Person an einem Rednerpult auf einer Bühne
Landrätin Anna Kebschull begrüßte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Tagung.
Donnerstag, 27. August 2026

Tagung „Klimafolgen im Blick“ fand in Osnabrücker Bundesumweltstiftung statt

Osnabrück. Thema Klima: In Osnabrück diskutierten 175 Fachleute und interessierte Gäste gemeinsam über die Folgen des Klimawandels in der Region und gingen der Frage nach, wie Anpassung an Hitze, Dürren und Starkregenereignisse aussehen kann. Die Tagung „Klimafolgen im Blick – warum Anpassung für Kommunen, Institutionen und Gesellschaft jetzt wichtig ist“, die vom Landkreis Osnabrück organisiert wurde, fand im Zentrum für Umweltkommunikation der Deutschen Bundesstiftung Umwelt statt.

Die Veranstaltung deckte ein breites Themenspektrum ab: Von den meteorologischen Grundlagen über die Forst- und Wasserwirtschaft bis hin zu Aspekten des Gesundheitswesens, des Katastrophenschutzes und der Versicherungen wurden ganz unterschiedliche Aspekte beleuchtet. So wurde deutlich, dass alle Bereiche der Gesellschaft vom Klimawandel betroffen sind und sich auf massive Veränderungen einstellen müssen. 

Landrätin Anna Kebschull, die gemeinsam mit Professor Dr. Große Ophoff von der DBU die Gäste begrüßte, hob dabei die Rolle der Kommunen hervor: „In Ihrer Verantwortung werden bereits viele Maßnahmen umgesetzt, die der Anpassung an extreme Wetterlagen dienen. Vielerorts werden Starkregenvorsorgekonzepte erarbeitet und Bebauungspläne erstellt, die die Versiegelung gering halten und den Wasserrückhalt fördern. Es werden Trinkwasserbrunnen aufgestellt, Dachbegrünungen gefördert oder die Feuerwehren werden neu ausgerüstet. All das geschieht unter aktuell ausgesprochen schwierigen finanziellen Bedingungen.“

Der Meteorologe und Journalist Özden Terli, der die Veranstaltung moderierte, skizzierte zu Beginn in seinem Vortrag „Extremwetter in einer neuen Atmosphäre“ ungeschönt die dramatischen Veränderungen, die sich derzeit in der Atmosphäre vollziehen und unser Wetter bestimmen. Dr. Hans-Martin Hauskeller von den Niedersächsischen Landesforsten bestätigte Terlis Darstellung und machte deutlich, dass auch der Wald unter Stress steht. Wie schwierig es für den Waldumbau ist, mit der Klimaveränderung Schritt zu halten, erläuterte der Forstwirt anhand aktueller Forschungsergebnisse.

Wie sehr der Mensch auch ganz unmittelbar betroffen ist, verdeutlichte die Internistin Anne Schluck von der Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG). Ihre Ausführungen zu den katastrophalen Folgen der vergangenen Hitzewellen mit tausenden von Toten machten klar, dass der Ausbau von Hitzeschutzmaßnahmen für die menschliche Gesundheit keinen Aufschub duldet.

Dass wir den Dürrephasen, wie wir sie aktuell erleben, nicht völlig hilflos gegenüberstehen, verdeutlichte der Osnabrücker Landschaftsplaner Prof. Hubertus von Dressler, der das Konzept der „Schwammlandschaft“ vorstellte. Dass es hierbei um das Zusammenwirken aller Landnutzer geht, konnte in einem weiteren Vortrag die Landschaftsarchitektin und Designerin Lea Nikolaus verdeutlichen. 

Ludger Flohre, Kreisbrandmeister im Landkreis Osnabrück, hob in seinem Vortrag hervor, dass große Einsatzlagen wie Wald- und Feldbrände die Einsatzkräfte vor ganz neue Herausforderungen stellen. An heißen Tagen möglichst im Haus bleiben und körperliche Betätigung vermeiden – solche Hitzetipps können Feuerwehrleute schwerlich befolgen, betonte Flohre mit Blick auf zahlreiche Einsätze auch im Landkreis Osnabrück.

Auch Versicherungen verspüren angesichts häufigerer Schadensereignissen einen zunehmenden Druck. In seinem Vortrag „Anpassen statt abwarten“ stellte Markus Hinz von der VGH die Frage, ob der Klimawandel uns die Grenzen der Versicherbarkeit aufzeigt. Vor diesem Hintergrund mahnte er dringend an, Sachwerte mit geeigneten Maßnahmen vor Schäden zu schützen.

Zum Abschluss des Vortragsteils zeigte die Biologin Verena Menz von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt anhand von Praxisbeispielen, wie Klimafolgenanpassung und Klimaschutz Hand in Hand gehen und dabei gleichzeitig einen Beitrag zum Schutz der Artenvielfalt leisten können. 

Am Nachmittag wurden die wichtigsten Aspekte in vier thematischen Foren diskutiert, bei der alle Teilnehmenden die Gelegenheit hatten, ihre Expertise einzubringen. Auch hier wurde nochmals deutlich, dass es Engagement auf allen Ebenen braucht, um die Probleme zu bewältigen. Dabei liegen an vielen Stellen Lösungsansätze schon auf dem Tisch und werden nur noch von finanziellen Engpässen gebremst, während andernorts noch grundlegende Überzeugungsarbeit notwendig ist. 

Dass der Landkreis Osnabrück und viele andere Akteure bereits ganz konkrete Anpassungsmaßnahmen anbieten, wurde in einer begleitenden Ausstellung deutlich. Hier wurden Themen wie Wasserversorgung, Extremwetter, Hochwasserschutz, Hitzeschutz, Katastrophenvorsorge, Fördermöglichkeiten, Beratung und Bildungsangebote vorgestellt. 

Der Meteorologe Terli hob in seinem Abschlussplädoyer hervor, dass bei denen, die sich auf wissenschaftliche Erkenntnisse berufen, Einigkeit herrscht: Wir müssen versuchen, uns so gut es geht auf den Klimawandel einzustellen. Die Herausforderungen sind gewaltig. Gleichzeitig müssen wir anerkennen, dass Anpassung Grenzen hat. Daher dürfen wir das große Ziel, den Klimawandel aufzuhalten, indem wir den Ausstoß von Treibhausgasen reduzieren, keinesfalls aus den Augen verlieren.

Dateien

Kontakt

Bürgerinformation

Am Schölerberg 1
49082 Osnabrück
Deutschland

Montag bis Mittwoch
8 bis 16 Uhr
Donnerstag
8 bis 17.30 Uhr
Freitag
8 bis 12 Uhr