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Vier Personen schauen auf einen Bauplan.
Florian und Maria Bußmann (v.li.) erläuterten WIGOS-Prokuristin Martina Manteuffel und WIGOS-Geschäftfsführer Peter Vahrenkamp die Investitionspläne.
Donnerstag, 10. September 2026

Bramscher Spezialist für E-/Social-Commerce investiert 20 Millionen in zweiten Standort in Wallenhorst

Bramsche/Wallenhorst. Ein Baumarktregal, 50 Quadratmeter Fläche und ein bis zwei Pakete am Tag: So bescheiden waren die Anfänge von majamo. Heute beschäftigt das Unternehmen an seinem Hauptstandort in Bramsche rund 100 Menschen, wickelt jährlich mehr als eine Million Pakete ab und betreut Kunden aus der Welt des E- und Social-Commerce – darunter zahlreiche bekannte Influencer mit Millionenreichweiten. Nun kehrt das junge Unternehmerpaar nicht nur an den Ursprung ihres Business nach Wallenhorst zurück, sondern investiert rund 20 Millionen Euro in sein Geschäft: Im Gewerbegebiet am Schwarzen See baut das Fulfillment-Unternehmen ein weiteres modernes Logistikzentrum. 

Wie gut die Bauarbeiten voranschreiten und welche Gründerstory hinter majamo steckt, das wollten Peter Vahrenkamp, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung des Landkreises Osnabrück, WIGOS, und WIGOS-Prokuristin Martina Manteuffel bei ihrem Besuch in Bramsche aus erster Hand von dem Unternehmer-Ehepaar Florian und Maria Bußmann erfahren: „Ihr habt ein super Unternehmenswachstum hingelegt. Das zeugt von Mut und echtem Unternehmergeist.“ Von dem Engagement der beiden profitiere der gesamte Wirtschaftsraum, zeigte sich Peter Vahrenkamp begeistert. Die WIGOS habe das Unternehmen gerne unterstützt. „Mit unserer Förderung des Vorhabens haben wir ganz konkret dazu beigetragen, das Wachstum in unserem Wirtschaftsraum im Herzen des Nordwestens zu stärken.“ 

Maria und Florian kannten sich bereits aus dem Studium aus Dortmund. Schon damals wollten beide nicht nur studieren, sondern eigene Ideen ausprobieren und erste unternehmerische Erfahrungen sammeln. Für Maria Bußmann lag der Schritt in die Selbstständigkeit dabei fast auf der Hand. Ihre Eltern waren als sogenannte Boatpeople in die Region gekommen und bauten sich hier mit einer kleinen Spedition eine eigene Existenz auf. „Ich bin praktisch mit dem Unternehmertum aufgewachsen“, erzählt sie.

Während des Studiums starteten die beiden ihr erstes gemeinsames Business: einen Onlineshop für Damenmode. Die Erfahrungen, die Maria und Florian Bußmann dabei im E-Commerce sammelten, legten den Grundstein für das heutige Unternehmen. Sie kannten die Herausforderungen rund um Lagerung, Versand und die gesamte Abwicklung von Bestellungen aus eigener Erfahrung und entschieden sich 2019, dieses Wissen zu nutzen und sich als Fulfillment-Dienstleister für andere Onlinehändler zu positionieren. Viel brauchte es dafür zunächst nicht. „Unser Setup in Hollage bestand anfangs aus einem Baumarktregal und rund 50 Quadratmetern Fläche“, erinnern sich die beiden. Ein bis zwei Pakete gingen täglich auf die Reise. 

Der Plan war zunächst bescheiden: Ein Jahr wollten sie das Ganze ausprobieren und sehen, wie sich das Geschäft entwickelt. Dann kam Corona - und damit für das junge Unternehmen der entscheidende Wachstumsschub. Immer mehr Menschen bestellten online, die Zahl der Pakete stieg rasant. Aus dem kleinen studentischen Unternehmen wurde ein wachsender Logistik- und Fulfillment-Dienstleister. „Wir waren Corona-Gewinner“, so Maria Bußmann rückblickend. 

Nachfrage und Erfolg wuchsen, schnell wurden die Räumlichkeiten zu klein. So sah sich das junge Unternehmerpaar nach einem neuen Standort um und wurde nur wenige Kilometer weiter - im benachbarten Bramsche – mit einem Grundstück fündig. Dort entstand eine rund 10.000 Quadratmeter große Halle und das logistische Drehkreuz für die Aufträge, die stetig zunahmen. „Für uns war das damals ein großer Schritt. Wir sind von fünf kleinen Standorten zu einem großen Standort gezogen.“ Dabei ging es für die Gründer nicht nur schlicht um die benötigte Fläche. Entscheidend war auch die Erfahrung, die sie mit ihrem Standort machten. „Wir wurden von der Stadt Bramsche als junges Unternehmen unglaublich toll aufgenommen“, erzählen die beiden. Der gesamte Prozess, unter anderem die Genehmigungsverfahren, sei sehr unkompliziert gewesen – in Wallenhorst ebenso wie in Bramsche. „Alle haben wirklich viel dafür getan, dass es für uns passt“, freut sich das Unternehmerpaar.

Majamo konzentriert sich auf Social-Commerce – eine Branche, die sich in den vergangenen Jahren dynamisch entwickelt hat. „Das ist unsere Nische“, betonen die beiden. Stolz sind sie auf ihre erfolgreichen Influencer-Kunden, die Millionenreichweiten erzielen. Dazu zählt die Frankfurter Marke „6PM“: Furore machte sie vor allem durch den spanischen Fußball-Star Yamal, der beim WM-Triumph seine 6PM-Boxershorts aufblitzen ließ - mit dem Effekt, dass die Nachfrage nach der Shorts sofort rasant anstieg. „Wenn ein Produkt unserer Kunden viral geht, müssen wir schnell reagieren und liefern. Diese Flexibilität ist unsere Stärke“, erläutert Florian Bußmann. Und auch Weihnachten steht bei majamo im wahrsten Wortsinn vor der Tür. „Für unseren Kunden ,SugarGang‘ konfektionieren wir gerade einen 1,20 m großen Adventskalender, der bei TikTok viral gegangen ist. Jedes Türchen konfektionieren wir einzeln“, beschreibt Maria Bußmann den Spezialauftrag. 

Ob Marken wie Orthomol, 6PM oder SugarGang: „Jeder Brand ist einzigartig“, lautet das Credo des majamo-Paares. „Unsere Kunden sind nicht einfach Auftraggeber, sondern Partner.“ Schließlich übernimmt majamo weit mehr als nur den Versand. Lagerung, Kommissionierung, Versand, Retouren und die Endkundenkommunikation werden komplett inhouse abgewickelt. Jeder einzelne Schritt wird vom Unternehmen gesteuert. Das Modell habe für die Kunden einen entscheidenden Vorteil, wie die beiden berichten: „Die Einstiegshürde ist niedrig. Wer eine Community aufgebaut hat und eine eigene Marke oder Produkte auf den Markt bringen möchte, muss nicht zunächst ein eigenes Lager, Personal und eine komplette Logistik aufbauen.“ Manche Kunden sind dabei längst international unterwegs. Rund 90 Prozent der Sendungen bleiben zwar in Deutschland, doch die übrigen Pakete gehen in die ganze Welt. Dazu zählen beispielsweise auch DJs, die international auftreten. „Da gehen auch schon mal Pakete nach Buenos Aires.“ Der Erfolg von majamo drückt sich direkt in Zahlen aus: Allein innerhalb eines Jahres wurden zuletzt mehr als eine Million Pakete abgewickelt.

Die Geschwindigkeit der Branche spiegelt sich auch im Unternehmen selbst wider. Das junge Team ist im Durchschnitt gerade einmal 28 Jahre alt. „Unsere Mitarbeitenden kennen die Kunden und deren Produkte aus den sozialen Medien. Sie wissen, welche Marken dahinterstehen und wie deren Communities funktionieren.“ Knapp 100 Mitarbeitende beschäftigt majamo inzwischen – und es sollen mit dem neuen Standort nochmals deutlich mehr werden. Schwierigkeiten, Personal zu finden, habe das Unternehmen hingegen nicht, wie Maria Bußmann erklärt: „Wir finden tolle Leute, die zu uns und unserer dynamischen Unternehmenskultur passen.“ Für den neuen Standort sucht majamo weitere 120 Mitarbeitende. 

Mit dem Neubau im Gewerbegebiet Schwarzer See will majamo nicht nur neue Arbeitsplätze, sondern vor allem Platz für Neukunden schaffen. „Unser Wachstum läuft über Fläche.“ So rechnet der Fulfillment-Spezialist damit, dass viele weitere Kunden hinzu kommen werden. „Die Nachfrage ist da. Lange konnten wir keine Neukunden aufnehmen, weil wir mit dem Wachstum unserer Bestandskunden mithalten mussten. Jetzt mit dem zweiten Standort in Hollage öffnen wir unsere Türen und schauen, wer hereinkommt“, sagt Maria Bußmann lächelnd. 

Um die anstehenden Kundenaufträge abwickeln zu können, investiert das Paar rund 20 Millionen Euro in den neuen Standort - und kehrt damit an den Ort zurück, an dem seine Erfolgsgeschichte begann. Auf einer Fläche von 33.000 qm entsteht im Gewerbegebiet am Schwarzen See eine Niederlassung mit Hallen, Lagerräumen, einem Bürotrakt und einem Eventraum mit Glasfront, mit dem sich Maria Bußmann einen Herzenswunsch erfüllt hat. Auch wenn Maria und Florian Bußmann ihr Unternehmen von Beginn an eigenständig aufgebaut haben, war bei einem Projekt dieser Größenordnung die Unterstützung verlässlicher Partner entscheidend. „Wir sind sehr dankbar, dass uns auf diesem Weg so viele Menschen und Institutionen unterstützt und an unser Vorhaben gegelaubt haben.“ Alle hätten an einem Strang gezogen. Nicht nur die Kommunen Bramsche und Wallenhorst, die WIGOS und der Landkreis hätten tatkräftig unterstützt, begeistert sind die Gründer auch von der Beratung und Begleitung durch die Kreissparkasse Bersenbrück: „Die Zusammenarbeit war sehr partnerschaftlich.“

Starten soll es am neuen Standort im Frühjahr 2027. Für Maria und Florian Bußmann ist die Entwicklung auch emotional ein besonderer Moment. Wenn sie morgens auf dem Weg nach Bramsche sind, schauen sie regelmäßig bei der Baustelle vorbei und sehen ihre Pläne buchstäblich wachsen: „Wir freuen uns dann jedes Mal, dass es so erfolgreich vorangeht.“

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