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Gruppe von Personen in einem Raum
Früh hinschauen bei Jugendlichen mit Unterstützungsbedarf: Dafür plädierten (von links): Kerstin Hüls und Annika Witte, Servicestelle Schule-Wirtschaft der MaßArbeit; Referentin Barbara Kunz, Kinder- und Jugendpsychotherapeutin; Jessica Kuhlmann, Schulleiterin, und Mareike Himmelreich, Berufsorientierungsbeauftragte der Geschwister-Scholl-Oberschule Bad Laer.
Dienstag, 29. September 2026

20. Netzwerktreffen Schule-Wirtschaft: hinschauen, zuhören, handeln

Bad Laer. Wie geht es jungen Menschen angesichts von Krieg, Klimawandel, wirtschaftlichen Unsicherheiten und den Folgen der Pandemie? Und was können Schulen und Ausbildungsbetriebe tun, wenn Jugendliche psychisch belastet wirken? Mit diesen Fragen beschäftigte sich das 20. Netzwerktreffen Schule-Wirtschaft für das Südliche Osnabrücker Land (SOL) in der Geschwister-Scholl-Oberschule Bad Laer. Vertreterinnen und Vertreter aus Schulen, Unternehmen und Institutionen informierten sich, tauschten Erfahrungen aus und entwickelten konkrete Handlungsmöglichkeiten.

Nach einer kurzen Einführung ins Schulkonzept der Geschwister-Scholl-Oberschule lenkte Annika Witte von der Servicestelle Schule-Wirtschaft der MaßArbeit den Blick auf die sogenannte Polykrise. Pandemie, Klimawandel, Kriege, wirtschaftliche Unsicherheiten und gesellschaftliche Spannungen können die mentale Gesundheit junger Menschen beeinflussen. Das zeigt etwa die COPSY-Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf. Sie fand heraus, dass die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen schlechter ist als vor der Pandemie. Ein Fünftel berichtet von eingeschränkter Lebensqualität und psychischen Belastungen. Besonders häufig betroffen sind Mädchen und junge Frauen ab 14 Jahren. Gleichzeitig zeichnet die Studie kein ausschließlich negatives Bild: Jugendliche verfügen über Bewältigungsstrategien, Belastung und Zuversicht können nebeneinander bestehen. Für Schulen und Betriebe bedeutet das, junge Menschen sehr differenziert wahrzunehmen und ihre vorhandenen Stärken zu fördern.

„Gerade der Austausch zwischen Schulen und Unternehmen macht den Mehrwert des Netzwerktreffens aus“, sagte Witte. Entscheidend sei die gemeinsame Frage: „Was können wir konkret tun, wenn wir merken, dass ein junger Mensch Unterstützung braucht?“ Antworten darauf gab Kinder- und Jugendpsychotherapeutin Barbara Kunz in ihrem Fachvortrag „Jugend im Spiegel der Gesellschaft: Mentale Gesundheit in der Polykrise und deren Bedeutung für den Übergang Schule-Beruf“. Sie erläuterte psychische Belastungen und mögliche Auffälligkeiten im Ausbildungsalltag – unter anderem bei Ängsten, Depressionen, ADHS, Essstörungen sowie Sucht- und Konsumproblemen. Im Mittelpunkt stand der praktische Umgang mit diesen Veränderungen. „Psychische Gesundheit geht uns alle an, auch im Ausbildungsbetrieb“, betonte Kunz. Ausbildende müssten keine Diagnosen stellen. Wichtig sei vielmehr, Veränderungen wahrzunehmen, das Gespräch zu suchen und bei Bedarf professionelle Unterstützung einzubeziehen.

Anschließend übertrugen die Teilnehmenden die Impulse in die Praxis. In Gruppen ging es darum, wie Gespräche mit belasteten Jugendlichen beginnen können, wo die Grenzen der eigenen Rolle liegen und wann professionelle Hilfe notwendig ist. Als wichtige Handlungsmöglichkeiten wurden genannt: frühzeitig Auffälligkeiten wahrzunehmen und anzusprechen, offenes Zuhören statt vorschnell Lösungen vorzugeben, konkrete Vereinbarungen treffen sowie Zuständigkeiten und Ansprechpersonen im Vorfeld klären. Auch verbindliche Strukturen für den Umgang mit psychischen Belastungen wurden positiv bewertet.

Für die Schulleiterin der Geschwister-Scholl-Oberschule, Jessica Kuhlmann, ist gerade die Verbindung von Schule und Wirtschaft wichtig: „Der Übergang von der Schule in die Ausbildung ist für junge Menschen eine wichtige Veränderungsphase: Hier treffen Identitätsentwicklung, Leistungsanforderungen und zunehmende Eigenverantwortung aufeinander.“ Durch einen engeren Austausch könne besser darüber gesprochen werden, welche Unterstützung Jugendliche benötigen und wo Schule und Betriebe gemeinsam ansetzen können. Die Berufsorientierungsbeauftragte der OBS, Mareike Himmelreich, verwies zugleich auf die unterschiedlichen Voraussetzungen der Jugendlichen. „In der Berufsorientierung geht es deshalb auch darum, Belastungen wahrzunehmen, Stärken zu erkennen und gemeinsam passende nächste Schritte zu finden.“

Das Fazit des Netzwerktreffens: Psychische Belastungen bedeuten nicht automatisch, dass junge Menschen eine Ausbildung nicht bewältigen können. Entscheidend ist, hinzuschauen, miteinander ins Gespräch zu kommen und vorhandene Ressourcen zu stärken. Dafür braucht es eine Zusammenarbeit von Schule und Wirtschaft – und Strukturen, die nicht erst im Krisenfall entstehen.

Das Netzwerktreffen Schule-Wirtschaft findet jährlich statt. Organisiert wurde die Veranstaltung von der Servicestelle Schule-Wirtschaft der MaßArbeit und von der Geschwister-Scholl-Oberschule Bad Laer ausgerichtet. Finanziell gefördert wurde sie vom INQA-Netzwerkbüro des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales.

 

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