Fünf Personen stehen auf einem Acker vor Landmaschinen.
Den Startschuss für das FieldLab Osnabrücker Land gaben (v.l.) Nils Tiedemann (Gemeinde Wallenhorst), Wallenhorsts Bürgermeister Otto Steinkamp, Landrätin Anna Kebschull, Peter Vahrenkamp (Geschäftsführer WIGOS und oleg) sowie Merle Schmidt (oleg).
Dienstag, 7. Juli 2026

„FieldLab Osnabrücker Land“ - Landkreis und Gemeinde Wallenhorst stärken Agrartechnologie

Wallenhorst. In wirtschaftlich herausfordernden Zeiten setzen der Landkreis Osnabrück und die Gemeinde Wallenhorst ein klares Zeichen: Im neuen „FieldLab Osnabrücker Land“ sollen zukünftig Agrartechnologien entwickelt und erprobt werden. Im Mittelpunkt der ersten Forschungsvorhaben stehen insbesondere autonome Landmaschinen, Sensortechnik, KI-gestützte Datenverarbeitung und digital vernetzte Agrarsysteme. Ziel ist eine ressourcenschonende, widerstandsfähige Landwirtschaft, die den Folgen des Klimawandels, dem Fachkräftemangel und steigenden Anforderungen an Nachhaltigkeit gewachsen ist. Mit dem „FieldLab Osnabrücker Land“ wird nicht nur in Forschung und Entwicklung investiert, sondern auch gezielt in die Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes Osnabrücker Land.

Die Gemeinde Wallenhorst hat jetzt mit positivem Ratsbeschluss grünes Licht für das Anwendungszentrum für die Agrar- und Landmaschinentechnik zur Erprobung smarter digitaler Technologien gegeben: Zur Verfügung gestellt wird die acht Hektar große Versuchsfläche im Gewerbegebiet an der Penter Straße durch die oleg Osnabrücker Land-Entwicklungsgesellschaft mbH - einer Schwestergesellschaft der Wirtschaftsförderung des Landkreises, WIGOS, die den Prozess federführend vorantreiben. 

„Das Osnabrücker Land liegt im Zentrum der mit am intensivsten bewirtschafteten Agrarregionen Deutschlands. Der landwirtschaftliche Sektor steht angesichts der Folgen des Klimawandels, sinkender Ressourcenverfügbarkeit und eines zunehmenden Arbeitskräftemangels vor großen Herausforderungen. Die notwendigen tiefgreifenden Veränderungen hin zu einer nachhaltigen und zukunftsfähigen Landwirtschaft hängen entscheidend von der Erforschung und Entwicklung neuer KI-basierter Agrartechnologien ab. Das ,FieldLab Osnabrücker Land‘ ist ein starkes Signal für Innovation, Zusammenarbeit und die Zukunftsfähigkeit unseres Standortes“, betonte Landrätin Anna Kebschull zum Start des Vorhabens. Gemeinsam mit Wallenhorsts Bürgermeister Otto Steinkamp dankte sie allen Beteiligten für diesen wichtigen ersten Schritt. „Wir freuen uns sehr, dass wir der oleg und ihren Partnern die passenden Rahmenbedingungen zur Verfügung stellen können und dieses innovative Projekt mit großem Entwicklungspotenzial begleiten dürfen“, unterstrich Bürgermeister Otto Steinkamp.

Die Region bringe für das „FieldLab“ ideale Voraussetzungen mit, ergänzte WIGOS-Geschäftsführer Peter Vahrenkamp: „Hier entsteht eine zentrale Entwicklungs- und Versuchsinfrastruktur, um Innovationen restriktionsarm aus öffentlicher Hand zu erproben. Bauen können wir im Landkreis Osnabrück dabei auf ein starkes Netzwerk. Zahlreiche Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Netzwerke, allen voran das Agrotech Valley Forum, verfügen über international anerkanntes Know-how in der Agrartechnik.“ 

Das Konzept des „FieldLabs“ reagiert auf einen seit Jahren spürbaren Bedarf: Viele Forschungs- und Entwicklungsprojekte im Agrarbereich sind heute auf zahlreiche, oft nur lose vernetzte Standorte verteilt. Das führt zu Reibungsverlusten und erschwert die enge Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft. Mit dem „FieldLab Osnabrücker Land“ entsteht nun in der Region ein Knotenpunkt, an dem Testinfrastrukturen wie Versuchsstrecken, Testfelder, Labore und Werkstätten zusammengeführt werden – eingebettet in die Rahmenbedingungen eines Gewerbegebietes. 

So sollen zunächst Teile des Areals vom Forschungsprojekt „KI-Reallabor Agrar“ (RLA) genutzt werden. Das vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur und der VolkswagenStiftung im Programm „zukunft.niedersachsen“ mit rund 18,9 Millionen Euro geförderte Vorhaben bündelt unter Konsortialführung der Universität Osnabrück ein hochkarätiges Konsortium. Neben der Universität gehören hierzu die Hochschule Osnabrück, das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI), das Agrotech Valley Forum e. V., die Technische Universität Braunschweig, das Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie (ATB), das Johann Heinrich von Thünen-Institut sowie das Netzwerk Ackerbau Niedersachsen e. V. Das Vorhaben läuft bis Ende 2030.

„Die Fläche bietet unserem Projekt optimale Bedingungen, zeit- und praxisnah unsere Ideen ins Feld zu bringen und dabei weitgehend frei von wirtschaftlichen und anderen Zwängen klassischer Versuchsbetriebe zu agieren“, unterstrich Tim Römer, der das RLA an der Universität Osnabrück leitet. Es handele sich um eine Fläche, auf der auch temporäre Versuchsbauten und eine feste Installation von Versuchstechnik – etwa Bodensensoren oder Kamerasysteme – möglich seien. Hier könnten Technologien ohne Folgen für den Betrieb der Fläche erprobt werden. Das RLA soll nicht der einzige Nutzer bleiben. Bereits heute zeichnen sich weitere Forschungsprojekte ab, die das „FieldLab Osnabrücker Land“ integrieren wollen. 

In den nächsten Monaten sollen insbesondere auch Unternehmen und Startups für die Nutzung der Fläche und dort entstehenden Infrastruktur gewonnen werden. Hierfür soll ein tragfähiges Betriebsmodell entwickelt werden, das eine dauerhafte Etablierung als Forschungscampus und Demonstrationsstandort ermöglicht. „Das ,FieldLab‘ soll langfristig fester Bestandteil der regionalen Innovationslandschaft sein, die bestehende regionale Infrastruktur sinnvoll ergänzen und Lücken schließen“, so das gemeinsame Ziel.

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