Lebendiger Landschaftstag: Kunstpreis für Shabnam Parvaresh und Auszeichnung für Susanne Winkler
Mit etwa 100 Gästen war der kleine Saal des Dorftreffs beim alten Haarmeyer im Herzen von Neuenkirchen gut gefüllt, als der Landschaftsverband Osnabrücker Land e. V. (LVO) am 26. August seinen alljährlichen Landschaftstag abhielt. Die Vergabe des mit 5.000 Euro dotierten Kunstpreises an die Musikerin Shabnam Parvaresh und der Auszeichnung an Susanne Winkler, Vorsitzende von KURIOS (Kulturring Ostercappeln e. V.), bildeten die Höhepunkte der Veranstaltung.
Erster Stadtrat Wolfgang Beckermann, Vorsitzender des LVO, eröffnete den Landschaftstag mit der schon traditionellen Begrüßungsrede, in der u. a. kulturpolitische Themen zur Sprache kamen. Ausgehend vom jährlichen Wechsel des Veranstaltungsortes, der die Vielfalt des Osnabrücker Landes sichtbar machen soll, betonte er, dass der „Dorftreff im alten Haarmeyer“ in Neuenkirchen als besonders schönes Beispiel gelten könne. Im Folgenden verwies Beckermann auf die Rolle des LVO als Kulturförderer. Er dankte dem Land Niedersachsen für dessen Vertrauen in die Vergabe regionalisierter Landesmittel durch den Verband, ferner der Landschaftlichen Brandkasse in der VGH für ihre jährliche Spende für Kulturaktivitäten in der Region – Letztere sei dieses Jahr um stolze 50% angehoben worden, was von „Großzügigkeit und enger Verbundenheit in gleichem Maße“ zeuge. Zudem sei erfreulich, dass nach vielen Jahren die Förderprogramme des Landes für Investitionen kleiner Kultureinrichtungen ebenso wie für Niederdeutsch-Projekte verstetigt worden seien.
Bevor er auf einzelne Projekte zu sprechen kam, versäumte Beckermann nicht, auf die bevorstehenden personellen Änderungen im LVO hinzuweise: So kündigte er an, zum 01.11.2026 aus dem Amt und damit zugleich aus dem Vorstand des Verbandes auszuscheiden, gleiches gelte im Frühjahr für seinen Kollegen, Kreisrat Matthias Selle, der zwar turnusgemäß den Staffelstab übernehmen, aber bereits zum 01.05.2027 den Ruhestand gehen werde. Und nicht zuletzt die langjährige Geschäftsführerin, Dr. Susanne Tauss, werde im Herbst 2027 gleichfalls „das Weite suchen“. Doch alle, die auf den genannten Positionen nachfolgen, „werden ein wohlbestelltes Haus vorfinden“, so Beckermann.
Den kulturpolitischen Standort des LVO umriss der Vorsitzende dort, wo die „DNA jeder freiheitlichen Gesellschaft“ gründe, nämlich in der Freiheit von Kunst und Meinungsäußerung. So gelte es vereinfachenden Denkmustern und Geschichtsvergessenheit etwas entgegenzusetzen. Mit Blick auf die Region sei es zentral, so Beckermann, die ausgesprochen engagierte und bunte Kulturszene in Stadt und Landkreis Osnabrück in all ihrer Vielfalt lebendig zu halten.
Des Weiteren verwies er auf aktuell laufende Projekte, wozu nicht nur der Tagungsband „Preußen und Osnabrück. Eine Beziehungsgeschichte“ gehöre, der noch vor Weihnachten vorliegen und u. a. kritische Statements enthalten werde, die auf die Problematik einer eindimensionalen Instrumentalisierung ‚Preußens‘ verweisen. Zudem starte der Landschaftsverband zum 1. November 2026 eine Koordinierungsstelle für Notfallverbünde im Kulturgüterschutz, ein landesweites Pilotprojekt der Arbeitsgemeinschaft der Landschaften und Landschaftsverbände. Ferner schlug er den Bogen zu einem zweiten Pilotprojekt, zu Saalbetrieben im Osnabrücker Land, in Kooperation mit der Universität Vechta. Daher folgte vor den Preisvergaben ein von Dr. Susanne Tauss moderiertes Interview, in dem Ulf Dieckmann und Elke Woltering vom „Dorftreff beim alten Haarmeyer“ ebenso zu Wort kamen wie die Professorin für Kulturwissenschaft Lina Franken als Projektleiterin an der Uni Vechta. Das lebendige Gespräch sowie der Veranstaltungsort, zu dem vor der Veranstaltung Führungen stattfanden, überzeugten die Gäste sichtlich von der hoch engagierten und überaus gelungenen Transformation des alten Saalbetriebs.
Im Zentrum des Landschaftstages standen wie stets die Preisverleihungen. In ihrer herzlichen Laudatio auf Susanne Winkler hob Katharina Pfaff, Leiterin des Kulturbüros des Landkreises Osnabrück, hervor, in welchem Maße die Preisträgerin der Auszeichnung 2026 „mit ihrem Wirken und ihrem Wesen“ bereichere. Das langjährige Engagement Susanne Winklers für KURIOS (Kulturring Ostercappeln e. V.) sei geprägt „von kreativer und zielgerichteter Netzwerkarbeit, herausragender Zuverlässigkeit“. Pfaff dankte ihr für „unermüdliches ehrenamtliches Engagement“. In der Verlesung der Preisurkunde betonte der LVO-Vorsitzende unisono den „hohen persönlichen Einsatz“ und das Tun von Susanne Winkler als „Impulsgeberin und kultureller Motor im Wittlager Land sowie weit darüber hinaus“. Die Auszeichnung ist ‚dotiert‘ mit einem Kunstwerk des Osnabrücker Künstlers Jakob Bartnik, der spielerischen Version eines Zepters – ein würdiges Preisobjekt für dessen Trägerin.
Die Laudatio auf die Trägerin des Kunstpreises Shabnam Parvaresh hielt der Kulturjournalist Ralf Döring. Mit großer persönlicher Verbundenheit umriss er deren Ankunft 2014 in Osnabrück als in einer völlig fremden Kultur. Da die Künstlerin im Iran keine Perspektive als Musikerin sah, habe sie sich ins „Risiko“ eines Neuanfangs begeben, so Döring, der damit den roten Faden seiner Rede legte. Sie studierte an der hiesigen Hochschule Jazz und habe sich inzwischen längst nicht nur in der örtlichen, sondern in der bundesweiten und internationalen Jazzszene etabliert. Auch musikalisch suche die Bassklarinettistin Shabnam Parvaresh das Risiko, was Döring beispielhaft am Sheen Trio und dessen Experimentierfreude umriss, das Parvaresh gründete. Die Band gehe immer ans Limit. Nicht nur werde von einschlägigen Fachjournalen das neue Album des Sheen Trios in höchsten Tönen gelobt. Auch der Radius der Tourneen erweitere sich kontinuierlich – derzeit stehe eine Japan-Tour unmittelbar bevor. Die Kombination von Risikofreude und Zielstrebigkeit habe in Shabnam Parvaresh eine ideale Verbindung in der Musik, aber auch darüber hinaus in ihrer bildenden Kunst oder in ihren vielseitigen Kuratierungen gefunden. Nicht hoch genug einzuschätzen sei, dass sie inzwischen zu einer Exponentin Osnabrücks in der Welt geworden sei. Auch in der Preisurkunde wurde die Experimentierfreude der Musikerin hervorgehoben ebenso wie ihre Fähigkeit, stets neu „überraschende klangliche Welten“ zu eröffnen. Der Kunstpreis des LVO ist mit 5.000 Euro dotiert. Beide Preisträgerinnen kamen in einem kurzen Interview zu Wort; schmunzelnd erklärte Shabnam Parvaresh ihre Liebe zur Bassklarinette und die Besonderheiten dieses Instruments. Auf die Frage, was sie musikalisch gerne noch ausprobieren würde, antwortete sie, dass sie jede Menge Wünsche habe. Susanne Winkler sprüht gleichfalls von Ideen, die sie für KURIOS umsetzen möchte.
Die groovende Musik zum Landschaftstag 2026 steuerten Peter Stückemann, Regionalleiter der Kreismusikschule Osnabrück e. V., am Piano und sein Schüler Dominik Thy an der Posaune bei. Die Jazzimprovisationen führten bei manchen Gästen zu wippenden Beinen. Bei bester Stimmung klang der Landschaftstag im „Dorftreff beim alten Haarmeyer“ aus – ein Ort, von dem alle Beteiligten die besten Eindrücke mit nach Hause nahmen.
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