Seifenkisten mit Zukunft
Bad Laer. Zwei alte Seifenkisten, fünf Jugendliche und jede Menge Tatendrang: Über mehrere Monate haben Schülerinnen und Schüler der Geschwister-Scholl-Oberschule (OBS) Bad Laer gemeinsam mit dem Klinkerwerk B. Feldhaus zwei Seifenkisten vollständig neu aufgebaut. Dabei lernten sie nicht nur Schweißen, Lackieren und den Umgang mit Werkzeugen kennen, sondern auch, wie wichtig Teamarbeit, Eigenständigkeit und gemeinsames Problemlösen sind. Begleitet wird die Kooperation zwischen Schule und Betrieb von der Servicestelle Schule-Wirtschaft der MaßArbeit.
Einmal pro Woche ging es für die fünf Jugendlichen in die Werkstätten von Feldhaus Klinker. Dort warteten allerdings keine kleinen Reparaturen, sondern eine größere Aufgabe: Zwei ältere Seifenkisten wurden komplett entkernt und Schritt für Schritt wiederaufgebaut. Lenkung, Bremsen, Sitz und Gehäuse mussten neu gefertigt werden. Anschließend bekamen die Fahrzeuge auch noch einen neuen Anstrich.
Dabei durften die Jugendlichen möglichst viel selbst übernehmen. Mitarbeitende aus der Metallwerkstatt standen ihnen zur Seite – teilweise sogar in einer 1:1-Betreuung. So konnten die Schülerinnen und Schüler verschiedene Arbeitsbereiche kennenlernen und zahlreiche Tätigkeiten selbst ausprobieren. „Wir durften viel alleine machen und jeder durfte alles ausprobieren“, erzählt Schüler Fiete Weber. Besonders begeistert hat ihn das Schweißen. Und auch für einen ungewöhnlichen Abschluss war gesorgt: „Zum Schluss haben wir noch Pizza im Laborofen gebacken.“
Die praktische Arbeit hinterließ bei den Jugendlichen einen bleibenden Eindruck. Lea-Soraya Althof, lobt vor allem die Atmosphäre im Betrieb: „Das Team bei Feldhaus war super, alle waren total nett.“ Die Erfahrungen haben bei ihr sogar einen konkreten Gedanken ausgelöst: Sie könne sich vorstellen, dort eine Ausbildung zur Keramikerin zu beginnen.
Genau diese Verbindung von praktischer Erfahrung und Berufsorientierung ist ein wichtiger Bestandteil der seit 2024 bestehenden Kooperation zwischen der OBS und Feldhaus Klinker. „Die Jugendlichen konnten hier ganz praktische Erfahrungen sammeln und unterschiedliche Tätigkeiten ausprobieren“, sagt Schulleiterin Jessica Kuhlmann. Besonders wertvoll sei die vertrauensvolle Zusammenarbeit.
Begleitet wurde das Projekt auf schulischer Seite unter anderem von der Berufsorientierungsbeauftragten Mareike Himmelreich und dem Lehrer Andreas Harfst. Für Himmelreich ist die besondere Betreuung im Betrieb ein wichtiger Motivationsfaktor: „Die Jugendlichen werden durch die intensive Begleitung noch stärker für die praktische Arbeit begeistert.“ Harfst sieht einen direkten Nutzen für den Unterricht: Technische, mathematische und physikalische Zusammenhänge könnten anhand der selbst gebauten Fahrzeuge viel anschaulicher vermittelt werden.
Auch für Feldhaus Klinker ist das Projekt eine Investition in die Zukunft – trotz des Betreuungsaufwandes. „Die intensive Begleitung der Jugendlichen hat zwar viel Zeit gekostet, hat sich aber gelohnt,“ so Alexander Stricker, Industriedesigner im Unternehmen. Besonders beeindruckt habe ihn die Motivation der Schülerinnen und Schüler. Für das Unternehmen biete ein solches Projekt zugleich die Chance, junge Menschen über einen längeren Zeitraum kennenzulernen und für eine Ausbildung im eigenen Unternehmen zu begeistern.
Dass die Kooperation von Schule und Betrieb dem Unternehmen nützt, zeigt sich bereits an anderen gemeinsamen Projekten. Betriebsleiter Alexander Schröder verweist darauf, dass Feldhaus Klinker über frühere Kooperationsprojekte bereits zwei Jugendliche der OBS für eine Ausbildung gewinnen konnte.
Für die Schule ist deshalb entscheidend, dass Berufsorientierung nicht ausschließlich im Klassenraum stattfindet. Die Jugendlichen können während des Projekts ausprobieren, welche Aufgaben ihnen liegen, wie Arbeitsabläufe in einem Unternehmen funktionieren und wie aus einer Idee Schritt für Schritt ein fertiges Produkt entsteht. Einige der beteiligten Schülerinnen und Schüler nutzten zusätzlich die Osterferien, um freiwillig eine Woche Praktikum bei Feldhaus Klinker zu absolvieren.
Die Servicestelle Schule-Wirtschaft der MaßArbeit hat die Schule bereits bei mehreren Kooperationsanbahnungen und in der Projektbegleitung unterstützt. Kerstin Hüls von der Servicestelle freut sich besonders darüber, wenn die Ergebnisse solcher Zusammenarbeit am Ende tatsächlich sichtbar und greifbar werden. Genau das ist bei den Seifenkisten der Fall: Eine bleibt an der Schule, die zweite im Betrieb.
Bei der Präsentation der fertigen Fahrzeuge war der Stolz der Jugendlichen entsprechend groß. Schließlich hatten sie die Seifenkisten nicht nur gemeinsam mit den Fachleuten gebaut, sondern konnten das Ergebnis nun auch den anderen Schülerinnen und Schülern zeigen. Doch damit ist das Projekt noch nicht beendet: Nach dem ersten Rennen im August in Glane steht bereits die nächste Herausforderung bevor. Am 11. Oktober sollen die Seifenkisten bei der Remseder Kirmes erneut an den Start gehen.
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