisiert Gewalt gegen Frauen
Osnabrück/Bad Iburg. Das Vermächtnis der Frauenrechtlerin Cilli-Maria Kroneck-Salis lässt sich künftig auf einem digitalen Stadtrundgang erkunden. Die Gleichstellungsbüros der Stadt Osnabrück, des Landkreises Osnabrück und der Stadt Bad Iburg stellten das Projekt am Geburtstag der Mitbegründerin des Autonomen Frauenhauses Osnabrück im Rahmen einer Release-Veranstaltung vor. Die digitale Stadttour erweitert den seit 2018 bestehenden frauenORT Cilli-Maria Kroneck-Salis um ein interaktives Angebot.
An sechs Audiostationen in Osnabrück und Bad Iburg können Interessierte künftig über QR-Codes Informationen und Zeitzeugnisse abrufen. Die Tour ist Teil des niedersachsenweiten Projekts „frauenORTE“ und verbindet die Biografie Kroneck-Salis' mit Fragen, die bis heute gesellschaftliche Relevanz besitzen. Im Mittelpunkt stehen geschlechtsspezifische Gewalt, Femizide und der Schutz von Frauen.
Cilli-Maria Kroneck-Salis gehörte seit den späten 1970er Jahren zu den prägenden Persönlichkeiten der Gleichstellungsarbeit in der Region. Sie wirkte maßgeblich am Aufbau des ersten autonomen Frauenhauses in Osnabrück mit und setzte sich über Jahrzehnte für Frauen ein, die von Gewalt betroffen waren. Später engagierte sie sich zudem für geflüchtete Frauen.
Über die biografischen Stationen hinaus greift die digitale Tour weitere Themen auf. Dazu zählen die UN-Frauenrechtskonvention (CEDAW), Femizide, das internationale Hilfesignal „Signal for Help“, die Arbeit des Autonomen Frauenhauses Osnabrück sowie Queerfeindlichkeit. Ziel des Projekts ist es, historische Erinnerung mit zeitgenössischer Aufklärungsarbeit zu verbinden und gesellschaftliche Entwicklungen im öffentlichen Raum sichtbar zu machen.
Die Entscheidung für das digitale Format ergab sich auch aus praktischen Gründen. Das Frauenhaus ist aus Sicherheitsgründen nicht öffentlich zugänglich; auch das frühere Wohnhaus von Cilli-Maria Kroneck-Salis steht nicht mehr als Veranstaltungsort zur Verfügung. Die Audiostationen sollen deshalb bis Ende des Jahres an verschiedenen Orten in Stadt und Landkreis Osnabrück eingerichtet werden.
Musikalisch begleitet wurde die Vorstellung des Projekts von der Künstlerin Jaikoru. Deren Liedzeile „die rev0lvtion beginnt mit derzerbrechlichk3it“ griff den Leitgedanken der Veranstaltung auf: dass gesellschaftliche Veränderung dort ihren Ausgang nimmt, wo Verletzlichkeit sichtbar wird und Erfahrungen von Gewalt öffentlich Gehör finden. Die digitale Stadttour versteht sich damit nicht allein als Erinnerungsprojekt, sondern auch als Beitrag zur Sensibilisierung für Gewaltprävention, Gleichstellung und Menschenrechte.
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